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Coronavirus

Mindestens zehn Österreicher sitzen in Hotel auf Teneriffa fest

Das betroffene Hotel H10Costa Adeje Palace in der Ferienregion Playa de La Esmeralde auf Teneriffa.
Das betroffene Hotel H10Costa Adeje Palace in der Ferienregion Playa de La Esmeralde auf Teneriffa.imago images/imagebroker
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Zwei Urlauber des Hotels, ein italienischer Arzt und seine Frau, wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Rund tausend Gäste dürfen ihre Zimmer nicht verlassen, darunter sind mindestens zehn Österreicher. Erste Fälle werden auch aus Kroatien und der Schweiz gemeldet.

Hunderte Hotelgäste sitzen in Teneriffa in einem Hotel fest, nachdem einer der Gäste positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Unter ihnen sind auch mindestens zehn Österreicher. „Aktuell haben wir zehn Österreicher in dem Hotel, die über TUI gebucht haben“, sagt TUI-Pressesprecherin Kathrin Limpel zur „Presse“. „Wie viele weitere Österreicher im Hotel sind, die nicht über TUI gebucht haben, können wir nicht sagen."

Das österreichische Außenministerin erklärte auf Twitter, dass sich zwei Österreicher in dem betroffenen Hotel aufhalten. Dem älteren Ehepaar aus Wien gehe es gut, es darf zunächst das Zimmer nicht verlassen. Die österreichische Botschaft in Madrid sei mit den beiden in Kontakt, hieß es. Ärzte führen in dem Hotel nun Untersuchungen durch. In dem Haus befinden sich hauptsächlich britische, französische und belgische Gäste. Es könne laut österreichischem Außenministerium durchaus sein, dass die Urlauber 14 Tage in Quarantäne bleiben müssen.

Hotel abgeriegelt

Das Hotel „H10 Costa Adeje Palace“ in der Gemeinde Adeje im Süden Teneriffas wurde am Dienstagfrüh abgeriegelt. Ein italienischer Urlauber hatte sich am Sonntag wegen typischer Symptome selbst ins Krankenhaus auf der Kanaren-Insel begeben. Ein Schnelltest bestätigte: Es handelt sich um Covid-19. Am Abend wurde klar: auch seine Frau war durch das neue Coronavirus erkrankt.

Beim Urlauber handelt es sich um einen 69 Jahre alten Arzt aus der Region Lombardei. Die Region ist das im Moment am stärksten von dem Virus betroffene Gebiet in Norditalien. Das Paar wird isoliert in einem Krankenhaus auf der Insel behandelt. Spanischen Medienberichten zufolge sollen die Italiener fast eine Woche in dem Hotel Urlaub gemacht haben, bevor er Symptome zeigte und sich dann selbst ins Krankenhaus begab. Daher bestehen Befürchtungen, dass sich Gäste angesteckt haben könnten, die bereits abgereist sind.

TUI-Vertreter vor Ort auf Teneriffa seien in Kontakt mit den im Hotel eingeschlossenen Österreichern, so TUI-Sprecherin Limpel. „Die Behörden vor Ort bestimmen, wie lange die Gäste im Hotel bleiben müssen.“ Alle TUI-Reisen nach Teneriffa würden aber - nach derzeitigem Stand - normal weiterlaufen.

Urlauber müssen in ihren Zimmern bleiben

Ein Gast aus Großbritannien, der anonym bleiben wollte, sagte gegenüber „Sky“: „Alles, was uns gesagt wurde, ist, dass wir unsere Zimmer nicht verlassen dürfen.“ Auch ein weiterer Hotel-Gast sagte: „Wir haben keinerlei Infos bekommen, außer einem Zettel, der unter der Tür durchgeschoben wurde.“ 

Laut „Sky“ hatte die Hotelleitung auf den Zettel geschrieben: „Liebe Gäste, Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass das Hotel aus gesundheitlichen Gründen geschlossen wurde. Bis zur Warnung der Sanitärbehörden müssen Sie in Ihren Zimmern bleiben.“

Erste Infektion auch auf spanischem Festland

In Barcelona wurde unterdessen eine Frau nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Sie soll ihren Wohnsitz in Barcelona haben und kürzlich von einer Reise nach Norditalien zurückgekehrt sein, wo das Virus sich besonders stark ausgebreitet hat, berichtete die Zeitung "La Vanguardia". Es handelt sich um den vierten bestätigten Coronavirus-Fall in Spanien, den ersten auf dem Festland. Schon vor dem Fall auf Teneriffa waren in den vergangenen Wochen ein Deutscher auf der Kanareninsel La Gomera und ein Brite auf Mallorca positiv getestet worden.

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In Italien ist die Ausbreitung des Erregers - trotz drastischer Maßnahmen - in immer mehr Regionen nachgewiesen. Auf Sizilien gebe es den ersten Fall in Süditalien, teilte Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Dienstag in Rom mit. Auch in Südtirol wurde ein Infizierter gemeldet, in der Toskana zwei.

Insgesamt stieg die Zahl der Angesteckten in Italien auf rund 280, am Vorabend waren es noch etwas mehr als 220. Wie es zu so einem rasanten Ausbruch kommen konnte, ist immer noch nicht bekannt. Die meisten Erkrankten meldet die nördliche Region Lombardei, gefolgt von Venetien, der Emilia-Romagna, dem Piemont und Latium.

Italien ist aktuell mit Abstand das Land mit den meisten erfassten Fällen in Europa. In der besonders schwer betroffenen Lombardei wurden zehn Gemeinden in der Provinz Lodi zu Sperrzonen erklärt. Dort kontrollieren Sicherheitskräfte, wer rein und raus darf.

Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus ist nach einer neuen ECDC-Einschätzung für Europäer derzeit "niedrig bis moderat". Als "moderat bis hoch" schätzt das Zentrum das Risiko ein, dass sich Fälle wie derzeit in Italien auch anderswo häufen.

Erster Fall in Kroatien und in der Schweiz

Auch in der näheren Nachbarschaft Österreichs gab es weitere Erkrankungsfälle. In Kroatien wurde eine Ansteckung bei einem Mann nachgewiesen, der zuvor einige Tage in Italien gewesen war. Er halte sich mit leichten Symptomen in einem Krankenhaus in Zagreb auf, teilte Ministerpräsident Andrej Plenkovic am Dienstag mit. In der Schweiz ist ebenfalls erstmals eine Infektion bestätigt worden, teilte das Bundesamt für Gesundheit mit. Der Kanton Tessin ragt in die italienische Lombardei hinein, wo mehrere Fälle aufgetreten sind.

Unterdessen bleibt die Lage in China angespannt. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Dienstag mitteilte, kamen weitere 71 Menschen ums Leben. Die Gesamtzahl der Opfer in China stieg damit auf 2663. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen kletterte um 508 auf 77.658. Seit einer neuerlichen Änderung der Zählweise vor knapp einer Woche hat sich der tägliche Anstieg der neuen Infektionen in China deutlich reduziert. Experten gehen allerdings weiter von einer hohen Dunkelziffer aus.

Auch in Südkorea stieg die Zahl der neuen Infektionsnachweise weiter an: innerhalb von 24 Stunden um 144 Fälle auf nun 977. Die Zahl der Todesfälle stieg auf zehn.

(Red./Ag.)