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Bevölkerungstrends: 500-millionster EU-Bürger geboren

Bevoelkerungstrends 500millionster EUBuerger geboren
(c) REUTERS (UNITED PHOTOS)
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Europas Bevölkerung wird noch kurze Zeit wachsen, sich dann aber dramatisch reduzieren. Der Anteil an der Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2100 von derzeit 12 Prozent auf fünf bis maximal 7 Prozent schrumpfen.


Die europäische Bevölkerung wird langfristig mit großer Wahrscheinlichkeit schrumpfen. Die Experten der neuen Studie erwarten, dass sich die Bevölkerung der untersuchten 48 europäischen Länder (EU plus Türkei, Russland, Kaukasus, Balkan) von derzeit rund 800 Millionen bis zum Jahr 2100 auf etwa 500 Millionen reduzieren wird. Auch hier ist die niedrige Geburtenrate dafür verantwortlich. Damit wird Europa seinen Anteil an der Weltbevölkerung reduzieren – von derzeit zwölf Prozent auf nur noch fünf bis maximal sieben Prozent. Das Ausmaß des Rückgangs wird von der zugelassenen Immigration abhängen.


Österreichs Bevölkerung wächst zwar in den nächsten 20 Jahren weiter, aber nur durch Zuwanderung. 2030 wird es laut Prognose der Experten 9,1 Mio. Österreicher geben. Ohne Migration würde die Bevölkerung im selben Zeitraum von derzeit 8,4 Mio. auf 8,3 Mio. schrumpfen. Die Zuwanderung kompensiert das Geburtendefizit. Denn derzeit liegt in Österreich die Zahl der Geburten pro Frau bei 1,41. Gebremst wird die Schrumpfung allerdings durch eine höhere Lebenserwartung. Männer wurden 1971 im Durchschnitt 66,5 Jahre alt, heute 77,5 Jahre. Bei Frauen stieg die Lebenserwartung von 73,5 (1971) auf mittlerweile 83 Jahre.


In der ersten Jahreshälfte 2010 wurde der 500-millionste EU-Bürger geboren. Wann und wo das „Halbe-Milliarden-Baby“ auf die Welt kam, wird sich erst 2011 eruieren lassen, wenn alle EU-Staaten ihre Geburtsstatistiken für das vergangene Jahr übermitteln. „Wir wissen nur, dass wir die Zahl in der ersten Hälfte des Jahres erreicht haben“, so der Direktor des Instituts für Demografie der Akademie der Wissenschaften, Wolfgang Lutz. In den Fünfzigerjahren hatten sowohl die damalige EWG als auch die USA eine Bevölkerung von 163 Millionen. Die USA haben heute rund 300 Millionen. Die EU ist seit damals vor allem durch Beitritte, höhere Lebenserwartung und Zuwanderung gewachsen.


Kontinuierlich ist die Lebenserwartung in allen europäischen Ländern gestiegen. „Das ist eine lineare Entwicklung, bei der wir noch kein Ende sehen“, so Bevölkerungsexperte Wolfgang Lutz. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Russland. Dort erreicht heute nur jeder zweite Mann das Pensionsalter. Liegt die Lebenserwartung in Island derzeit für Männer bei 80 Jahren, so erreichen russische Männer gerade einmal das 62. Lebensjahr. Russische Frauen leben deutlich länger (74,2 Jahre). Laut Lutz dürfte diese Sonderrolle der russischen Männer vor allem mit ihrem Lebensstil und dem Alkoholkonsum zusammenhängen.


Die EU-Bevölkerung wird bis 2030 noch geringfügig von derzeit 500 Mio. auf 527,7 Mio. wachsen. Während Osteuropas Bevölkerung schrumpft, werden die meisten westeuropäischen Länder in den nächsten 20 Jahren noch leicht zulegen; Spanien beispielsweise um 5,8 Mio. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Akademie der Wissenschaften und des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalysen. Beitrittskandidat Türkei ist derzeit das Land mit dem größten Bevölkerungszuwachs (zwischen 1990 und 2010 30,2 Prozent). Bis 2030 wird es 85,5 Mio. Türken geben. Deutschland wird dann 81 Mio. erreichen.