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Übernahme

Osram-Spitze nun auch für AMS

Symbolbild.
Symbolbild.(c) imago images/Schöning (Schoening, via www.imago-images.)
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Nach heftiger Gegenwehr stimmt die Führung des deutschen Lichtkonzerns der Akquisition durch AMS nun zu. Die IG Metall bleibt weiterhin auf Konfrontationskurs.

Wien/Graz/München. Selbst musikalisch sendet Osram die neue Botschaft: „Langsam wochs ma zsamm.“ Das Lied der heimischen Austropop-Legende Wolgang Ambros trällert durch die Telefon-Warteschleife des Münchener Lichtkonzerns. Seine Führung stimmt nun einer Übernahme durch den steirischen Chip- und Sensorhersteller AMS zu.

„Bei uns ist so etwas nie Zufall“, sagt Vorstandschef Olaf Berlien. „Bei jedem Call haben wir Musik, die die Stimmungslage bei uns widerspiegelt.“ Und die hat sich offensichtlich geändert. Als die Journalisten noch „Geld oder Leben“ von der EAV mit Zeilen wie „Es beherrscht der Obolus seit jeher unsern Globulus“ oder „Der Mammon, sagt man, sei ein schnöder, doch ohne ihn ist's noch viel öder“ zu hören bekamen, wehrte sich der Osram-Vorstand noch heftig gegen die Übernahme durch AMS. Inzwischen ist der Halbleiterhersteller aus Premstätten für die 4,6 Milliarden Euro schwere Übernahme auf die Deutschen zugegangen. „Am wichtigsten ist, dass die Mitarbeiter an deutschen Standorten bis Ende 2022 vor fusionsbedingten Kündigungen geschützt sind“, sagt Vorstandschef Berlien. Die gebotenen 41 Euro je Aktie seien angemessen. Somit erhalten die Steirer Rückenwind vom Osram-Vorstand und dem Aufsichtsrat.

 

Brigitte Ederer als Schiri

Die ehemalige Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer soll als eine Art neutrale Schiedsrichterin sicherstellen, dass die Vereinbarungen eingehalten werden. Vor ihrer Zeit als Managerin war die Wienerin als Politikerin für die SPÖ aktiv. Die Arbeitnehmervertreter halten dennoch am Widerstand gegen AMS fest. In einem Sondervotum zum Übernahmeangebot bezeichnen die Betriebsräte und Gewerkschafter im Aufsichtsrat das Vorgehen von AMS als „unrechtmäßig“.

Der Konzernbetriebsrat hat sogar Beschwerde gegen die Genehmigung des Übernahmeofferts durch die Finanzaufsicht BaFin eingereicht, weil AMS eine Lücke im Gesetz genutzt hat, um eine zwölfmonatige Sperrfrist vor einem neuen Anlauf zu umgehen. Denn AMS selbst ist nicht Bieter, sondern zwei verschiedene AMS-Tochtergesellschaften. Ob der Betriebsrat überhaupt klagen darf, ist aber unklar.

Das Mammutprojekt will AMS mit Krediten und mit Ausgabe frischer Aktien stemmen. Die Firma ist deutlich kleiner als ihr Übernahmeziel. Der Osram-Umsatz ist fast viermal so groß und die AMS-Mitarbeiterzahl entspricht etwa einem Drittel der Osram-Belegschaft.

Aber Osram kommt ohne Hilfe nicht aus der Krise. Im abgelaufenen Geschäftsjahr rutschte das Traditionsunternehmen mit 343 Mio. Euro in die roten Zahlen. Ein Jahr zuvor standen noch 188 Mio. Euro Gewinn zu Buche. Die Dividende fällt daher aus. Osram kündigte Einsparungen an, die auch die Belegschaft treffen dürften. Laut IG Metall will der Konzern in Deutschland weitere 800 Arbeitsplätze streichen. Zuvor wurde die Belegschaft bereits um 2700 auf 23.500 reduziert.

 

Der zweite Anlauf soll klappen

AMS will mit der Übernahme einen europäischen Marktführer für Sensorik und Photonik schaffen. Dafür müssen mindestens 55 Prozent der Osram-Aktien eingesammelt werden. Rund 20 Prozent hält AMS schon und ist damit größter Osram-Aktionär. Beim ersten Versuch einer Akquisition im Oktober war AMS an der Annahmeschwelle von 62,5 Prozent gescheitert. Nicht genügend Anleger hatten ihre Aktien angeboten. Nun haben diese bis zum 5. Dezember Zeit, das Angebot anzunehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2019)