Aus alten Gemäuern stilvolle Bleiben mit besonderem Charme zaubern.
Wohntipps

Historisch wohnen: Alte Häuser stilvoll einrichten

Schiefe Wände, spitze Winkel: Ein altes Haus einzurichten, stellt die Bewohner oft vor echte Herausforderungen. Dafür lassen sich ganz besondere Effekte erzielen.

 
 

Die Zimmer sind extrem niedrig und die Fenster so klein, dass kaum Tageslicht hereinkommt“, sagt Nicole Zenz über ihr neues Zuhause, einen 400 Jahre alten Bauernhof im obersteirischen Feistritz, den sie von ihren Großeltern übernommen hat. Dass es da nicht leicht sein wird, ihren Wohntraum Wirklichkeit werden zu lassen, weiß sie. Innenarchitektin Sophie Kessler von Destilat in Wien erklärt: „Wer sich für eine historische Bausubstanz entscheidet, entscheidet sich bewusst für ein nicht perfektes Projekt.“ Andererseits lassen sich gerade aus alten Gemäuern stilvolle Bleiben mit besonderem Charme zaubern.

Hohe Schränke, bunte Wände

Um die niedrigen Zimmer nicht drückend wirken zu lassen, empfiehlt Ines Schmitzer von Die Raumgestalterei, Schränke so hoch zu wählen, dass zwischen ihnen und der Decke kaum mehr Platz bleibt. Ebenso sollten Wände, sofern man sie nicht weiß ausmalt, bis ganz zum Plafond farblich gestrichen werden. Und Lampen befestigt man am besten direkt an der Decke. „Hängen sie bis knapp über Kopfhöhe, lassen sie den Raum noch niedriger erscheinen.“ Was die kleinen Fenster betrifft, rät Tageslichtplanerin Christa Brunner von Velux zum Einsatz von Spiegeln. „Dadurch entsteht der Eindruck, das Licht komme auch von der anderen Seite, und außerdem erhält der Raum mehr Tiefe.“ Unterstützt man durch künstliches Licht, kann man mit Spots und Stehleuchten besonders dunkle Ecken ausleuchten und gestalterische Akzente setzen.

"Ein Kasten muss nicht immer ins Eck. Wenn ich ihn wegrücke, entsteht im Winkel eine Nische, die ich gut als Stauraum verwenden kann."

Sylvana Kuhl

Accessoires an buckligen Wänden

Sylvana Kuhl, die ein Haus am Stadtrand von Leoben bewohnt, um das sich Legenden aus der Pestzeit ranken, hat schon ihre Erfahrungen gemacht: „Bei uns gibt es keinen Raum mit 90-Grad-Winkeln, und die Wände sind alle bucklig.“ Schmitzer dazu: „Ein Kasten muss nicht immer ins Eck. Wenn ich ihn wegrücke, entsteht im Winkel eine Nische, die ich gut als Stauraum verwenden kann.“ Mit Geschick lassen sich Accessoires auch an buckligen Wänden anbringen und kommen dadurch vielleicht sogar besonders gut zur Geltung. Und Unebenheiten im Fußboden lassen sich mit Möbeln, die verstellbare Füße haben, ausgleichen.

Kontraste sparsam einsetzen

Grundsätzlich, so raten die Experten, soll die Einrichtung den Charakter des Gebäudes nicht zerstören. Neo-Hausbesitzerin Zenz beispielsweise hat beim Ausmisten ein Spinnrad auf dem Dachboden entdeckt, das sie nun dekorativ ins Wohnzimmer stellen will. Ein Joch, das Rindern früher auf die Schultern gelegt wurde, um Eimer zu tragen, dient als Kleiderbügel. Und Kuhl hat eine Bauerntruhe als Blickfang im Zimmer ihres Leobner Hauses stehen. „Natürlich kann ich den Stil auch mit reduzierter Innengestaltung brechen, aber das ist eine schmale Gratwanderung“, mahnt Kessler zur Vorsicht beim Einbringen moderner Stilelemente. Sie selbst hat im Auftrag eines Kunden ein altes Kreuzgewölbe mit einer Metallküche ausgestattet.

„Der Kontrast mit der weichen umgebenden Textur lässt die kantigen Elemente gut zur Geltung kommen.“ Gleichwohl empfiehlt die Expertin, die Kälte des Materials durch Textilien wie Baumwollvorhänge oder Polster wieder abzufedern. Zenz freut sich schon darauf, ihr Bauernhaus beziehen zu können, denn „den gemütlichen Charakter, den so ein altes Haus ermöglicht, bekommt man in einen Neubau nie hinein!“

Was Sie beachten sollten beim . . . . . . Gestalten historischer Räume.

Tipp 1

Licht. Eine indirekte Beleuchtung kann in einem alten Haus gut hinter einer Vorsatzschale, die zum Einbau einer Dämmung angebracht wird, versteckt werden und sorgt für weiches Licht. Sie setzt aber unter Umständen die Unebenheiten der angestrahlten Decke oder Wand geradezu in Szene. Das kann störend wirken oder den historischen Charakter betonen.

Tipp 2

Farbe. In dunklen Räumen sorgt Mobiliar in hellen Tönen für einen freundlichen Eindruck. Zu viel Weiß kann anstrengend für die Augen sein, Cremetöne oder Grau eignen sich gut für Einrichtungsgegenstände, die dauerhaft angeschafft werden. Für belebende Farbklekse kann man durch Accessoires und Gebrauchsgegenstände sorgen, die austauschbar und weniger kostspielig sind.

Tipp 3

Stil. Will man den historischen Charakter eines Hauses durch die Raumgestaltung betonen, läuft man Gefahr, dass die Wohnung wie ein Museum wirkt. Wichtig ist daher, den Räumen eine eigene Note zu geben. Persönliches wie Fotos und Bilder schaffen Intimität und bringen Leben. Verspielte Formen (kein disharmonischer Stilmix) wirken der Strenge gekalkter Wände entgegen.

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