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US Open: Thiems Wettlauf gegen die Zeit

MONTREAL QC AUGUST 07 Dominic Thiem AUT serves the ball during the ATP Tennis Herren Coupe R
Dominic Thiem(c) imago images / Icon SMI
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Dominic Thiem hat vor der Auftaktpartie gegen den Italiener Thomas Fabbiano ein gutes Gefühl, hält die Erwartungen aber dennoch niedrig. Zu groß sind die Fragen zur Fitness.

New York/Wien. Am späten Sonntagabend ließ Dominic Thiem die österreichischen Tennisfans aufatmen. Nach einer viralen Infektion hatte der Lichtenwörther einen ersten Belastungstest auf dem Tennisplatz absolviert und danach zufrieden festgestellt: „Ich habe heute mit dem richtigen Training begonnen. Den Ball habe ich richtig gut am Schläger, mein Gefühl ist sehr gut. Es geht aufwärts.“ Heute (2. Match nach 18 Uhr, live, ORF Sport+) eröffnet er im Arthur Ashe Stadion gegen den Italiener Thomas Fabbiano seine sechsten US Open.

Die Erwartungen hält Thiem ob der Fragezeichen um seine Fitness niedrig. „Bei einem Grand Slam geht es über fünf Sätze, da muss man körperlich einfach top drauf sein. Sonst ist man schnell weg“, erklärte der 25-Jährige. Die Erkrankung hatte nicht nur ein Antreten des Weltranglistenvierten beim Masters-1000-Turnier in Cincinnati unmöglich gemacht, sondern auch das unmittelbare Vorbereitungsprogramm auf das letzte Major des Jahres beeinflusst, denn die Genesung erfolgte nicht im erhofften Tempo. Erst vergangenen Mittwoch absolvierte Thiem das erste Mal ein längeres Training in New York, nach einer einstündigen Einheit mit Roger Federer am Donnerstag sagte er dann am Freitag kurzfristig für den Media Day ab, um sich zu schonen. „Ich hab mich relativ gut erholt, weil ich in den letzten Tagen extrem aufgepasst habe und auch alle anderen Termine abgesagt wurden.“

Im Lichte dieser Entwicklung bezeichnete Manager Herwig Straka Auftaktgeger Fabbiano als „machbares Los und für ihn eine gute Möglichkeit, sich ins Turnier reinzuspielen“. Dennoch müsse man von Spiel zu Spiel schauen, gelte es, den Rückstand einer spielfreien Woche sukzessive aufzuholen. „Jetzt geht es einmal wirklich darum, einmal gut in das Turnier reinzukommen und die ersten zwei Runden mit möglichst wenig Aufwand zu überstehen, aber trotzdem auch zu gewinnen überhaupt“, sagte der Steirer.

Im Vorjahr hatte Thiem hier in Flushing Meadows erstmals das Viertelfinale erreicht und musste sich in diesem in einem Fünf-Satz-Thriller Nadal beugen. Ein Rematch mit dem Spanier könnte es in diesem Jahr erst im Halbfinale geben. Erster gesetzter Gegner wäre möglicherweise in Runde drei der Brite Kyle Edmund (30).

 

Melzer fiebert mit

Auch Routinier Jürgen Melzer, der erstmals als reiner Doppelspezialist zu den US Open gekommen ist, hofft, dass Thiem den Wettkampf gegen die Zeit gewinnt. „Es ist natürlich alles andere als optimal und dann auch noch Best of five“, sagte der 38-Jährige, der mit Partner Oliver Marach nicht vor Mittwoch ins Turnier einsteigen wird. „Vielleicht hat er sogar Glück, dass das Wetter jetzt nicht so schlimm ist und er nicht bei 35 Grad einlaufen muss.“

Die heimische Öffentlichkeit warnt der ehemalige French-Open-Halbfinalist (2010) vor zu großen Erwartungen. „Ich glaube schon, dass man da die Erwartungshaltung ein bisschen zurückschrauben muss. In erster Linie muss man hoffen, dass er überhaupt antreten kann“, sagte Melzer und gab sich überzeugt, dass Thiem alles dafür getan habe. „Keiner versäumt gern einen Grand Slam, vor allem nicht nach so einer Saison, die er bis jetzt gespielt hat und der Position, in die er sich gebracht hat“, betonte der Niederösterreicher.

Auch er selbst hat in seiner Einzelkarriere öfters trotz angeschlagener Fitness spielen müssen und beurteilt das rückblickend durchaus kritisch. „Zum Beispiel im Jahr, nachdem ich Halbfinale in Paris gespielt habe. Da bin ich mit komplett kaputtem Rücken nach Paris gereist und habe trotzdem gespielt. Das sind Dinge, die man nicht machen sollte“, gibt Melzer zu bedenken. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2019)