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Vorsichtsmaßnahmen

Anschober: Großeltern vor Ansteckung durch Kinder schützen

(c) imago/Westend61
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Aktuell wurden in Österreich 206 Menschen positiv auf Covid-19 getestet. Um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, rät Gesundheitsminister Anschober dazu, jedenfalls ein Viertel der Sozialkontakte einzuschränken.

Wie oft ist es wirklich notwendig, einkaufen zu gehen? Ist es möglich, die Fahrt mit der U-Bahn oder dem Bus in den Stoßzeiten zu vermeiden? Ist es notwendig, heute in einem Restaurant zu Mittag zu essen? Und lässt sich das Familientreffen vielleicht um einige Wochen nach hinten verschieben? Fragen wie diese sind es, die sich jeder Einzelne stellen und möglichst ehrlich beantworten sollte, um das Risiko, sich einerseits mit dem Coronavirus zu infizieren, andererseits den Erreger weiterzutragen, zu reduzieren. Um die Dringlichkeit dieser Maßnahmen zu untermauern hat die türkis-grüne Regierung einen entsprechenden Erlass verabschiedet, der das soziale Leben der Österreicher auf absehbare Zeit - momentan ist von Anfang April die Rede - verändern wird.

Neben der Schließung von Hochschulen, strengen Grenzkontrollen und partiellen Einreisestopps, sind es vor allem Treffen in Kaffeehäusern, Theatern, Museen oder Konzerthallen, die eingeschränkt werden sollen: „Wir gehen davon aus, dass wir direkte Sozialkontakte, die ein Ansteckungsrisiko darstellen, einfach in allen Bereichen drastisch reduzieren müssen“, betonte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Dienstagabend in der ORF-Sendung „ZiB2".

Hintergrund sei eine „wunderbare Prognose“, nämlich: „Die Forscher sagen uns, wenn wir ein Viertel der Direkt-Sozialkontakte unterbinden könnten - unser Leben diesbezüglich verändern könnten, angleichen könnten an diese neuen Leitlinien -, dann könnte es uns gelingen, dass wir bis zur Hälfte des Ansteckungsrisikos verhindern können.“

Maximal 100 Menschen gleichzeitig in einem Raum

Daher habe man sich, anders als etwa in Deutschland, wo die Grenze bei 1000 liegt, darauf verständigt, dass bei Indoor-Veranstaltungen maximal 100 Personen, outdoor dagegen maximal 500 zusammentreffen dürfen. Das gelte für Festivals ebenso wie für den Kinobesuch - einige Kinos verkaufen daher ab sofort nur noch jeden zweiten Sitzplatz -, aber auch für Restaurants und Gasthäuser. Konkret: In einem Raum eines Lokals dürfen nicht mehr als 100 Menschen gleichzeitig sein. Das sei „natürlich ein Kompromiss, aber wir haben dort begonnen, wo es am leichtesten in der Gesellschaft verkraftbar ist“.

In Zahlen

Angaben der John Hopkins Universität wurden weltweit bisher 119.132 bestätigte Fälle bekannt gegeben, die Mehrheit davon in China. In Österreich wurden bisher 206 Personen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet (Stand: 11. März, 8 Uhr). Vier an Covid-19-Erkrankte sind inzwischen wieder genesen (je zwei in Tirol und Wien). Insgesamt wurden bisher 5362 Personen im Land auf eine mögliche Ansteckung getestet.

In Wien sind mittlerweile mit 50 die meisten Fälle bekannt. In Niederösterreich gab es vorerst 45 Fälle, in der Steiermark 18, in Tirol 37, in Oberösterreich 28, in Salzburg elf, im Burgenland vier, in Vorarlberg zwölf und in Kärnten einen Fall.

Anders hingegen ist das im Bereich des öffentlichen Verkehrs. Zwar bestehe auch hier ein Ansteckungsrisiko, allerdings „gehen wir davon aus, dass wir die Grundprinzipien unseres öffentlichen Lebens aufrechterhalten wollen“. Lebensmitteleinkäufe oder der Weg in die Arbeit sollten weiter für alle problemlos schaffbar sein. Er selbst, so Anschober, werde daher auch weiterhin mit der U-Bahn unterwegs sein. Allerdings, wie er einräumt: „Ich werde vielleicht ein bisschen dort umstellen, wo ich mehr zu Fuß gehen kann - das ist eine Alternative, die auch mit gut tut."

Besonders gefährdeten Gruppen, etwa Personen, die älter als 70 Jahre als sind oder an einem starken Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen leiden, rät der Minister, „die Stoßzeiten zu vermeiden und Phasen zu suchen, wo es nicht so dicht und so eng ist in der U-Bahn“. Letztere sind es auch, an die in Zusammenhang mit etwaigen Kindergarten- und Schulschließungen gedacht werden müsse, sagte Anschober. Mit solchen Schließungen, über die man heute, Mittwoch, weiter beraten werde, könne es „schnell gehen, muss es aber nicht“. Es sei wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen - und den Eltern eine entsprechende Vorbereitungszeit zu geben.

Soll heißen: Würde die Oma oder der Opa die Betreuung der Kinder übernehmen? „Das würde bedeuten, dass ich genau diese besonders schutzbedürftige Gruppe mit einem Risiko - Kinder sind weniger gefährdet, aber sie sind natürlich auch Überträger - konfrontiere. Das wollen wir vermeiden.“ Daher hätten sich ÖVP und Grüne auf ein „kluges Modell“, ein „sehr differenziertes Modell“ verständigt. „Lassen Sie sich überraschen.“ 

Schon am Dienstag hatten die Bundesregierung wie auch die Stadt Wien dazu aufgerufen, Besuche in Pflege- und Seniorenheimen zu reduzieren und zum Schutz der von einer Ansteckung mit Sars-Cov-2 besonders Gefährdeten auf Telefonate umzusteigen.