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Unterwegs

Freude entzündet

Häuserkampf in Wien Hernals? Ist nur wieder Silvester, mit der ach so fröhlichen Knallerei.

Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Böller. So oder ähnlich brachte es schon das Johannesevangelium auf den Punkt: Darf man richten, was man früher selbst betrieben?

Weiß Gott manche Lunte haben wir mit Freude entzündet. Um heute das kleine Inferno, von anderen entfacht, nur zähneknirschend zu ertragen. Die armen Haustiere sind mir dabei wohlweislich egal, wenn sie einmal im Jahr für ihren stets vollen Napf aus der Komfortzone getrieben werden. Die wenigen verbliebenen Wildtiere am Rand der Stadt schon weniger. Im Rom seien in der Silvesternacht wieder Hunderte Vögel vom Himmel gefallen, liest man. In Monaco bestaunte ich einmal die Weltmeisterschaft der Feuerwerker, da steht nach einer sorgfältigen Choreografie im Climax der ganze Nachthimmel in Flammen. Die panisch umherflatternden Seevögel habe ich aber auch nicht übersehen.

Die Knallerei hört sich nicht fröhlich und erhebend, sondern nach Häuserkampf an. Tak-tak-tak, wie eine Kalaschnikow. Dass der ausgebrannte Krempel in den Gassen, Parks und Wiesen wie selbstverständlich nicht entsorgt, sondern andern überlassen wird, gehört zur Gaudi. Vielleicht eine Alterserscheinung, die schlechte Laune, was die Statistik untermauert: Die Mehrzahl der Verletzten bei Feuerwerksunfällen sind junge männliche Erwachsene. In Deutschland jedes Jahr allein 500 Augenverletzungen! Dort hat man sich aufgerafft zu einem Verkaufsverbot, während bei uns – der Gebrauch untersagt – die Ware in Diskont- und Baumärkten palettenweise verkauft wird, augenzwinkernd.

timo.voelker@diepresse.com

 


Nächste Woche:
Gabriel Rath

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2021)