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Covid-19

Bioethik-Kommission schließt Corona-Impfpflicht nicht aus

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Eine Frau nimmt in Florida an einer Studie zu einem Corona-Impfstoff teil. In Russland ist man schon weiter und hat den ersten Impfstoff zugelassen.APA/AFP/GETTY IMAGES/JOE RAEDLE
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Die Bioethik-Kommission, die den Bundeskanzler berät, hält eine Impfpflicht gegen das Coronavirus für ethisch vertretbar - allerdings könne sie nur „Ultima Ratio“ sein.

Christiane Druml, Vorsitzende der Bioethik-Kommission im Bundeskanzleramt, kann sich eine Impfpflicht unter gewissen Bedingungen vorstellen - allerdings nur, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. „Eine Impfpflicht kann immer nur Ultima Ratio sein“, sagt Druml im Interview mit dem „Ö1"-Morgenjournal.

Generell hält die Bioethik-Kommission eine Impfpflicht aber für ethisch vertretbar. Sie hat sich im Vorjahr etwa auch für eine Pflichtimpfung gegen Masern ausgesprochen. Es gehe um die Verhältnismäßigkeit, betont Druml: „Je harmloser der Eingriff für den Einzelnen ist und je gefährlicher die Krankheit für die Gesundheit der Bevölkerung ist und je größer der Nutzen einer Impfpflicht ist, desto eher ist ein Eingriff in die Integrität des Einzelnen gerechtfertigt.“

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Risikogruppen prioritär behandeln

Denn natürlich sei es ein Eingriff in die persönliche Freiheit. Will man über eine Corona-Impfpflicht, müsse man sich daher auch überlegen, welche Gruppen prioritär in Frage kommen. In erster Linie gehe es dabei um Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten und um besonders gefährdete Menschen, also Ältere. Druml nennt aber auch Superspreader, die mit besonders vielen Menschen Kontakt haben: „Das kann vielleicht auch der Schaffner im Zug sein, das kann der Barkeeper sein oder derjenige, der in einem Imbissrestaurant besonders viele Kontakte hat."

Bevor sie eine Impfpflicht erwägt, müsse die Regierung aber ohnehin zuerst auf Aufklärung setzen, sagt Druml. Bei der Information der Bevölkerung sieht die Expertin noch viel Luft nach oben. Als Positivbeispiel nennt sie Finnland, wo ständig über die Bedeutung von Impfungen aufgeklärt und informiert werde.

Reaktionen kamen von SPÖ und FPÖ. Die Chefin der Sozialdemokraten, Pamela Rendi-Wagner, hält die derzeitige Diskussion über eine Corona-Impfpflicht für sinnlos. Seriös könne man diese erst dann führen, wenn ein Impfstoff vorliegen. Grundsätzlich sei sie gegen eine Impfpflicht. Gegen eine verpflichtende Impfung gegen das Coronavirus in Österreich sprach sich FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer in einer Aussendung aus. In einem „Presse"-Interview kündigte er übrigens an, sich selbst nicht impfen lassen zu wollen. 

Was macht die Bioethik-Kommission?

Die Bioethik-Kommission berät den Bundeskanzler in gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen und rechtlichen Fragen, die sich auf dem Gebiet der Humanmedizin und Humanbiologie aus ethischer Sicht ergeben.

Heftige Debatte um Impfpflicht in Italien

Derzeit gibt es in Österreich für keine Krankheit eine Impfpflicht, anders ist es etwa in Italien, wo auch schon eine heftige Debatte über die Corona-Impfung stattfindet. Angeheizt wurde die Diskussion durch den Beschluss des römischen Krankenhauses "Spallanzani", ab 24. August einen Impfstoff an 90 Freiwilligem zu testen. Ex-Premier Matteo Renzi startete eine Unterschriftensammlung, um die Impfpflicht einzuführen. Er reagierte damit auf Premier Giuseppe Conte, der am Wochenende betont hatte, dass in Italien keine Impfpflicht gegen das Coronavirus eingeführt wird.

Derzeit arbeiten Wissenschaftler auf der ganzen Welt an Corona-Impfungen, in Russland wurde bereits ein Impfstoff zugelassen - allerdings vor der dritten Testphase.

>>> Interview im „Ö1"-Morgenjournal

(sk)