Expo Real

Messestimmen aus München: Trotz Regen, beste Laune

Reges Treiben in den Morgenstunden: Schon zu Beginn des ersten Messetages herrschte großer Andrang auf der Expo Real in München.
Reges Treiben in den Morgenstunden: Schon zu Beginn des ersten Messetages herrschte großer Andrang auf der Expo Real in München.Stuppnig

Auf der heurigen Expo Real stehen noch bis 9. Oktober unter anderem die Themen Urbanisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit am Programm. Hier Expertenstimmen direkt von der Messe.

Das trübe, regnerische Wetter könnte sinnbildlich sein für jene Themen, die die Münchner bewegen - kaum leistbares Wohnen zum Beispiel oder eine zu platzen drohende Immobilienblase. Doch im Gegenteil, die Branchenexperten sind bester Laune.

“Grüß Gott, du a do! Servus, Thomas.” Man kennt sich auf der Expo. Der Österreichstand ist bestens besucht, Michael Ehlmeier vom Immobiliendienstleister EHL gut gelaunt. “Sie sind heute mein fünfter Termin.” 
Woher die gute Laune?  “Die Stimmung ist ungebrochen optimistisch, nicht anders als vor vier Jahren. Es gibt viel Kapital im Markt, niedrige Zinsen, hohe Liquidität. Trotzdem sollten wir natürlich wachsam bleiben.” Zeit für düstere Zukunftsprognosen bleibe kaum, den Immobiliendienstleister beschäftigen heuer essentielle Fragen, etwa wie das Maklergeschäft neu aufgestellt werden soll: Welche Herausforderungen kommen auf das Berufsbild des Maklers zu, wenn das Bestellerprinzip kommt? Wann beginnt man die Digitalisierung noch mehr in den Unternehmen zu forcieren? Und, wie kann Wohnen leistbar werden?  Ein Trend, der sich abzeichne, seien Mikroappartments. “Wohnen ist für viele einfach zu teuer geworden, Partnerschaften sind oft von kürzerer Dauer als früher. Leistbares Wohnen wird die große Herausforderung der Zukunft. Und das sage ich als Makler im freifinanzierten Bereich.” 

Viele Männer in dunklen Anzügen lassen sich, trotz Nieselregen, nicht betrüben.
Viele Männer in dunklen Anzügen lassen sich, trotz Nieselregen, nicht betrüben.Stuppnig

 

An vielen Ständen und in Vorträgen wird über die Zukunft des Wohnens und über smarte und digitale Lebensräume diskutiert. Zahlreiche Besucher finden sich auch beim Stand von Savills. “Lustigerweise ist es heute voller, als die Jahre zuvor, vielleicht liegt das am Wetter”, sagt Andreas Trumpp, Head of Research Europa bei Savills Investment Management. Welche Themen Investoren bewegen, zeichne sich bereits an Tag Eins ab:  “Die zunehmende Regulierung im Wohnimmobilienmarkt wird sicherlich vermehrt diskutiert werden. Schließlich gab es Vorstöße, auch im gewerblichen Bereich Grenzen einzuziehen.”

“Was diese Messe zeigt, ist, dass die Nachfrage nach Immobilien ungebrochen ist. Man trifft sich, und knüpft Kontakte”, so Thomas Winkler von UBM Development über die Messe. “Die Expo ist wie eine Oscar-Nacht. Man kann es sich nicht leisten, nicht dabei zu sein.” Die  Messe habe aber mehr mit “Speed Dating” zu tun hat als mit seriöser Geschäftsanbahnung, lacht der CEO des Immobilienentwicklers. 

Smartes Wohnen, Asset-Mix und Nachhaltigkeit


“Ich hatte schon vor neun Uhr den ersten Termin, mein Tag ist durchgetaktet”, gibt sich auch Wolfdieter Jarisch von S+B umtriebig. Heuer, findet er, gehe es besonders “pushy” zu.  Jarisch präsentiert sich mit innovativen Projekten wie dem Studentenhaus DC3 oder jenen “smarten” Eigentumswohnungen die im Danubeflats,“Wiens modernstem Wohnturm”, Platz finden sollen.

Nicht nur über smarte Technologien müsse nachgedacht werden, sondern auch über die Art, Büros zu konzipieren, meint Jarisch: “Ich denke, irgendwann wird Wohnen und Büro zusammenfallen, dann mischen sich die Assetklassen.” 

Dieser Meinung ist auch Mark Guido Höhne, Geschäftsführer von Drees & Sommer Österreich. “In Zukunft wird es keine reinen Assetklassen mehr geben. Der Mix wird immer wesentlicher.” Von der Messe erwartet er sich Ähnliches wie in den Vorjahren: “viele potenzielle Kunden zu treffen, Bestandskundenpflege zu betreiben und unsere Themen zu positionieren.” Etwa das Thema Nachhaltigkeit: Ein Rohrgerüst umgibt den Messestand, der Holzboden ist unbeschichtet. Der Ausstellungsstand folgt nachhaltigen-, Cradle-to-Cradle Prinzipien, verwendete Materialien sollen dem technischen oder biologischen Kreislauf zugeführt werden. Ein Vorbild für die Baubranche: “Die Bauwirtschaft benutzt 50 Prozent der weltweiten Ressourcen und ist für 60 Prozent der weltweiten Abfälle verantwortlich. Wir müssen in der Bauindustrie Materialien einsetzen, die wir wiederverwenden können”, so Höhne.