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Arbeitswelten

Flexible Arbeitsplätze statt Schreibtischzugehörigkeit?

Arbeitsplatz ohne fixen Platz - ein herausfordernder Trend.
Arbeitsplatz ohne fixen Platz - ein herausfordernder Trend.Pixabay
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Das Konzept flexibler Arbeitsplätze und effizienterer Flächennutzung ist nicht unumstritten. Eine Bilanz zeigt, dass es funktioniert – sofern man es sich erarbeitet.

Im Frühjahr 2018 bezog das Beratungsunternehmen PwC Österreich seine neuen Büroräume in den 14 obersten Stockwerken des DC Towers. Die rund tausend Mitarbeiter mussten sich nicht nur an einen neuen Standort gewöhnen, sondern auch an ein neues Arbeitsplatzkonzept. „Activity Based Working“ lautete ab jetzt die neue Realität. Seitdem wird nicht mehr an festen Schreibtischen gearbeitet, sondern dort, wo man sich gerade befindet, und mit jenen Kollegen, die man dazu benötigt. Die jeweiligen Flächen wurden so arrangiert, dass sie das Konzept unterstützen – angefangen bei den Einzelarbeitsplätzen über die Fokusräume für die Teamarbeit bis hin zu den Kommunikationszonen.

 

Positives Feedback

„Fixe Arbeitsplätze gibt es bis auf wenige Ausnahmen, wie etwa für die Mitarbeiter im Support, keine mehr“, berichtete Jürgen Schauer, Leiter Finanz, Administration & Information, auf dem 12. Internationalen Facility-Management-Kongress an der TU Wien Anfang November. Von den Mitarbeitern sei das Konzept durchaus positiv aufgenommen worden, betonte Schauer. Eine Umfrage hätte ergeben, dass rund 90 Prozent von ihnen den neuen Standort befürworteten. Tatsächlich hat man sich dieses Feedback aber „erarbeiten“ müssen. Die Mitarbeiter wurden beim Umzug miteinbezogen und unter dem Motto „We've got the tower“ vorab umfassend informiert. Um das gute Dutzend Kollegen, die unter Höhenangst leiden, habe man sich speziell gekümmert, so Schauer. Dank Expertenunterstützung hätten nahezu alle das Problem in den Griff bekommen. Im neuen Arbeitsumfeld arbeite man insgesamt effizienter, und auch die Auswirkungen auf die Personalkosten seien positiv: „Allein durch eine wesentlich geringere Fluktuationsrate haben sich die Investitionen schon im ersten Jahr gerechnet.“

Alexander Redlein, Leiter des Instituts für Immobilien und Facility Management an der TU Wien, teilt die Einschätzung des PwC-Managers: „Neue Arbeitswelten bedeuten nicht automatisch Großraumbüro“, sagt er. Außerdem habe eine Studie ergeben, „dass eine Reduktion der Bürofläche um 25 Prozent zu einer Steigerung der produktiven Arbeitszeit um rund fünf Minuten pro Tag führt.“

Die positive Bilanz der neuen Arbeitswelten hängt zu einem nicht unerheblichen Teil von einem weiteren Faktor ab: den modernen, digitalen Technologien. „Ein effizientes Energiemanagement beispielsweise ist eins zu eins im Portemonnaie der Mieter spürbar“, meint Matthias Schmidt, Leiter Development Deutschland bei der CA Immo.

 

Interaktive Haustechnik

Als Beispiel nennt er das Bürogebäude Cube Berlin, das der heimische Immobilienentwickler in der Spreemetropole am Platz vor dem Hauptbahnhof realisiert hat. Dort lässt sich etwa über Sensoren feststellen, wie viele Mieter sich gerade im Gebäude befinden – entsprechend energieeffizient können die Anlagen gesteuert werden. „Wenn wir sehen, dass sich die Mitarbeiter in einem Bereich bündeln, können wir Haustechnik wie Lüftung oder Heizung daran anpassen.“ Gesteuert wird das Energiemanagement von der künstlichen Intelligenz „Brain“. Das „Gehirn“ verknüpft alle technischen Anlagen, Sensoren sowie Planungs-, Betriebs- und Nutzerdaten intelligent miteinander und steuert die Prozesse im Gebäude. Dabei lernt es aus den Daten des Betriebs, der Nutzer und der Umwelt und liefert Verbesserungsvorschläge. Über ihre Mobiltelefone können die Mieter untereinander kommunizieren, sich mit der Community vernetzen, im Gebäude navigieren oder Räume buchen. Gleichzeitig ermöglicht es den Zutritt zum Gebäude und liefert Daten für die Abrechnung im Retail- und Gastronomiebereich. Für Redlein ist das Cube Berlin „die Antwort auf die erhöhten Bedürfnisse im Bürobereich“. „Erst neue Technologien machen es nämlich möglich, dass neue Arbeitswelten kosteneffizient betrieben werden können.“

INFO

Die neuen Arbeitswelten, oft auch Büro 4.0 genannt, zeichnen sich durch flexible Arbeitsplätze (Activity Based Working), eine bessere Flächeneffizienz sowie attraktiv gestaltete Kommunikations- und Teamarbeitszonen aus. Ermöglicht wird das Konzept durch die Digitalisierung: Dank digitaler Vernetzung und mobiler Arbeitsgeräte (Laptops) entfällt der Zwang zum festen Schreibtischplatz. Studien zeigen, dass diese Flexibilisierung der Arbeit zu mehr Zufriedenheit bei den Mitarbeitern führt und Kosteneinsparungen für das Unternehmen mit sich bringt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2019)