Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ingeborg-Bachmann-Preis geht an Peter Wawerzinek

Peter Wawerzinek gewinnt den Ingeborg-Bachmann-preis 2010.
(c) REUTERS (HERWIG PRAMMER)
  • Drucken

Der deutsche Autor Peter Wawerzinek erhält für seinen Text "Rabenliebe" den mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis der 34. "Tage der deutschsprachigen Literatur". Er setzte sich gegen die Schweizerin Dorothee Elmiger durch.

Der deutsche Autor Peter Wawerzinek erhält den Ingeborg Bachmann-Preis 2010. Darauf einigte sich die Jury des Lese-Wettbewerbs unter dem Vorsitz von Burkhard Spinnen am Sonntag in Klagenfurt. Wawerzinek setzte sich im Stechen gegen die Schweizerin Dorothee Elmiger durch. Der Hauptpreis der 34. "Tage der deutschsprachigen Literatur" ist mit 25.000 Euro dotiert und wird von der Kärntner Landeshauptstadt gestiftet.

Für Wawerzinek gab es bei dem Wettlesen noch einen zwieten Preis: Der Deutsche erhielt außerdem den Hypo-Group-Publikumspreis im Wert von 7000 Euro.

Die Jury hat Wawerzinek mit seiner autobiografischen Geschichte sehr berührt, wie Laudatorin Meike Feßmann sagte. Der Text "Ich finde Dich/Rabenliebe", in dem sich der Ich-Erzähler an seine Kindheit in einem Waisenhaus erinnert, sei "nicht perfekt und nicht makellos, sondern dem eigenen Lebensstoff im schmerzlichen Prozess abgerungen", so Feßmann.

Zweiter Preis für Schweizerin Elmiger

Der zweite Preis der renommierten Literaturtage, der mit 10.000 Euro dotierte Kelag Preis, ging an die Schweizerin Dorothee Elmiger. Sie war bei der Jury-Abstimmung im ORF-Theater in Klagenfurt zuvor Wawerzinek im Stechen unterlegen. Den mit 7500 Euro dotierten 3sat-Preis durfte mit Judith Zander eine junge deutsche Autorin entgegen nehmen, den mit 7000 Euro dotierten Ernst-Willner-Preis erhält mit Aleks Scholz ein weiterer deutscher Autor.

Die drei österreichischen Vertreter, Verena Roßbacher, Josef Kleindienst und Thomas Ballhausen, gingen ohne Preis nach Hause. Unter dem Vorsitz des Jurysprechers und Schriftstellers Burkhard Spinnen debattierten wie im vergangenen Jahr Feßmann, Karin Fleischanderl, Hildegard Elisabeth Keller, Paul Jandl und Alain Claude Sulzer über die Texte. Neu hinzu gekommen ist heuer der Kritiker Hubert Winkels, Literatur-Redakteur beim Deutschlandfunk-Köln.

Der Preis wird seit 1977 in Erinnerung an die 1926 in Klagenfurt geborene Schriftstellerin Ingeborg Bachmann verliehen.

Peter Wawerzinek: Waise aus Ostdeutschland

Peter Wawerzinek wurde als Peter Runkel am 28. September 1954 in Rostock geboren. Seine Eltern flüchteten in den Westen und ließen das Kind zurück. Die verlorenen Eltern belasteten sein Leben, nach der Wende suchte und fand er seine Mutter - es blieb bei einer einzigen Begegnung. Er hat beschlossen, darüber zu schreiben, wie es war, als Vierjähriger im Heim zu landen, vermessen und gewogen zu werden wie eine Ware. Er entblöße sich dabei, klar, meint der Autor, aber: "Jetzt ist eine riesige Last weg."

Nach zehn Jahren in staatlichen Kinderheimen wurde er adoptiert und wuchs an der Ostsee auf. Nach der Schule machte er eine Lehre als Textilzeichner, absolvierte den Wehrdienst und zog 1978 nach Ostberlin. Das Studium an der Kunsthochschule brach er nach zwei Jahren ab und jobbte, um Geld zu verdienen. Parallel dazu machte er sich in der Ostberliner Szene einen Namen als Performance-Künstler und Stegreifpoet.

Der einstige "Ossi" beim Bachmann-Preis

Bald nach der Wende veröffentlichte er eine Serie von Parodien auf die DDR-Literatur, 1991 wurde er zum Bachmann-Preis eingeladen und gewann ein Stipendium. Damals sei er als "Ossi" hier gewesen und sei von den anderen auch als solcher wahrgenommen worden. "Die wollten den Ossi sehen." Seine Teilnahme am Wettbewerb sei eher eine Art Spaß gewesen damals, er sei auch ein "selbstverliebter Autor" gewesen. Heute sei das anders, sei ihm bewusst, "welcher Apparat hinter so einem Buch steckt".

Wawerzinek ist gelassen und unprätentiös, aber trotzdem durchaus selbstbewusst. "Wenn es der zweite Preis wird, ist es mir auch recht", meinte er am Tag vor der Jury-Entscheidung auf die Frage, wie er denn die Favoritenrolle empfinde. Das Schreiben sei für ihn sehr wichtig, betont er. Allerdings lebte er auch einige Jahre lang in Schleswig-Holstein und schrieb überhaupt nicht. In seinen Werken kommt immer wieder die DDR zum Vorschein, dabei vor allem seine engere Heimat Mecklenburg-Vorpommern. Er veröffentlicht in erster Linie Prosa, schreibt aber auch Hörspiele und ist journalistisch tätig. Sind seine früheren Werke noch von einer gewissen Atemlosigkeit geprägt, ist sein neuer Roman "Rabenliebe" in sehr klarer, teilweise poetischer Sprache gehalten, arbeitet er mit Brüchen und Einschüben von Kinderreimen, um sich an sein kindliches Ich anzunähern.

(APA)