Klimaaktivismus

Deutscher Kabarettist wegen Thunberg-Witz unter schwerem Beschuss

Kabarettist Dieter Nuhr
Kabarettist Dieter Nuhrimago/epd

Shitstorm aus Klimaaktivistenmilieu. Dieter Nuhr verteidigt sich: "Wenn man Witze erklären muss, ist es ja eh schon zu spät." Forderungen der Thunberg-Bewegung seien „naiv und gefährlich". Die Stimmung in Deutschland sei wie zu Zeiten religiösen Wahns.

Der deutsche Kabarettist Dieter Nuhr (58) hat sich wegen einer satirischen Äußerung über die umstrittene schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg einen veritablen Shitstorm aus Kreisen von Linken und Umweltaktivisten vor allem auf sozialen Medien eingefangen.

Der Künstler aus Nordrhein-Westfalen hat sich kürzlich in seiner ARD-Show "Nuhr im Ersten" laut gefragt, was die durch "Fridays for Future" bekannt gewordene 16-Jährige wohl bei Kälte tue. Die Antwort: "Heizen kann es ja wohl nicht sein.

„Eine Stimmung wie 1434"

Der Witz löste prompt teils hysterische Empörung unter Thunberg-Fans aus. Zumal Nuhr nachlegte: In späteren Satiresendungen hieß es etwa:

„In Deutschland ist eine Stimmung wie 1434. (Sich) geißelnde Menschen laufen durch die Straßen (...) wer heute Witze macht, spürt die Macht der Inquisition." Im Kabarett sollten Witze ja außerdem natürlich gar nicht vorkommen.

Nuhr verteidigt sich auch in Interviews mit deutschen Medien. So spielte er die Macht der Empörungswelle auf (a)sozialen Medien herunter: „Es gab einen sogenannten Shitstorm nach meiner letzten Sendung, ich hätte es gar nicht bemerkt. In der realen Welt kriegt man es gar nicht mit."

Und er kritisierte umgekehrt die Kritisierer als witzlos: "Wenn ich den Witz mache, dass ich meine Tochter unterstütze und deshalb ihr Zimmer nicht heize, dann offenbart das den zentralen Konflikt: Nämlich dass die meisten Kinder und Jugendlichen gar nicht abschätzen können, was eine Erfüllung ihrer Forderungen für sie ganz persönlich bedeuten würde", sagte er dem "Münchner Merkur" und der Zeitung "TZ" am Donnerstag. "Das ist nicht den Kindern anzulasten, sondern denen, die sie einseitig informieren. Aber wenn man Witze erklären muss, ist es eh schon zu spät", so der Komiker.

"Ich kann nicht mehr tun, als in jeder Sendung betonen, dass ich die Klimaproteste an sich begrüße, weil sie die Problemlösung vorantreiben, dass ich aber die Lösungsvorschläge der Bewegung für naiv und gefährlich halte", so der Kabarettist.

Klimabewegung radikalisiert sich

In jüngster Vergangenheit haben sich Teile der Thunberg-Bewegung massiv radikalisiert, speziell unter dem Namen „Extinction Rebellion". In Aussagen war von möglichem Gewalteinsatz die Rede, von einer zwangsweisen Durchsetzung des Klimaschutzes auch gegen den Willen der Bevölkerung, und dass Demokratie "irrelevant" sei, wenn diese nicht den Klimaschutz unterstütze. Man müsse „das System“ stürzen. Die Menschen müssten eben auf Wohlstand verzichten, erdölbetriebene Autos etwa gehörten sowieso verboten.

Es gab sogar da und dort die Forderung, dass kritische Stimmen, die umgekehrt den menschlichen Einfluss auf das Klima relativieren, medial keine Plattform mehr bekommen sollten.  

Seit Montag gehen Aktivisten des Bündnisses in mehreren Ländern auf die Straße, etwa in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Österreich. Die Proteste sollen rund zwei Wochen dauern und insgesamt etwa 60 Städte betreffen.

Eine Straßenblockade von Extinction Rebellion in London
Eine Straßenblockade von Extinction Rebellion in LondonREUTERS

In Berlin blockierten Klima-Kämpfer unter anderem mehrere Spreebrücken. In Wien besetzten Aktivisten am Montag eine Straßenkreuzung, am Mittwochabend legten sie die Salztorbrücke bis 21.30 Uhr lahm. In Paris und London wurden mehrere Verkehrsknotenpunkte besetzt und der City Airport gestürmt. Zahlreiche Menschen wurden festgenommen.

Vorfall an Londonder Flughafen

Am erwähnten Flughafen kam es dabei am Mittwoch zu einem Zwischenfall: Ein Klimakämpfer hatte sich mit einem gültigen Flugticket in ein Flugzeug der Firma Cityjet mit Ziel Dublin (Irland) eingeschleust und dort noch am Boden zu randalieren begonnen. Er wurde aus der Maschine geholt, auf Befehl des Kapitäns mussten alle übrigen Passagiere aussteigen und erneut durch die Sicherheitskontrollen. Nennenswerte Flugverzögerungen gab es bisher nach Angaben des Airports nicht.

(APA/DPA/red.)