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Rosige Aussichten: Kostüme von Arthur Arbesser für André Hellers „Rosenkavalier"

(c) Henrik Blomqvist
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André Heller inszeniert den „Rosenkavalier" an der Berliner Staatsoper mit einem Wiener Kreativ-Staraufgebot: Mit dem Kostümbild beauftragte der künstlerische Leiter den Designer Arthur Arbesser, für ihn „ein Wunderkind der Mode".

„Ich liebe Wien, und auch das hinterhältig wienerisch Grantige", sagte die mit den Eigenheiten der Stadt offenbar bestens vertraute Starsopranistin Camilla Nylund bei der Pressekonferenz zur aktuellen „Rosenkavalier"-Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden: So dürfte sie sich, wegen ihrer Wien-Liebe natürlich und nicht wegen irgendwelchen Gegrantels, gut aufgehoben gefühlt haben bei André Hellers Version der Richard-Strauss-Oper. Günther Groissböck indessen, der den Baron Ochs auf Lerchenau zu Nylunds Feldmarschallin geben wird, hat als nicht wienerischer Österreicher ein etwas gespalteneres Verhältnis zur Stadt und erinnerte sich an „die unglaubliche Arroganz des Wiener Society-Lebens". Das freilich hielt ihn nicht davon ab, in Berlin an Hellers Produktion mitzuwirken. André Heller selbst, der bei dieser Gelegenheit ebenso ungeniert wie charmant die Wiener Karte zog, bekräftigte zwei Wochen vor der Premiere: „Unsere Probenarbeit war, wie man in Wien sagt, eine große Hetz. Wir hatten es gut miteinander, und ich denke, dass das wichtig ist, damit etwas Gutes entsteht." Er glaube nämlich, so Heller, nicht an die „jüdisch-katholische Tradition, der zufolge nur aus der Qual echte Kunst entsteht".

Wiener All-Stars. Während seiner Ausführungen streute André Heller – was freilich sonst? – allen an seinem „Rosenkavalier" Beteiligten Rosen; auch den für das Visuelle zuständigen Künstlern, die er zu einem Wiener All-Star-Team zusammengeführt hatte. Xenia Hausner, die Heller mit der Gestaltung des Bühnenbilds betraute, erzählte von ihren Überlegungen, das Publikum näher an das Geschehen auf der Bühne heranzuführen und so viel wie möglich im Proszenium stattfinden zu lassen. „Der ,Rosenkavalier‘ kommt meiner Arbeit sehr entgegen. Ich beschäftige mich mit Menschenmalerei und zeige immer wieder Fragmente von Beziehungen", bekräftigte sie. Parallel zu den Aufführungen der Oper im Februar wird auch das Palais Populaire der Deutschen Bank, ebenfalls Unter den Linden beheimatet, Arbeiten von Hausner zeigen: Es handelt sich bei der Ausstellung „This will have been another happy day!" erstaunlicherweise um die erste direkte Zusammenarbeit des Palais Populaire mit der Oper.

Neuland betrat für diesen „Rosenkavalier" auch Modedesigner Arthur Arbesser, den André Heller in höchsten Tönen lobte: „Er ist ein Wunderkind, das gibt es nicht nur beim Eislaufen, das gibt es auch in der Mode." Hatte Arthur Arbesser zwar in Wien für das Neujahrsballett 2019 ebenfalls Bühnenkostüme entworfen, so überstieg die Arbeit am „Rosenkavalier" doch bei Weitem das Ausmaß der Ballettproduktion. Exakt 122 Kostüme entwarf Arbesser, für drei von ihnen arbeitete er eng mit Swarovski zusammen und verarbeitet Kristalle des Tiroler Unternehmens, das gerade die 125  Jahre seines Bestehens zu feiern beginnt. Er selbst, so Arbesser, habe ein enges Verhältnis zum Musiktheater, da er mit seinen Eltern von Kindesbeinen an die Oper besucht habe.

