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Nachruf

Schottischer Dickkopf, Macho, großer Schauspieler: Sean Connery ist tot

(c) Getty Images (Michael Loccisano)
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Sean Connery, der mehr konnte als James Bond, ist mit 90 Jahren gestorben.

Für viele war er der einzige echte und wahre James Bond - und das hat etwas für sich. Denn ein Agent ist ein harter, kantiger Mensch, der für Recht und Ordnung kämpft. Dass er fesch ist, kann nicht schaden, wichtiger aber ist, dass er die Ideale der westlichen Welt repräsentiert. Sean Connery amtierte, als diese Werte noch intakt waren: Oben und unten, rechts und links, böse und gut, alles klar. Einiges scheint einfacher gewesen zu sein in den 1960er Jahren als heute.

Sir Thomas Sean Connery wurde 1930 in Edinburgh in einfachste Verhältnisse geboren, der Vater war Fernfahrer, die Mutter Hausfrau. Connery hatte gute Eltern, die er jedoch früh finanziell unterstützen musste, indem er als Milchmann oder Bademeister arbeitete. Das Dasein in der Royal Navy, in der er sich für sieben Jahre verpflichtet hatte, hielt er nicht aus. Er wurde Bodybuilder und errang den dritten Platz im Mister-Universum-Wettbewerb.

Sean Connery, August 1962.
Sean Connery, August 1962.(c) Getty Images (Chris Ware)

In den frühen Sechzigerjahren wollten die Produzenten Albert  R. Broccoli und Harry Saltzman die Geheimagenten-Romane des schillernden ehemaligen Nachrichtendienstlers Ian Fleming verfilmen. David Niven, Roger Moore oder Gary Grant standen als Bond zur Diskussion. Ausgewählt wurde Connery wegen seines selbstsicheren Auftretens.

Unergründliches Grinsen

In sieben Bond-Filmen spielte der Mann mit den dicken Augenbrauen und dem unergründlichen Grinsen, einige sind, obwohl sich die Optik der Filmbranche so stark verändert hat und die Geschichten eine gewisse Patina haben, immer noch Klassiker. Die Handlung tut dabei nicht so viel zur Sache wie das Tempo und der Wortwitz.

In „James Bond jagt Dr. No“ mit dem legendären Bösewicht Joseph Wiseman sieht Connery Ursula Andress beim Planschen zu: „Was machen Sie denn hier, suchen Sie auch Muscheln?“, fragt sie. „Ach, nein, ich schau einfach nur“, antwortet Connery, nachdem er zuvor in ihr Trällern von „Underneath the Mango Tree“ wohltönend eingestimmt hat. „Dr. No“ kostete 1,1 Millionen Dollar und spielte 60 Millionen ein, ein unvorstellbares Vermögen damals. Die Kosten von Blockbustern waren ein Risiko, das Produzenten schnell ruinieren konnte, wenn man bedachte, dass für 100 Sekunden Film, zum Beispiel eine Autokarambolage, die natürlich live herzustellen war – und entsprechend gefährlich – acht Tage gedreht werden musste. Nach „Dr. No“ stiegen die Produktionskosten und somit auch Connerys Gage. Er war nie zufrieden.

Es folgten „Liebesgrüße aus Moskau“ (mit spektakulären Mordszenen im Zug und Lotte Lenya als russischer Agentin), Goldfinger  (mit Gert Fröbe, der einen Angriff auf Fort Knox plant, wo die Goldreserven der USA liegen) und „Fireball“ (Atombomben und Tauchgang mit „Domino“ Claudine Auger). 1967, während der Dreharbeiten zu „Man lebt nur zweimal“ gab Connery bekannt, dass er aus der Bond-Serie aussteigen würde. Die Gage für „Diamantenfieber“ ging an seine Stiftung Scottish International Educational Trust.

1983 war das Jahr der zwei Bondfilme, einer mit Roger Moore („Octopussy“) und einer mit Connery unter dem ironischen Titel „Sag niemals nie“ und mit Klaus Maria Brandauer als Schurke Maximilian Largo. Connery war maßgeblich daran beteiligt, dass Bond zu jener gewaltigen Maschine und Cashcow wurde, die bis heute läuft, obwohl sich die Konkurrenz von Blockbustern und Thrillern stark verschärft hat.

„Jagd auf Roter Oktober"

Connery konnte aber auch anderes als Bond – durch den er gewissermaßen zum ernst zu nehmenden Charakterdarsteller gereift war. Dass er eine Glatze hatte und als Bond ein Toupet trug, mag Klatschreporter beschäftigt und weibliche Fans erschüttert haben, er blieb trotzdem ein Kassenmagnet, ob er Haupt-oder Nebenrollen spielte. Regelmäßig tauchte er auf, wurde immer lockerer und souveräner und begeisterte seine Anhänger – etwa als Mentor in „Highlander“ (mit Christopher Lambert), in „Der Name der Rose“, in „Die Unbestechlichen“ (für den er den Oscar gewann) oder in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“.

Mit 59 Jahren wurde Connery 1989 vom People-Magazine zum Sexiest Man Alive gewählt. Zwei Filme aus seinen späteren Jahren überzeugten besonders: „Jagd auf Roter Oktober“, als russischer U-Boot-Kapitän flieht Connery in die USA und der Thriller „The Rock“ (mit Nicolas Cage), letzterer spielte 325 Millionen Dollar ein und war einer der erfolgreichsten Filme Connerys. Selten sanft und liebenswert zeigte er sich in dem Episodenfilm „Leben und lieben in L. A.“, er spielt einen Todkranken, dem seine Frau, mit der er seit 40 Jahren verheiratet ist, auf einen Betrug drauf kommt. Connery selbst war zweimal verheiratet, mit der australischen Schauspielerin Diane Cilento hat er einen Sohn, Jason. Die Ehe dauerte von 1962 bis 1973. 2006 erzählte Cilento der Daily Mail, dass Connery sie einmal bewusstlos geschlagen habe, aus Eifersucht. 1965 hatte Connery dem Playboy anvertraut, dass ein Mann „unter Umständen“ seine Gattin schlagen dürfe, 1987 bekräftigte er in einem TV-Interview seine Aussage, erst 2006 distanzierte er sich davon. Seit 1975 war er mit der Malerin Micheline Roquebrune verheiratet, die der leidenschaftliche Golfer beim Sport kennenlernte.

Liebeserklärung an Schottland

Eine weitere Passion galt seiner Heimat Schottland, Connery ist ein schottischer Nationalist, er beteiligte sich auch an der Kampagne zum Ausstieg des Landes aus dem Vereinigten Königreich. Und er schrieb eine Liebeserklärung an Schottland, das Buch „Mein Schottland, mein Leben“. Vielleicht liegt es an den langen Abwesenheiten des internationalen Stars von dem düsteren, rauen, schönen Land im Norden. Connery lebte jedenfalls nicht dort, sondern vorwiegend in Spanien und auf den Bahamas, wo er nun auch gestorben ist. Bei der Verleihung des Knight Bachelor durch die Queen 2000 trug er einen Kilt. Seinen letzten Film drehte Connery 2003 „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, ein Fantasy-Actionfilm. Ob als viriler junger Held der westlichen Welt oder als grau melierter Gentlemen, er konnte ironisch, kämpferisch, cool oder missionarisch sein, er hatte Charisma und eine starke Aura.