1,5-fache Geschwindigkeit

Netflix testet Schneller-Abspiel-Button – zum Ärger der Regisseure

Auch Aaron Paul, hier in "El Camino", ist dagegen(c) Netflix (Ben Rothstein/Netflix)

Eine neue Funktion erlaubt auf Netflix testweise, Serien und Filme in unterschiedlichen Geschwindigkeitsstufen abzuspielen. Regisseur Judd Apatow ist erzürnt: „Hört auf, mit unserem Timing herumzuspielen!“

Es gibt viele spannende Serien und Filme, aber oft hat man nicht die Zeit, mehrere Stunden in diese zu investieren. Diesem (Luxus-)Problem will Netflix nun Abhilfe schaffen. Ein kleiner Teil der Abonnenten, die den Streamingdienst via Android nutzen, darf derzeit ein neues Feature testen: Filme und Serien kann man damit in verschiedener Geschwindigkeit abspielen. Man hat die Wahlmöglichkeit zwischen der 0,5-fachen, 0,7-fachen, 1,25-fachen und 1,5-fachen sowie freilich der normalen Geschwindigkeit, berichtet „Filmstarts.de“. Dem Branchenportal „Variety“ zufolge hat Netflix diese Funktion bereits intern getestet, nun eben auch bei den Zusehern.

„Lasst sie so, wie sie gesehen werden sollten“ 

Bei Filmemachern kommt dieser Test gar nicht gut an, schreibt der „Guardian“. Die Änderung der Abspielgeschwindigkeit stelle für sie einen nicht hinnehmbaren Eingriff in ihre Werke dar. Regisseur Judd Apatow („Jungfrau (40), männlich, sucht …“) äußerte seine Bedenken am Montag auf Twitter: „Bringt mich nicht dazu, jeden Regisseur und jeden Serienmacher auf der Erde zu kontaktieren, um dagegen anzukämpfen“, so Apatow, der auch schon für Netflix gearbeitet hat. „Hört auf, mit unserem Timing herumzuspielen! Wir geben euch schöne Sachen. Lasst sie so, wie sie gesehen werden sollten.“

Ins selbe Horn stieß Kollege Brad Bird („Ratatouille“). Das sei ein „spektakulär schlechte Idee“ von Netflix und ein weiterer Grabstein für die Kino-Erfahrung. „Spider-Man: A New Universe“-Regisseur Peter Ramsay twitterte: „Muss wirklich alles auf die Faulsten und Geschmacklosesten ausgelegt werden?“

Für „eine furchbare Idee“, hält den neuen Button auch „Ant-Man“-Regisseur Peyton Reed. „Ich und jeder Regisseur, den ich kenne, wird dagegen ankämpfen." Schauspieler Aaron Paul, Star aus „Breaking Bad“ und dem seit Kurzem auf Netflix zu sehen Sequel-Film „El Camino“, plädiert an den Streaming-Anbieter, den Versuch nicht ins reguläre Angebot zu nehmen: „Das würde bedeuten, dass sie die Kontrolle über die Werke anderer übernehmen und sie zerstören“, so Paul. „Netflix ist besser als das. Richtig, Netflix?“

Wird der Test ein reguläres Feature?

Ein Sprecher von Netflix gab sich noch bedeckt, ob das Feature wirklich allen Abonnenten zugänglich gemacht werden wird. Es handle sich um einen Test, und dieser werde vielleicht umgesetzt oder auch nicht.

Der Versuchslauf kommt wenige Wochen, bevor der längste bisher von Netflix produzierte Film veröffentlicht wird: Martin Scorseses Gangsterdrama „The Irishman“ dauert 210 Minuten und wird ab 27. November zu sehen sein. Abgespielt in 1,5-facher Geschwindigkeit könnte man ihn in weniger als zweieinhalb Stunden sehen. Die Stimmlage von Robert De Niro, Al Pacino und Co. ginge dann aber wohl eher Richtung Mickey Mouse. (her)

>> Bericht im „Guardian"

>> Bericht auf Filmstarts.de