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Coronavirus

Internes Papier: Weniger testen für mehr Tourismus?

Gerry Foitik (Archivbild)Die Presse/Katharina Fröschl-Roßboth
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Ein internes Dokument - für den Corona-Krisenstab vorgesehen - sorgt für Verwunderung: Es soll überlegt worden sein, K1-Kontaktpersonen nicht mehr zu testen, um als Land eine bessere Einstufung zu erlangen - und den Wintertourismus zu fördern.

„Policy Briefs“ heißen die Schreiben, in denen Experten kurz und knapp ihre Überlegungen zu Sachlagen, Herausforderungen und politischen Schritten darlegen. Solche „Policy Briefs“ gibt es auch für die Mitglieder des Corona-Krisenstabs - und eines dieser internen Schreiben fand am Montag das Licht der Öffentlichkeit. Verschiedene Medien berichteten darüber, auch der „Presse“ liegt es vor. Der Autor: Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes, Krisenmanager in der Corona-Taskforce der Bundesregierung. Das Datum: 15. Oktober. Der Inhalt: verwundernd, zumindest.

Denn Foitik formuliert in dem Ideenpapier die Möglichkeit, „innerhalb weniger Tage aufzuhören, Kontaktpersonen '1' zu testen“ - mit dem Ziel, den Wintertourismus in Österreich zu schonen. Bei einem solchen Teststopp würde die Inzidenz „dann sofort um 500 täglich“ sinken - „bei gleichzeitigem leichten Sinken der Positivitätsrate“. Die Möglichkeit eines derartigen Teststopps käme dem Papier zufolge dann infrage, „wenn Zahlen eine Zeit lang sinken, aber immer noch zu hoch sind“ - „für eine 'grüne' Einschätzung der EU-Partner“ könnte dann der Teststopp erfolgen. Kontaktpersonen „K 1“ gelten als Menschen mit einem hohen Infektionsrisiko.

„Schieflage“ im internationalen Vergleich

Foitik bestätigte den Tageszeitungen „Kurier“ und „Standard“ am Montag, dass das Schreiben für den Krisenstab gedacht gewesen sei; es ging an Bundeskanzleramt und Gesundheitsministerium. Den beiden Zeitungen zufolge erklärte Foitik die Überlegung damit, dass die wenigsten Länder „K 1“-Personen testeten, was zu einer „Schieflage“ im internationalen Vergleich führe.

In Österreich würden täglich 500 bis 700 „K 1“ als positive Fälle registriert; Foitik zufolge sei das aber gar nicht relevant. „Wenn jemand negativ getestet wird, muss er trotzdem in Quarantäne“, wird er im „Kurier“ zitiert, „ist er positiv, hat aber keine Symptome, gibt es keine therapeutischen Konsequenzen.“ Foitik wies dem „Kurier“ gegenüber auch darauf hin, dass die Überlegungen aus dem Policy Brief ohnehin nicht schlagend würden, zumindest im Moment nicht. Österreich wird von der EU als „Rot“ eingestuft - nur, wenn es das Land schaffe, die Zahlen zu verringern und vor „Grün“ zu stehen, könnten die Überlegungen in die Tat umgesetzt werden.

>> zum Bericht im „Kurier“

>> zum Bericht im „Standard“ 

(Red.)