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Covid-19

Fitnesscenter dürfen ab 29. Mai aufsperren

CORONAVIRUS: PK 'SITUATION VON CORONAVIRUS-PATIENTEN IN INTENSIVSTATIONEN': THALHAMMER / ANSCHOBER / MARKSTALLER
Die Mediziner Florian Thalhammer (links) und Klaus Markstaller mit Gesundheitsminister Anschober am Mittwoch.APA/GEORG HOCHMUTH
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Gesundheitsminister Anschober und seine Experten informierten über die Situation in Intensivstationen - und verkündeten einen weiteren Öffnungsschritt. Auch eine mögliche Impfpflicht und der Cluster in den Post-Verteilzentren kamen zur Sprache. Dieser sei "das Beste, was uns passieren kann."

Man behilft sich zurzeit gerne mit Metaphern. Die Intensivmediziner, die gemeinsam mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Mittwochvormittag vor Journalisten traten, wählten für die Präsentation der "Situation in den Intensivstationen" diesmal ein Schiff (anstelle eines weiteren Jungtieres). "Retrospektivisch" betrachtet, "sind wir nie in Seenot gekommen", sagte Klaus Markstaller, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie am Wiener AKH. In Österreich sei es also in den Intensivstationen aufgrund des Coronoavirus nie zur "Überlastung des Systems" gekommen. Auch die gefürchtete Triage musste nicht angewendet werden.

Anschober belegte mit Zahlen: 267 Covid-19-Patienten waren am 8. April in Intensivstationen, das war der bisherige Höchstand. Mittlerweile sind es nur noch 37 Personen - also um 32 weniger als noch vor einer Woche. Mit der Ankündigung eines weiteren Öffnungsschritts - der Fitnesscenter - ließ er sich bis zum Schluss Zeit.

Aktuelle Zahlen

Bisher gab es in Österreich 16.353 positive Testergebnisse. Mit heutigem Stand sind österreichweit 633 Personen verstorben und 14.882 sind wieder genesen. Derzeit befinden sich 174 Personen aufgrund des Corona-Virus in im Krankenhaus und davon 37 der Erkrankten auf Intensivstationen.

Das Virus, ein Chamäleon

Denn zunächst ging es um die medizinischen Lehren, die man bereits ziehen konnte, sagte Florian Thalhammer, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektiologie. Zum einen: "Das Virus ist ein Chamäleon" (doch ein Tier!). Oder anders gesagt: Es sei nicht so einfach zu fassen, immer noch treten neue Erkrankungsformen auf. Wie etwa bei Kindern, die an ähnlichen Symptomen wie bei einem Kawasaki-Syndrom leiden. "Auf einmal gibt es auch Frostbeulen-ähnliche Symptome an den Zehen". Das zeige, wie wichtig es sei, sich mit den Patienten zu unterhalten, eine ordentliche Anamnese zu machen. "Nur Fieber zu messen ist zu wenig."

Zweitens habe man gelernt, dass man möglichst früh mit der Therapie beginnen müsse. Diese hänge davon ab, wann man die Patienten abfange. In der ersten Phase spiele das Virus eine große Rolle. Hier sei man mit einer Virustherapie gut gefahren. Im späteren Verlauf komme es zu einer "überschießenden Entzündungsreaktion", die zwar vom Virus ausgelöst werde, aber bei der das Virus selbst keine große Rolle mehr spiele. Man habe mit einer "hervorragenden Intensivmedizin", Basis-medizinischen und unterstützenden Maßnahmen viel erreichen können, auch wenn es eine spezifische Therapie sagte Markstaller.

Mittlerweile sei man also mit dem Schiff auf einer etwas entspannteren Rückfahrt in Richtung eines sicheren Hafens. Bis dieser erreicht, also eine gezielte Therapie oder Impfung gefunden ist, "müssen wir vorbereitet sein, auch wieder in schwerere Gewässer zu kommen", so Markstaller.

"Prekäre Verhältnisse genauer ansehen"

Das beinhalte, auf auftretende Cluster genau hinzuschauen, sagte Anschober. Den aktuellen Wien-Niederösterreich-Cluster, der durch eine Häufung an Infektionen in Postverteilzentren entdeckt wurde, könne man lösen. Panik sei nicht angebracht. "Da geht es nicht um Parteipolitik", betonte der Gesundheitsminister abermals in Anspielung auf den Konflikt zwischen der Stadt Wien und dem Innenminister Karl Nehammer. Man lerne aber auch daraus, (sowie aus international ähnlichen Beispielen wie die Häufung von Fällen in deutschen Schlachthöfen) dass man sich die Situation bei Leiharbeitern oder anderen Menschen mit "prekären" Arbeits-, Wohn- und Lebensverhältnissen generell genauer ansehen müsse.

Regelrecht positiv bewertete Thalhammer die Situation: "Der Cluster ist zwar unangenehm, aber das Beste, was uns passieren kann." Man könne so das Virus leichter abgrenzen. Viel schlimmer wäre es, wenn die Fälle "diffus verteilt" wären.

Anschober gegen Impfpflicht

Die Frage einer Impfpflicht für eine Coronavirus-Impfung, wie sie am Mittwoch auch der Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery gefordert hat, standen sowohl Anschober als auch die Mediziner eher ablehnend gegenüber. Man könne die Menschen nicht zu hundert Prozent zwingen. Anschobers Hoffnung ist das "dass die Coronakrise ein Bewusstsein aufgebaut hat, dass sich Leute freiwillig impfen lassen." Wo man allerdings nachbessern müsse, sei bei der Rate der Grippe-Impfungen. In der vorigen Grippesaison lag die Durchimpfungsrate bei 8,4 Prozent: "Bei der Situation können wir nicht bleiben."

Am Mittwoch haben sich auch mehrere Landeshauptleute zum Thema Impfpflicht geäußert. Der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) befürwortet in "profil" online dezidiert eine Impfpflicht für Covid-19, angesichts welche „schwerwiegende Folgen diese Krankheit ausgelöst hat“. Nicht ganz so überzeugt, aber dennoch im Zweifelsfall dafür zeigt sich sein steirischer Kollege Hermann Schützenhöfer (ÖVP). Denn "die Gesundheit hat immer Vorrang und wie schnell sich dieses Virus wieder ausbreiten kann, sollte jedem bewusst sein", sagte er. Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) hält nicht viel von einer Impfpflicht gegen das Coronavirus. "Eine Impfpflicht beurteile ich generell eher kritisch.“ Er hält mehr von Aufklärung und Sensibilisierung.

Fitnesscenter sperren auf

Eine Ankündigung hatte Anschober dann nach offiziellem Ende der Pressekonferenz doch, nachdem er zuvor beteuert habe, ein Datum sei "noch nicht festgelegt": Fitnesscenter dürfen ab 29. Mai aufsperren. Die Regelung betrifft alle Indoor-Hobbysportarten, die ab Juni wieder mit einem Zwei-Meter-Abstand ausgeführt werden dürfen. Details dazu werden noch geklärt, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. In der ersten Junihälfte werde außerdem eine große zusätzliche Evaluierung vorgenommen, auf deren Basis man, sollten die Ergebnisse es zulassen, "Öffnungen beschleunigen und Restriktionen zurücknehmen" könne. Auch gewisse Restriktionen in Hotelbetrieben oder Bädern könnten danach gelockert werden.