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So gut sind die neuen Apple-Serien (und andere Neuerscheinungen)

Ein #MeToo-Vorwurf beutelt das „Morning Show“-Duo (Jennifer Anniston und Steve Carrell).Apple

Im Serienmarkt mischt jetzt auch Apple mit: Erste Produktionen erzählen von einem MeToo-Fall im TV-Studio und die historisch verzerrte Geschichte einer Dichterin. Außerdem: Neue Serien über eine alternative Zukunft, Klonen und die Liebe in der Großstadt.

The Morning Show

Dramaserie mit #MeToo-Bezug
Zu sehen auf Apple TV+

Um drei Uhr morgens sieht die Welt immer etwas düster aus. Für die „Morning Show“-Moderatorin Alex Levy (Jennifer Aniston), die um diese Zeit aufstehen muss, wird es diesmal aber auch bei Tageslicht nicht besser: Ihr Co-Moderator Mitch Kessler (Steve Carell), mit dem sie 15 Jahre lang Amerikas wichtigste Frühstückssendung moderiert hat, wird von einer Frau und ehemaligen Mitarbeiterin sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen. In Zeiten von #MeToo wird er sofort suspendiert und ist weg vom Schirm. Levy moderiert die erste Show tapfer alleine. Sie wehrt sich auch gegen die Versuche der Senderbosse, mit Mitch auch gleich sie abzumontieren – indem man die aufmüpfige Außenreporterin eines Lokalsenders, gespielt von Reese Witherspoon, kurzerhand zu ihrer neuen Co-Moderatorin macht.

Das ist eine aufwendig produzierte, hochkarätige besetzte, aber glatte Serienware aus der Apple-Werkstatt (Product Placement inklusive). Doch sie widmet sich der zwei Jahre alten MeToo-Debatte und hinterfragt deren Auswüchse kritisch. Uneinsichtig, ja erbärmlich ist die Reaktion des geschassten Moderators. Aniston und Witherspoon sind großartige Besetzungen. Das Thema ist aktuell. Nicht nur für Journalisten sehenswert! (awa)

 

Dickinson

Historien-Dramedy
Zu sehen auf Apple TV+

Der jungen Frau im viktorianischen Kleid rutscht ein „Bullshit“ heraus und im Hintergrund erklingt Elektropop von Noga Erez: Die zehnteilige Serie erzählt zwar von der historischen Figur Emily Dickinson, hält sich aber nicht mit historischer Genauigkeit auf. Die Dichterin, ihre Geschwister und Freunde sprechen zeitgenössisches Englisch („We hang out like all the time“). Drehbuchautorin Alena Smith („The Affair“) wollte die Geschichte wohl attraktiver machen für das (jugendliche) Publikum, denn Dickinsons Biografie liest sich trist: Sie starb krank und vereinsamt. In der Serie hingegen ist sie ein Wildfang (Hailee Steinfeld), schmust mit ihrer Freundin und geht mit dem coolen Tod (Rapper Wiz Khalifa) auf Kutschenfahrt. Das hat wenig Tiefgang, ist aber leichter verdaulich als das wahre Leben dieser von der Gesellschaft gebremsten Künstlerin. (her)

 

Watchmen

Science Fiction zum Rätseln
Zu sehen auf Sky

Eine Bäckerin, die im Nonnen-Outfit aus schwarzem Leder Gerechtigkeit übt. Eine Gruppe weißer Suprematisten mit Panda-Masken und Umsturzgelüsten, wobei es da irgendwie um Salat geht. Eine Polizei, die auf der richtigen Seite steht und trotzdem zum Fürchten ist. Ein einsamer Gutsherr, der auf seinem Landsitz nackt vor seiner Schreibmaschine sitzt.

Willkommen in einer Zukunft, in der die Rechten immer noch gegen Political Correctness wettern, der US-Präsident aber ein Liberaler ist und zwischendurch Tintenfische vom Himmel regnen, was keinen zu irritieren scheint, es stinkt halt ein bissl. „Watchmen“ basiert auf einer Comic-Reihe von Alan Moore und Dave Gibbson, stellt das Publikum vor Rätsel – und das rät begeistert mit. Sehr dark. Und wie bei Game of Thrones gilt: Gewöhnen Sie sich nicht zu sehr an die Hauptfiguren. (best)

 

Living with Yourself

Groteske rund ums Klonen
Zu sehen auf Netflix

Ein Mann in der Krise, der sich auf die Empfehlung eines Kollegen hin in einem Spa rundumerneuern lässt. Problem: Dort werden Menschen geklont, die verbesserte Version darf weiterleben, die alte wird entsorgt, was aber in diesem Fall nicht klappt. Weshalb sich plötzlich zwei Exemplare auf der Welt tummeln. Plus: Ein paar großartig groteske Szenen im Spa, Einhorn inklusive. Minus: Die Geschichte läuft sich rasch tot. (best)

 

Modern Love

Nach der „New York Times"-Kolumne
Zu sehen auf Amazon

15 Jahre lang gibt es die Kolumne „Modern Love“ in der „New York Times“. Darin schildern Menschen ihre eigenen komplizierten, verrückten oder kitschigen Liebesgeschichten. Amazon hat nun in Kooperation mit der Zeitung acht dieser Geschichten zu einer Mini-Serie zusammengestellt (Buch und Regie: „Once“-Regisseur John Carney) und dabei keine Kosten und Mühen gescheut. Mit dabei sind Stars wie Anne Hathaway (als bipolare Frau, die sich schwer tut, einen Partner zu finden), Musiker Ed Sheeran oder Andy Garcia.

Alle Folgen spielen in New York. Sie sind ausnahmslos „instagrammable“, also sehr glatt und schön gemacht. Auch die Tränendrüsen werden durchwegs strapaziert. Trotzdem muss man für diese Serie eine Empfehlung aussprechen: Die Geschichten sind kurzweilig, politisch korrekt (es kommen nicht nur Biografien von weißen Heteromenschen vor) und perfekt produziert. Tina Fey und Mad-Men-Darsteller John Slatery in Folge Vier („Rallying to Keep the Game Alive“) als Ehepaar, das in der Krise zuerst zur Therapeutin und dann auf den Tennisplatz geht, ist so gut, dass man sich gleich eine ganze Serie mit ihnen wünscht – oder zumindest eine weitere Stunde. (awa)

 

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