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Fusionspläne

Luxusgüterkonzern LVMH kontert Tiffany-Beschwerde mit Gegenklage

REUTERS
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Der französische Luxusgüterkonzern LVMH will die Fusion mit Tiffany wegen drohenden US-Zöllen auf Produkte aus Frankreich verhindern. Die beiden Konzerne klagten sich nun gegenseitig.

Die weltgrößte Übernahme in der Luxusgüter-Branche rückt in weite Ferne: LVMH und Tiffany zerren sich gegenseitig vor Gericht. Die französische LVMH mit Marken wie Louis Vuitton, Moet & Chandon und Bulgari kündigte am Donnerstag eine Klage gegen den US-Juwelier Tiffany an, der am Mittwoch Klage gegen LVMH eingereicht hatte. Damit lässt die 16 Mrd. Dollar (13,59 Mrd. Euro) schwere Fusion in noch länger auch sich warten. 

LVMH hatte am Mittwoch angekündigt, bei dem geplanten 16 Milliarden Dollar (rund 14 Milliarden Euro) schweren Kauf den US-Juweliers Tiffany die Reißleine ziehen. Begründet wurde der Schritt mit drohenden US-Zöllen auf Produkte aus Frankreich. Tiffany will das nicht hinnehmen und versucht, das Fusionsabkommen gerichtlich durchzusetzen.

„LVMH war von der Klage überrascht, die Tiffany gegen die Gruppe eingereicht hat", erklärte LVMH. Man wehre sich gegen Anschuldigungen von Tiffany, dass sich der Konzern absichtlich aus den Vereinbarungen zurückziehe.

Drohende Zölle und fehlende Genehmigungen

LVMH teilte mit, vom französischen Außenministerium aufgefordert worden zu sein, die Übernahme wegen den drohenden Zöllen über den 6. Jänner 2021 hinaus zu verschieben. Auch Tiffany habe um eine Verlängerung der Frist für den Abschluss der Übernahme gebeten. Der LVMH-Vorstand habe aber beschlossen, sich an die Bedingungen des ursprünglichen Übernahmevertrages zu halten, wonach der Deal bis zum 24. November abgeschlossen sein muss. „Beim gegenwärtigen Stand der Dinge wäre die Gruppe daher nicht in der Lage, die Übernahme von Tiffany vorzunehmen." Beiden Firmen fehlen aktuell für eine Fusion Genehmigungen von Kartellbehörden in mehreren Ländern.

Die schon 2019 vereinbarte Transaktion war auch wegen der Coronakrise ins Wanken geraten. Anfang Juni hatten Insider gesagt, LVMH-Chef Bernard Arnault wolle die Bedingungen des Deals nochmals überdenken, weil in Folge der Pandemie weltweit Umsätze und Aktienkurse von Luxusgüter-Herstellern eingebrochen sind.

Reaktion an der Börse

Tiffany-Titel sind an der Börse aktuell deutlich weniger wert als die zuletzt vereinbarten 135 Dollar je Aktie. Ursprünglich hatte LVMH 120 Dollar pro Tiffany-Papier geboten, was einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Kurs vor Bekanntwerden des Interesses bedeutet hatte. Tiffany hatte das Offert zurückgewiesen und erst bei 135 Dollar eingewilligt.

Der gesamten Luxusindustrie brechen nach einem Jahrzehnt des Wachstums derzeit in ungeahntem Ausmaß die Erlöse weg. Studien zufolge werden die Umsätze allein heuer branchenweit um mehr als ein Drittel zurückgehen. Das Beratungsunternehmen Bain rechnet damit, dass es zwei bis drei Jahre dauern wird, ehe die Einnahmen wieder das Niveau von 2019 erreichen. LVMH hatte 2019 knapp 54 Milliarden Euro umgesetzt, Tiffany rund 4,2 Milliarden Dollar.

(APA/Reuters)