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Hälfte der Österreicher ist Googles Datensammlung egal

Google
(c) AP (Jens Meyer)

Google sammelt Nutzerdaten um sie kommerziell zu verwerten und bereitet damit Datenschützern immer wieder Sorgen. Österreichische Nutzer sehen das locker, wünschen sich aber allgemein mehr Datenschutz.

Die Einstellung gegenüber dem Internetkonzern Google hat sich bei 90,3 Prozent der Österreicher verschlechtert. Auslöser war eine Datenpanne, die seit zwei Wochen für Aufsehen in Europa und den USA sorgt. Google hat im Rahmen von "Street View" für Google Maps angeblich unbeabsichtigt Daten aus privaten WLAN-Netzen gesammelt. Gleichzeitig ist es aber mehr als der Hälfte der Österreicher (54,9 Prozent) gleichgültig, wenn Google für die kostenlose Nutzung seiner Dienste möglichst viel ihrer Personen- und Verhaltensdaten sammelt. Das geht aus einer Umfrage des Instituts "Oekonsult" hervor, das vom 18. bis 23. Mai 1097 Personen befragt hat. Dass soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter primär auf die Erlangung der Nutzerdaten zu kommerziellen Zwecken abzielen, ist mehr als vier Fünftel (82,1 Prozent) bewusst.

Google Street View

Street View ist eine Erweiterung für Google Maps, die die Umgebung auf Basis von Fotografien dreidimensional begehbar macht. Die Aufnahmen der Straßenzüge und Häuser werden mit auf Autos montierten Kameras gemacht. Google muss für diesen Dienst immer wieder heftige Kritik von Datenschützern einstecken.

Die Österreicher wollen dennoch allgemein einen strengeren Datenschutz, nehmen es aber mit dem Schutz ihrer persönlichen Daten selbst nicht ganz so genau.

Demnach wissen mehr als vier Fünftel (81,2 Prozent) nicht so genau, wer aller über ihre personenbezogenen Daten verfügt. Und mehr als drei Viertel (76,7 Prozent) tun ihrer eigenen Einschätzung nach nicht alles in ihrer Macht stehende, um ihre Personendaten wirksam zu schützen. Nur 17,5 Prozent glauben, dass keine fremde Person auf die gespeicherten Daten zugreifen kann, wenn das Handy oder der Computer abhanden kommen sollten.

Gegen Nackscanner und SWIFT-Abkommen

Fast drei Viertel (73,6 Prozent) der Befragten lehnen eine verpflichtende EU-weite Einführung von Nacktscannern für mehr Sicherheit im Flugverkehr und die Überwälzung der daraus resultierenden Kosten auf die Flugpassagier ab. Das sogenannten SWIFT-Abkommen, das den USA zur Terrorbekämpfung weitgehenden Zugriff auf Daten von EU-Bankkunden geben soll, lehnen 77,2 Prozent ab. Einen einseitigen Datenfluss von der EU zu den USA darf es nach Ansicht von 89,9 Prozent der Befragten nicht geben. Dass sich das EU-Parlament mit Fragen des Datenschutzes beschäftigt, halten 92,7 Prozent für wichtig und notwendig.

Angst vor Überwachung am Arbeitsplatz

Nur ein Viertel der Österreicher (25,9 Prozent) ist sich ganz sicher, dass es an ihrem Arbeitsplatz keine Überwachung gibt. Wenn es um die Durchsetzung individuellen Datenschutzes gegenüber (Groß)unternehmen geht, halten 85 Prozent den einzelnen Bürger für ziemlich hilf- und machtlos. Dementsprechend fordern 89,6 Prozent harte, wirksame und abschreckende Sanktionen gegen ein unrechtmäßiges Erlangen und Verwenden von Personendaten durch große Firmen.

Die Strafbestimmungen und Strafrahmen für Datenschutzvergehen sind für 61,8 Prozent der Österreicher nicht ausreichend und zeitgemäß. Dementsprechend fordern auch mehr als drei Viertel (78,3 Prozent) vom Gesetzgeber, den Abstand zwischen den technischen Möglichkeiten der Internetkriminalität und den gesetzlichen Bestimmungen sowie der Kontrolle ihrer Einhaltung zu verringern. Mehr als der Hälfte der Österreicher (57,7 Prozent) ist allerdings die ganze Datenschutz-Materie einfach zu kompliziert, sie wollen sich gar nicht allzu sehr damit belasten.

(APA / Red.)