Saudiarabien

Der letzte Coup der Ölscheichs

Unter dem Wüstensand schlummert die Quelle des Reichtums Saudiarabiens. Das Königreich stemmt allein ein gutes Zehntel der weltweiten Ölproduktion.
Unter dem Wüstensand schlummert die Quelle des Reichtums Saudiarabiens. Das Königreich stemmt allein ein gutes Zehntel der weltweiten Ölproduktion.(c) REUTERS (Ahmed Jadallah)

Dieser Konzern bricht alle Rekorde. Jetzt schickt das saudische Königreich den Ölgiganten Saudi Aramco an die Börse, um sein Land für die Zeit nach dem Öl zu rüsten.

Wien. Die Zahlen sprechen für sich: Im Vorjahr holte die staatliche Ölgesellschaft Saudi Aramco jeden Tag mehr als zehn Millionen Fass Erdöl aus dem saudischen Wüstensand und machte damit 111 Milliarden US-Dollar (99,4 Mrd. Euro) Gewinn. Das ist mehr als Apple, Alphabet (Google) und Exxon Mobil zusammen. Seit der Verstaatlichung des Unternehmens in den 1970er-Jahren waren die reich sprudelnden Petrodollars der Königsfamilie und dem Volk Saudiarabiens vorbehalten. Doch das soll sich nun ändern.

Das reichste und profitabelste Unternehmen der Welt komme an die Börse, verkündete Kronprinz Mohammed bin Salman am Sonntag. Zwei bis drei Prozent von Saudi Aramco werden vermutlich ab Dezember an der lokalen Börse Tadawul gehandelt werden. Mit einem geschätzten Firmenwert von 1,6 bis 1,8 Billionen Dollar dürfte das Unternehmen locker den bis dato größten Börsengang hinlegen. Den Rekord hält heute Chinas Internetkonzern Alibaba mit 25 Milliarden Dollar im Jahr 2014.

Aber Saudi Aramco an der Börse ist mehr als nur eine neue Spielwiese für Investoren. Es markiert eine historische Wende in der Ölwelt und zeigt klar, wie sich der wichtigste Spieler auf dem Markt die Zeit nach dem großen Ölboom vorstellt. Denn auch Riad weiß, dass das schleichende Aus für den Verbrennungsmotor der beste Vorbote für das Ende des goldenen Ölzeitalters ist. Darum hat Kronprinz Mohammed bin Salman entschieden, die Wirtschaft seines Landes neu aufzustellen. Heute ist Saudiarabien komplett abhängig von Erdöl. 80 Prozent aller Exporte und 70 Prozent der Staatseinnahmen hängen am schwarzen Gold. Der Bevölkerung sicherte das über Dekaden angenehmen Wohlstand. Es gibt gute öffentliche Krankenhäuser, öffentliche Schulen, eine Art bedingungsloses Grundeinkommen. Doch wie lang noch?

Mit dem Geld, das durch die Teilprivatisierung von Saudi Aramco eingenommen wird, will der Monarch seine Vision 2030 vorantreiben: Saudiarabien soll sich zu einer Hightech-Nation entwickeln. Über den Staatsfonds ist das Königreich bereits breit investiert und hält etwa Anteile am Vision Fund der japanischen Softbank, der gezielt Technologieunternehmen zukauft.