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„Die Hilfe von heute ist die Steuer von morgen“

Boehringer-Ingelheim will „den Staat nicht belasten“, heißt es. Es gibt dort also keine Kurzarbeit.
Boehringer-Ingelheim will „den Staat nicht belasten“, heißt es. Es gibt dort also keine Kurzarbeit.Boehringer Forschung
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Der Wiener IV-Präsident, Christian Pochtler, warnt die Unternehmen davor, Coronahilfen leichtfertig in Anspruch zu nehmen. Sonst könne die Steuerlast rasch steigen

Wien. Die staatlich verordnete Vollbremsung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens beschert Österreich die schwerste Rezession seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Viele Unternehmen benötigen dringend Liquidität – und die öffentliche Hand lässt sich nicht zweimal bitten. Regierung und Länder schnüren Konjunkturpakete, verteilen Soforthilfen und versprechen, alles zu tun, um die Volkswirtschaft zurück auf die Erfolgsspur zu bringen. Alles ganz nach dem Geschmack von Christian Pochtler, dem Chef der Industriellenvereinigung Wien, könnte man meinen. Doch im Gespräch mit der „Presse“ ruft der Unternehmer zur Vorsicht auf: Ja, die Krise habe Firmen „am falschen Fuß erwischt“, die Umsatzeinbußen seien „fast existenzbedrohend“.

Aber mindestens ebenso große Sorgen bereitet ihm der starke Drang der Politik zurück in die Wirtschaft. „Wir müssen sehr aufpassen, dass wir nicht in einem neuen Protektionismus aufwachen.“ Das geplante Investitionsschutzgesetz sei ebenso kritisch zu bewerten wie die Spekulationen über die Beteiligung der öffentlichen Hand an notleidenden Unternehmen, wie sie etwa die Wiener Stadtregierung angekündigt hat. In der Pflicht sieht er aber auch die Unternehmen. Sie sollten – schon aus reinem Eigennutz – lieber nicht zu viel Geld vom Staat in Anspruch nehmen.

„Die Hilfe von heute ist die Steuererhöhung von morgen“, warnt Christian Pochtler. Daran sollten die Unternehmen denken, bevor sie leichtfertig Steuergeld für sich beanspruchen. Denn je höher die Rechnung für die Beseitigung der wirtschaftlichen Krisenfolgen für den Staat ausfällt, desto geringer seien die Chancen, dass die Industrie mit ihren Forderungen nach weniger Steuern und Abgaben auch Erfolg haben wird.