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Diplomatie

Bericht: Abdullah-Zentrum verlässt Wien und zieht nach Genf

Teil der Fassade des Palais Sturany mit dem König-Abdullah-Dialogzentrum.APA/HERBERT NEUBAUER
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Das großteils von Saudiarabien finanzierte Zentrum für interreligiösen Dialog (KAICIID) war stets umstritten. Ein Sprecher wollte den Bericht vorerst nicht kommentieren.

Das 2012 gegründete, bisher in Wien ansässige "König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog" (KAICIID) verlässt laut einem Bericht der Tageszeitung "Kurier" Österreich und zieht nach Genf in die Schweiz. Ein entsprechender Beschluss sei vor einigen Tagen erfolgt.

Ein Sprecher des KAICIID wollte den Bericht auf APA-Anfrage vorerst  weder bestätigen noch dementieren.

Das KAICIID wurde 2012 von Österreich, Spanien und Saudiarabien gegründet und wird zum Großteil von Riad finanziert. Der Vatikan hat Beobachterstatus.

Rufe nach der Schließung der nicht erst seit ihrer Gründung umstrittenen und in ihrer Sinnhaftigkeit vielfach hinterfragten Einrichtung im Palais Sturany an der Ringstraße wurden unter anderem wegen des brutalen Vorgehens der saudischen Regierung gegen Demonstranten und Regimekritiker laut. Zudem wird mit der allgemein schlechten Menschenrechtslage in vielen islamischen Ländern argumentiert, mit der problematischen Rolle der Christen dort, die teilweise an Verfolgung grenzt - und dass man im islamischen Raum grundsätzlich weniger gut mit Kritik und (vermeintlichen) Beleidigungen der Religion umgehen könne als im christlichen Bereich.

Wirbel und Warnungen

Es hieß auch, die Saudis könnten das Zentrum zur Verbreitung des Wahhabismus in Europa missbrauchen. Sogar liberale Muslime warnten vor einer „Einfallstor-Funktion" des Zentrums. Umgekehrt wurde die Einrichtung in Saudiarabien bisweilen als „Ort für Ungläubige" kritisiert, weil dort ja auch Christen, Hindus und Juden umgehen würden.

Im Herbst 2014 sorgte es für enormen Wirbel, als die damalige Vizechefin des KAICIID, die frühere Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, in einem Interview mit dem „Profil" sagte, dass es öffentliche Hinrichtungen in Saudiarabien ohnehin „nicht jeden Freitag" gebe. Im Jänner 2015 trat sie nach einem Gespräch mit dem damaligen Außenminister Sebastian Kurz von der Position zurück, deren Annahme ihr ohnehin viel Kritik eingetragen hatte.

Vor rund einem Jahr hatte der Nationalrat wegen der drohenden Hinrichtung eines 18-Jährigen in Saudi-Arabien für den Rückzug Österreichs aus dem KAICIID gestimmt.

Kann das Österreichs Reputation schaden?

Das Außenministerium wollte Berichte über den Umzug des umstrittenen Zentrums zunächst nicht bestätigen. Es gebe allerdings "intensive Gespräche" mit den anderen Vertragsstaaten und der Zentrumsleitung, doch sei dazu Vertraulichkeit vereinbart worden, betonte ein Sprecher.

Das Außenamt sei seit Beginn der Diskussion über eine mögliche Schließung darauf bedacht gewesen, dass der Amtssitz Wien keinen Schaden nehme. "Für mich ist wesentlich, dass die Schritte, die wir setzen, das Ansehen und die Reputation Österreichs bei internationalen Organisationen nicht beschädigt", betonte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) im Jänner.

Befürworter des Zentrums hatten vor einem Schaden für die Reputation Österreichs im Falle eines Ausstiegs aus dem Zentrum gewarnt. Andere in Wien ansässige internationale Organisationen sollen nach der Entscheidung des Nationalrates über den Rückzug Österreichs irritiert gewesen sein.

(APA/red.)