Schnellauswahl
Arbeitsmarkt

E-Mobilität: In Deutschland stehen Hunderttausende Jobs auf dem Spiel

NRW Minister Hendrik W�st zu Besuch bei der e GO Mobile AG in Aachen W�st besichtigte das Werk und
Produktion bei der e-GO Mobile AG in Aachen(c) imago/Klaus W. Schmidt (Klaus W. Schmidt)
  • Drucken

Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität schlägt Alarm. Um die EU-Klimaziele zu erreichen, braucht es bis 2030 bis zu zehn Millionen E-Autos, deren Produktion viel weniger Arbeitskräfte benötigt.

Die Krise in der Autoindustrie hat dem Ifo-Institut zufolge die deutsche Konjunktur viel Wachstum gekostet. "Diese Schwäche dürfte den Anstieg der Wirtschaftsleistung 2019 um etwa 0,75 Prozentpunkte gedämpft haben", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am Montag. "Dabei haben wir die Zulieferungen aus anderen Branchen berücksichtigt."

"Auch auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt der Strukturwandel jetzt seine Spuren", sagte Wollmershäuser. Seit Anfang 2019 habe die Beschäftigtenzahl im Kraftfahrzeugbau saisonbereinigt um 1,3 Prozent abgenommen. Zudem meldeten rund 14 Prozent der Automobilfirmen bei einer Ifo-Umfrage im Dezember Kurzarbeit. Das liegt deutlich über dem Schnitt der übrigen Industrie, der bei sieben Prozent lag. Für die kommenden drei Monate erwarten sogar 19 Prozent der Unternehmen in der Autobranche Kurzarbeit.

Und es könnte noch deutlich unangenehmer kommen. Durch die Umstellung auf Elektromobilität sind in Deutschland einem Bericht des „Handelsblatt" zufolge bis 2030 bis zu 410.000 Arbeitsplätze gefährdet. Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) fordert eine strategische Personalplanung der Unternehmen und regionale Qualifizierungszentren.

Weniger Bauteile, weniger Arbeit

Die Beschleunigung der Mobilitätswende und die Forcierung der Elektroautos kostet klarererweise Arbeitsplätze, denn ein Verbrennungsmotor besteht aus mindestens 1200 Teilen, beim Elektromotor sind es nur rund 200. Zudem gilt es auch für Deutschland die EU-Klimaschutzziele zu erreichen. Um das im Verkehrssektor zu schaffen, müssen bis 2030 sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf die Straßen gebracht werden. Viel mehr als bisher angenommen.

Der Bericht greift zwei frühere Untersuchungen zu Beschäftigungseffekten auf, die an die neuen Zielwerte angepasst wurden. Zum einen die Studie ELAB 2.0 des Forschungsinstituts Fraunhofer-IAO vom November 2018 und zum anderen eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus dem gleichen Jahr.

Das Fraunhofer-Institut hatte im November 2018 in einem eher konservativen Szenario ermittelt, dass die Zahl der Beschäftigten in der Fertigung von Antriebssträngen von damals rund 210.000 bis 2030 um 75.000 sinken könnte. Damals wurde angenommen, dass bis 2030 ein Viertel der Fahrzeuge in Deutschland rein elektrisch betrieben wird, 15 Prozent Plug-in-Hybride sind und 60 Prozent noch einen Verbrennungsmotor haben. Doch mit diesem Mix wird das Ziel, den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte von 2021 bis 2030 um 37,5 Prozent zu senken, nicht eingehalten. Eine geringfügige Änderung der Variante mit angenommenen 30 Prozent reinen Elektrofahrzeugen im Jahr 2030 führt schon allein in der Antriebsfertigung von 75.000 auf bis zu 88.000 weniger Jobs. Betroffen wären dabei in erster Linie an- und ungelernte Arbeitnehmer in der Produktion.

Industrie warnt vor Schwarzmalerei

Ein neues Szenario in der IAB-Studie untersucht die Auswirkungen in der in der Gesamtwirtschaft, also bei Autobauern und Zulieferern, aber auch in der Metallerzeugung und -bearbeitung oder im Maschinenbau. Im Extremfall stehen hier laut NPM-Bericht insgesamt 410.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, mehr als die Hälfte davon im Fahrzeugbau.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnte dem Bericht zufolge aber vor Schwarzmalerei. Das Horrorszenario von 410.000 Jobverlusten basiere auf der Annahme, dass es bis 2030 nur in geringem Umfang E-Autos und Batteriezellen aus heimischer Produktion geben werde, sagte VDA-Geschäftsführer Kurt-Christian Scheel der Zeitung. Das sei ein unrealistisches Extremszenario, das so nicht eintreten werde.

>> Artikel im „Handelsblatt"

 

 

 

(APA/Reuters/red.)