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Immobilien

Schlösser & Burgen: Unaufgeregte Altmeister des Wohnens

Burg Finkenstein am Faaker See.
Burg Finkenstein am Faaker See.Johann Jaritz
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Wer schon die Pest hat kommen und gehen sehen, lässt sich von einer Pandemie nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Der Markt mit historischen Immobilien zeigt sich von Corona weitgehend unbeeindruckt.

Auf dem Markt der altehrwürdigen Bauwerke herrscht derzeit weder eine Flaute noch ein Boom, wie er bei manch anderen Immobilien im Grünen derzeit zu beobachten ist. Dabei haben diese Liegenschaften durchaus das zu bieten, wonach sich das Lockdown-gequälte Gemüt derzeit sehnt: „Wer ein Schloss kauft, kann auf dem eigenen Grund Laufrunden drehen und den Hund Gassi führen“, bringt es Siegbert Sappert, Geschäftsleiter für den Bereich Historische Immobilien bei Hendrich Real, auf den Punkt. Darin liegt auch einer der Gründe, warum dieses Segment im Coronajahr nur wenig unter dem Ausbleiben der internationalen Käufer gelitten hat, wie Sappert berichtet: „Das haben die heimischen Kunden ausgeglichen.“

Wohlüberlegte Käufe

Einen Boom hat es – wie gesagt – aber auch nicht gegeben. „Die Entscheidung für den Kauf eines Schlosses ist nicht von einer Pandemie abhängig“, betont Alois Reikersdorfer, Aufsichtsratsvorsitzender von Re/Max-Austria. Da müssen, abgesehen von der Finanzkraft, schon die entsprechenden Grundlagen da sein. „Wer ein Schloss kauft, braucht eine Vision und muss wissen, was er mit all diesen Quadratmetern anfangen will“, betont Lisa Gasteiger-Rabenstein, Geschäftsführerin von schlossseiten.at. „Denn in Zeiten wie diesen ein Wirtschafts- oder Geschäftsmodell planen, das mit Hotelprojekten oder Veranstaltungen zu tun hat, ist vor allem dann, wenn man eine Finanzierung braucht, eher schwierig.“

"Es sind jetzt schon weniger Objekte da als etwa noch vor zwei Jahren."

Lisa Gasteiger-Rabenstein

Wer dagegen die finanziellen Möglichkeiten hat und davon überzeugt ist, dass diese Branchen wieder einen Aufschwung erleben werden, investiere gerade jetzt und freue sich über vernünftige Preise, meint die Schlossexpertin. Denn ein wenig zur Ruhe gekommen sei der Markt durchaus: „Es sind jetzt schon weniger Objekte da als etwa noch vor zwei Jahren“, weiß Gasteiger-Rabenstein. „Ein, zwei Liegenschaften sind dazugekommen – und dann gibt es natürlich noch die alten Schinken, die schon seit vielen Jahren auf dem Markt sind und darauf warten, wachgeküsst zu werden“, umschreibt sie diplomatisch den Brauch, Dauerbrenner von Makler zu Makler weiterzureichen. Deren Verkauf oft an der Schere zwischen den Preisvorstellungen der Käufer und Verkäufer scheitert. Allerdings sind die Vermarktungszeiträume eines Schlosses oder einer Burg grundsätzlich andere als bei handelsüblicheren Immobilien. Aber es gibt Ausnahmen: „Wenn etwas Tolles auf den Markt kommt, geht es oft rasch; gute Immobilien sind vielleicht ein bis zwei Jahre auf dem Markt“, weiß Reikersdorfer.

Kein schneller Markt

Sappert berichtet von so einem Fall: „Wir haben im vergangenen Jahr Ende Februar die Burg Finkenstein in die Vermarktung bekommen. Trotz Lockdowns war diese nach 17 Wochen an die Thomas-Gruppe verkauft.“ 2,35 Millionen Euro hat Investor Thomas Seitlinger laut ORF für die Burgruine gezahlt, insgesamt sollen für den Ausbau und zusätzlichen Grund rund fünf Millionen Euro investiert werden.

"Wenn etwas Tolles auf den Markt kommt, geht es oft rasch ..."

Alois Reikersdorfer

Der Unternehmer war nicht der Einzige, der das Coronajahr für Investitionen genutzt hat. „Während der Lockdowns, in denen keine Events anstanden, haben sich viele Besitzer die Zeit genommen, um aufzuräumen und Reparaturen durchführen zu lassen“, berichtet Gasteiger-Rabenstein. Denn wer bereits stolzer Schlossbesitzer ist und nicht aus wirtschaftlichen Gründen über einen Verkauf nachdenken muss, tut es meist auch nicht, wie die Makler einstimmig berichten. „Die klassischen Familien, die so etwas besitzen, geben es selten her“, weiß Reikersdorfer. Zumal in Zeiten, wenn andere Investments nicht gerade übermäßig verlockend sind. Sappert berichtet ebenfalls, dass es definitiv keine Schwemme auf dem Markt gibt und auch nicht mit einer zu rechnen sei: „Wir sind vielmehr auf der Suche nach neuen Objekten für einen großen Kundenkreis, der noch nicht das Richtige gefunden hat“, sagt Sappert. Was nicht immer einfach ist, denn: „Schlossbesitzer haben vorgesorgt – und das über viele Jahre“, weiß der Makler.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2021)

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