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Forderung

Pfleger und Betreuer könnten bald wieder streiken

Clemens Fabry
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Die Gewerkschaft der Pfleger und Betreuer hat nur eine Forderung: Die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Die Arbeitgeber sehen das plötzlich als „nicht machbar“. Nun droht der Ausstand.

In der Sozialwirtschaft, der Branche der Pfleger und Betreuer, könnten bald wieder Streiks bevorstehen. Am Mittwochabend wurden die Verhandlungen über den Kollektivvertrag ohne Ergebnis beendet. Die zuständigen Gewerkschaften Vida und GPA holten sich nun vorsorglich die Streikfreigabe. Der nächste Verhandlungstermin ist am 10. Februar angesetzt. Bis dahin werde es Kundgebungen und Aktionen in den Bundesländern geben, teilten die Gewerkschaften mit. Man können nun „unmittelbar nach der Verhandlung“ in Warnstreiks gehen.

Die Gewerkschaft hat in der heurigen Lohnrunde nur eine Forderung aufgestellt: die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Nachdem es zunächst nach einer Annäherung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern ausgesehen hatte, wurden die Gespräche am Mittwochabend abgebrochen. Die Arbeitgeber hatten die Arbeitszeitverkürzung plötzlich als „nicht machbar“ bezeichnet. Obwohl man davor schon über eine Umsetzung in Etappen diskutiert hatte.

Die Arbeitgeber begründen das mit der Situation in der stationären Langzeitpflege. Durch den Fachkräftemangel würde eine Arbeitszeitverkürzung die Versorgungslage in den Pflegeheimen akut zuspitzen. Eine derartige Situation könne man nicht zulassen, sagte Walter Marschitz, Chefverhandler der Arbeitgeber. Die Sozialwirtschaft, zu der Betriebe wie das Hilfswerk und die Lebenshilfe gehören, zählt rund 125.000 Beschäftigte. Die Gewerkschaft fordert schon seit einigen Jahren eine 35-Stunden-Woche für die Branche. In den vergangenen beiden Jahren wurde deshalb gestreikt.

SPÖ ortet Einmischung der ÖVP

Unterdessen werden die KV-Verhandlungen zum Politikum. SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch und SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher warfen der ÖVP vor, sich in die Verhandlungen eingemischt zu haben. Die ÖVP habe den Arbeitgebern aufgetragen, nicht abzuschließen. „Politik hat sich rauszuhalten bei KV-Verhandlungen“, sagt Muchitsch zur „Presse“.

Gewerkschafter argumentieren, dass die Beschäftigten in der Branche unter enormem Druck stehen. Die 35-Stunden-Woche soll die Branche attraktiver machen. Für Teilzeitbeschäftigte würde das eine Lohnerhöhung von 8,6 Prozent bedeuten.

(hie/APA)