„Alle an dieser Produktion Beteiligten sind echte Profis – ihr Können beeindruckt mich.“

Im Gespräch mit dem Designer wird klar, dass er dieser Welt, an der er nun zum ersten Mal als „Kreativarbeiter" beteiligt ist, große Bewunderung entgegenbringt: „Das ist schon einmal der Fall wegen des Stellenwerts, den die Oper in Wien hat", unterstreicht er. „In der Mode lebt man in einer totalen Blase, und die Oper ist wohl auch eine Blase, die sich aber für mich ganz anders anfühlt. Alle Beteiligten sind echte Profis, ich bin wirklich beeindruckt vom Können der Sänger und Musiker", gerät Arbesser geradezu ins Schwärmen.

Fin de Siècle statt Rokoko. Ende 2018 rief André Heller ihn zum ersten Mal an, tags darauf – Arbesser hielt sich gerade in Wien auf – fand das erste Treffen statt. Nach dieser ersten Kontaktaufnahme begannen die Vorüberlegungen für das Kostümbild. Da es Arbesser klar war, dass er neben seinen anderen Verpflichtungen (neben der Arbeit an seiner eigenen Marke fungierte er bis Herbst 2019 als Kreativdirektor von Fay) an diesem Großprojekt nicht ohne Unterstützung mitwirken konnte, holte der Designer seine langjährige Freundin und Mitstreiterin Onka Allmayer-Beck ins Boot. Die erste Recherchephase dauerte bis Frühling 2019; dann kamen Heller, Hausner, Arbesser und Allmayer-Beck in Marokko erstmals zusammen, um parallel am „Rosenkavalier" zu arbeiten. Hatte Arbesser sich zuvor am Li­­bretto von Hugo von Hofmannsthal und einer um 1740 angesiedelten Handlung orientiert, stellte sich bei der Gelegenheit heraus, dass Heller seine Inszenierung in das Jahr 1917 verlegen würde.

Opernfreund. Die Mitarbeit am „Rosenkavalier“ war für Arthur ­Arbesser eine besondere Ehre.
Opernfreund. Die Mitarbeit am „Rosenkavalier“ war für Arthur ­Arbesser eine besondere Ehre.(c) Henrik Blomqvist

Darum hängt auch im Hause der neureichen und neu geadelten Faninals das Beethovenfries von Gustav Klimt als Wohnzimmerdekoration (heute wäre das bei solchen Leuten wohl ein Damien Hirst oder ein Ai Weiwei). Arbesser wiederum bezog sich mit seinen Kostümen für den „Rosenkavalier" auf die Mode dieser Zeit und so etwa auf Entwürfe der Wiener Werkstätte: „Darüber war ich unglaublich froh, denn diese Epoche ist für mich ohnehin ein sehr wichtiger Einfluss." Wenn im zweiten Akt die Freundinnen der Sophie von Faninal als eine Schar von Wiener It-Girls gezeigt werden sollen, konnte Arbesser seiner Fantasie freien Lauf lassen.

„Der Gesamteindruck wird äußerst bunt sein, denn die Kostüme sollten ganz unterschiedliche Charaktere widerspiegeln", präzisiert der Designer. Ungleich etwa Rei Kawakubo, die ihre Kostümarbeit für die Produktion von Olga Neuwirths „Orlando" an der Wiener Staatsoper in eine Linie mit vorangehenden Kollektionen ihres Labels Comme des Garçons gestellt hat, wird es in Arthur Arbessers demnächst in Mailand gezeigter Kollektion aber keine Verweise auf die „Rosenkavalier"-Kostüme geben. „Aus der Oper hätte sich zwar eine tolle Werbewirkung ergeben, aber ich bin doch einen anderen Weg gegangen." Einen Verweis auf sein Wirken als Modedesigner gibt es aber doch: In einigen Kostümen hat Arbesser Stoffe aus seinem Archiv verarbeitet. Treue Fans seines Labels werden sie wiedererkennen, und: „Vielleicht wird die eine oder andere bei der Premiere sogar ein Kleid aus demselben Stoff tragen, wie man ihn auf der Bühne sehen wird", sagt Arthur Arbesser und lächelt verschmitzt.

Tipp

„Der Rosenkavalier". Premiere von André Hellers Inszenierung der Strauss-Oper am 9. Februar, weitere sechs Termine bis 29. Februar, www.staatsoper-berlin.de

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 07.02.2020)