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Chancengleichheit

Gläserne Decke: Alles wie gehabt

(c) Getty Images (sorbetto)
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Auch 2020 ist die Gleichstellung in Österreich noch nicht angekommen.

Zumindest ist sie durchgedrungen, die Erkenntnis, dass es für Frauen Karrierehürden gibt. Nicht einig sind sich die 314 heimischen Führungskräfte, die von Deloitte zum Weltfrauentag befragt wurden, ab welcher Ebene sie greifen: Vier von zehn Befragten sehen schon auf der untersten Ebene Stoppschilder, drei ab der ersten Führungsebene und zwei erst in der Top-Liga. Nur einer von zehn weiß nichts von einer Gläsernen Decke.

Immerhin, die Zahlen, wonach Frauen um bis zu 20 Prozent weniger verdienen als Männer, sind unumstritten. Man glaubt auch zu wissen warum: Weil Frauen schlechter verhandeln (66 Prozent, Mehrfachantworten möglich), weil sie wegen Schwangerschaft und Kindern ausfallen (46 Prozent) und weil ihnen im Beruf andere Dinge wichtiger sind als das Geld (43 Prozent).

Hier darf man wohl kritisch nachhaken: Praktisch jedes Unternehmen brüstet sich heute, Männer und Frauen gleich zu behandeln. Warum steuert es dann nicht selbst dagegen und zahlt den vorgeblich so schlecht verhandelnden Frauen dasselbe Gehalt wie den männlichen Verhandlungskünstlern? Falls dieses moralische Argument nicht genügt: Der Oberste Gerichtshof entschied schon 1998, dass Verhandlungsgeschick keine ungleiche Bezahlung rechtfertigt.

Die Rahmenbedingungen sind Schuld

Überdenkenswert sind auch die konstruktiven Vorschläge der Befragten, wie man die anderen genannten Hindernisse überwinden könne. Mehr Kinderbetreuung (94 Prozent), flexibles Arbeiten (94 Prozent), Führung in Teilzeit/Job Sharing (88 Prozent) und Papamonat (86 Prozent) fallen den Befragten als erstes ein – alles Maßnahmen, welche die strukturellen Rahmenbedingungen betreffen. Sprich: Andere sind in der Pflicht.

Erst danach wird das Managementdenken eingeschaltet. Man könnte doch messbare Kennzahlen einführen oder Gleichstellungsziele (83 Prozent), Einkommensberichte legen (76 Prozent) oder gar Quoten etablieren (64 Prozent). Letztere schätzt man zwar nicht so sehr, hält sie aber für wirkungsvoll. Was noch lange nicht heißt, dass man sie einführt.