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"Kein Grund zur Panik": Kurz kündigt Reisewarnung und Info-Offensive an

CORONAVIRUS: EINSATZSTAB IM INNENMINISTERIUM / ANSCHOBER / KURZ / GEWESSLER
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) beim Treffens des Einsatzstabs zum Coronavirus.APA/HELMUT FOHRINGER
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Die österreichische Regierung beriet über Maßnahmen, einen „Glassturz über Österreich“ könne man aber nicht errichten, sagte  Gesundheitsminister Anschober. Grenzstopps werde es nur punktuell bei Verdachtsfällen geben.

Mit der Angst vor einer Coronavirus-Epidemie steigt abermals die Sorge in Österreich vor dem neuartigen Virus. Nachdem am späten Sonntagabend am Brenner ein aus Italien kommender Zug stundenlang angehalten wurde, wurde in Wien im Innenministerium für Montagmittag ein Einsatzstab einberufen, um über weitere Schritte für Österreich zu beraten.

Man sei „auf alle Szenarien gut vorbereitet“ sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz in einer anschließenden Pressekonferenz gemeinsam mit Innenminister Karl Nehammer sowie Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Es bestehe „kein Grund zur Panik“, dennoch sei nicht ausgeschlossen, dass es auch Fälle in Österreich geben werde. „Der Coronavirus wird keinen Bogen um Österreich machen“, sagte Kurz. In Österreich seien bisher alle 189 Verdachtsfälle negativ getestet worden. "Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass das auch so bleibt", betonte der Kanzler.

Reisewarnungen und Info-Kampagne

Zusätzlich zu den bereits bestehenden Maßnahmen wie die Temperaturchecks auf Flughäfen und der Meldepflicht für Ärzte habe man sich auf fünf Punkte geeinigt: So werden für betroffene Gebiete punktuelle Reisewarnungen ausgesprochen, zusätzlich soll es eine Informationskampagne für die Bevölkerung geben.

Ab heute sollen Innen- und Gesundheitsminister zudem täglich an den Bundeskanzler berichten sowie entsprechende Informationen an die Öffentlichkeit weitergeben. Am Donnerstag werden die Landeshauptleute mit den Ressortchefs von Innen- und Gesundheitsministerium die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Gemeinden weiter abstimmen. Das Coronavirus werde zudem auch Thema im Nationalen Sicherheitsrat am Freitag sein. Und schließlich werde die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene und mit Österreichs Nachbarstaaten weiter intensiviert. Man werde "die Warnketten noch enger knüpfen".

CORONAVIRUS: PRESSESTATEMENT NACH EINSATZSTAB IM INNENMINISTERIUM / LANG / NEHAMMER / KURZ / ANSCHOBER
Bundeskanzler Kurz, Innenminister Nehammer und Gesundheitsminister Anschober gemeinsam mit dem Leiter des Bundeskriminalamts Franz Lang (ganz links) bei der Pressekonferenz am Montag.APA/HELMUT FOHRINGER

Zu Grenzkontrollen, etwa an den Übergängen zu Italien am Brenner und in Arnoldstein werde es vorerst nicht kommen, sagte Kurz. Bei Verdachtsfällen werde es aber punktuell - wie auch am Sonntag am Brenner schon - sofortige Stopps geben.

Hotline rund um die Uhr erreichbar

Gesundheitsminister Anschober betonte, man sei zwar weit von einer „globalen Pandemie entfernt“, dennoch sei das „Coronavirus in der EU angekommen." Er reist am Dienstag nach Rom, um sich mit den Gesundheitsministern Italiens, der Schweiz, Slowenien, Frankreichs und Deutschlands abzustimmen.

„Wir setzen auf Transparenz, Information und bestmöglichen Schutz“, sagte Anschober. Menschen mit potenziellen Coronavirus-Symptomen rief er dazu auf, die telefonischen Gesundheitsberatung unter 1450 anzurufen. Für allgemeine Informationen zum Virus sei die Hotline der AGES unter 0800 555 621 ab Dienstag rund um die Uhr erreichbar.

Nächsten ein, zwei Wochen entscheidend

Schon am Montagvormittag hatte Anschober die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit betont. "Man kann keinen Glassturz über Österreich errichten", sagte er. "Die nächsten zwei, drei Wochen werden entscheidend sein", wie die Entwicklung bei SARS-CoV-2 verläuft, sagte Anschober.

Auf Verdachtsfälle werde sofort reagiert. Der Test auf das neuartige Coronavirus, dass die Lungenkrankheit Covid-19 verursacht, dauere mittlerweile nur noch wenige Stunden bis zu einem Ergebnis, berichtete der Gesundheitsminister.

Derzeit sei die Situation sicher und stabil, "und wir sorgen dafür, dass es so bleibt", betonte Innenminister Nehammer. Er verwies auch auf die ABC-Abwehrschule des Heeres, die im Umgang mit biochemischen Waffen geschult sei und allenfalls unterstützen könnte.

Grenzkontrollen unangebracht

FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer hatte am Montagvormittag Grenzkontrollen gefordert - sowie die Einberufung des Nationalen Sicherheitsrats. "Es ist fahrlässig, an den Grenzen keine Maßnahmen zu setzen. Wenn die Seuche erst einmal in Österreich angekommen ist, ist es zu spät", sagte er am Montag. Der Reiseverkehr nach Österreich aus den betroffenen Regionen solle eingeschränkt werden.

Gegen Grenzschließungen sprach sich aber nicht nur Bundeskanzler Kurz, sondern auch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) am Montag aus. Eine Schließung der Grenze zu Italien hält Mahrer "zum jetzigen Zeitpunkt für unangebracht und überzogen". Es stehe „im Moment“ noch nicht zur Debatte. „Langfristig, wenn es sich ausweitet, muss man sehen, welche Schritte zu setzen sind", sagte Schramböck. Sie geht auch davon aus, dass der Hafenbetrieb in Genua aufrechterhalten wird.

Wirtschaftsauswirkungen „wird es geben"

Für Firmen, die das Coronavirus wirtschaftlich trifft, verwies Schramböck auf die eingerichtete "Taskforce", diese werde wöchentlich tagen, so die Wirtschaftsministerin. In erster Linie gehe es da um verzögerte Lieferungen aus China.

Die Absage von Großveranstaltungen - wie die Mobilfunkmesse in Barcelona, die diese Woche hätte stattfinden sollen - hielt auch Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Schramböck zum Thema Digitalisierung für sinnvoll, auch wenn solche Maßnahmen wirtschaftlichen Schaden anrichten. "Manchmal ist Vorsicht besser als Nachsicht." Allerdings: "Wir können nicht mehr tun als beobachten, monitoren und dann Einschätzungen vornehmen", räumte er ein.

Für Schätzungen der wirtschaftlichen Schäden ist es laut Schramböck und Mahrer noch zu früh. Zahlen für Europa gebe es noch keine, aber: "Natürlich wird es Auswirkungen geben", derzeit betreffe dies vor allem die asiatischen Lieferketten in der Automobilzulieferbranche sowie die Elektronikindustrie.

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(APA/red.)