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Katastrophenszenario

Außer Kontrolle: Virus breitet sich in USA explosionsartig aus

APA/AFP/30203169A/EMILY KASK
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Eine Uni-Studie geht von 40.000 bis 80.000 Todesopfern im Land aus. Auch in New Orleans spitzt sich die Lage zu.

Wien/Washington. Was Experten befürchtet haben, ist nun offiziell: Die USA führen mit weit mehr als 90.000 Fällen die weltweite Statistik der Coronapandemie an. Und in der Zahl der Todesopfer – bis dato mehr als 1300 – holt das Land rasant auf. Laut einer Studie der University of Washington könnte die Epidemie in den USA 40.000 bis 80.000 Menschenleben fordern, schlechtestenfalls sogar 160.000.

In einem Telefonat mit Xi Jinping, Chinas Staatschef, erkundigte sich Präsident Donald Trump aus erster Hand, wie China als Epizentrum der Infektion die Coronakrise weitgehend in den Griff bekam.

In den USA spitzt sich die Lage derweil zu. In New York berichten Ärzte von katastrophalen Zuständen. Es zeichnet sich ab, dass die Krise die Metropole stärker prägen könnte als die Terrorserie von 9/11. Wohlhabende New Yorker flüchten sich zunehmend auf ihre Landsitze in Long Island oder nach New Jersey. Dort wiederum befürchten die Bewohner, diese könnten die Epidemie einschleppen.

Alarmierende Berichte kommen indessen auch aus anderen Teilen des Landes, vor allem aus dem Süden. New Orleans könnte zu einem zweiten Hotspot werden. In der Stadt am Mississippi-Delta, dem „Big Easy“, haben sich viele während Mardi Gras, des berühmten Karnevals, angesteckt.

 

Katrina-Trauma in New Orleans

Der Gouverneur von Louisiana warnt vor einer Katastrophe. Viele fühlen sich an den Hurrikan Katrina 2005 erinnert, der die Stadt mit Hunderten Toten massiv traf, zu einem Exodus führte und ein Trauma hinterließ. Auch Georgia, wo in der Hauptstadt Atlanta das Seuchenkontrollzentrum sitzt, bereitet sich auf das Schlimmste vor.

Währenddessen signalisieren Kalifornien und Washington an der Westküste eine gewisse Entspannung. Dies ermutigt den Präsidenten, Abstufungen der Krisenzonen vorzunehmen. Eher ländlich geprägte Gebiete im Mittleren Westen könnten so zumindest frühzeitig zur Normalität zurückzukehren.

Eine erste Statistik, wonach allein in der ersten Woche der Beschränkungen und Schließungen die Arbeitslosigkeit um mehr als drei Millionen Menschen anstieg, versetzte Trump in Alarmstimmung. Die Rezession droht ihm das Wahljahr zu verhageln.

Er präsentiert sich als energischer Krisenmanager. Am Samstag will er das Weiße Haus verlassen, um als Oberbefehlshaber das Spitalschiff USNS Comfort aus Norfolk in Virginia nach New York zu verabschieden. Inzwischen häufen sich aber selbst im Militär, etwa am Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt vor Guam, die Fälle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2020)