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Fälschungen

Das Geschäft mit den Impfpässen

APA/EXPA/JOHANN GRODER
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Die Öffnungen ab Mitte Mai kommen mit einigen Bedingungen an die Bevölkerung. Corona-Leugner und Impfgegner versuchen sich mit gefälschten Impfpässen ihren Eintritt zu erschleichen. Mit Hilfe von jenen, die ihre Impfungen online posten.

"Je mehr Menschen geimpft sind, desto eher wird sich die Lage auf den Intensivstationen entspannen", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz im Rahmen der Ankündigung der lange ersehnten Öffnungen Mitte Mai. Alle 1,8 Sekunden wird aktuell in Österreich eine Corona-Schutzimpfung verabreicht. Fast genau so oft teilen Geimpfte diesen Umstand mit ihren Social-Media-Kontakten. Dabei warnen seit Wochen Datenschützer davor. Und zurecht, wie jetzt Untersuchungen in Deutschland zeigen.

Ein Impfpass ist kein nur von Behörden erhältliches offizielles Dokument. Bei Amazon gibt es sie en gros relativ günstig zu kaufen. Mit dem gelben Heft ist aber noch nicht viel anzufangen. Erst wenn Betrüger auf Facebook, Twitter und Instagram Bilder mit Impfzentrum, Unterschrift und Chargennummer zu Gesicht bekommen, kann das Fälschen beginnen. Viel Aufwand betreiben müssen sie nicht und trotzdem ist der Unterschied kaum bis gar nicht auszumachen. Ihre Arbeit lassen sie sich mit bis zu 200 Euro in Form von Bitcoins, Gutscheinkarten und per Paypal bezahlen. Dabei garantieren sie paradoxerweise Echtheit und, dass sie mit jedem Impfzentrum, allen Impfstoffen und auch vielen Arztpraxen dienen können.

Abnehmer finden sich unter den Corona-Gegnern und jenen, die Schutzimpfungen ablehnen. "Report Mainz" der ARD berichtet unter anderem von einem Fälscher, der seinen Betrug damit rechtfertigt, die Grundrechte für sich und die Abnehmer zurückzuerkämpfen. Die Anfrage scheint groß zu sein. Er selbst sei "Land unter mit Anfragen".

Für Außenstehende nicht zu erkennen

Zwei solcher Fälschungen wurden dem Leiter des Impfzentrums Frankfurt vorgelegt. Er konnte zwar erkennen, dass sie gefälscht sind. Doch das könne er nur aufgrund des verwendeten Stempels, der das Impfzentrum nicht verlässt. Detailwissen, das Außenstehenden nicht zur Verfügung steht.

Diese Personengruppe gefährdet mit dem Kauf solcher Pässe wissentlich die Gesundheit anderer Menschen. Je mehr Menschen dabei mitmachen, umso größer die Gefahr, dass die Strategien zur Eindämmung der Pandemie nicht greifen. Hinzu kommt, dass es sich dabei um Betrug handelt und damit um eine Straftat, betont der Kriminologe Christian Matzdorf im ARD-Beitrag.

An einer möglichen digitalen Lösung wird bereits vielerorts gearbeitet. Ziel ist es, einen internationalen Standard zu schaffen, mit denen die Covid-19-Impfungen belegt werden können. In Österreich wäre der Grundstein dafür bereits gelegt, denn zusätzlich zur analogen Bestätigung wird jede Impfung im E-Impfpass eingetragen. Derzeit ist aber nicht vorgesehen, dass der Rahmen an zugriffsberechtigen Personen erweitert wird. Zwar können Ärzte, Gesundheitseinrichtungen und Behörden darauf zugreifen, öffentliche Institutionen wie Flughäfen, Restaurants oder Freizeiteinrichtungen nicht.

Bietet der Grüne Pass Sicherheit?

Schon ab 19. Mai soll Österreich wieder aufsperren. Zutritt zu Gastronomie, Sporteinrichtungen, Veranstaltungen sollen aber nur jene bekommen, die genesen, negativ getestet oder eben bereits geimpft sind. Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach dabei vom Grünen Pass, den es aber noch nicht gibt. Deswegen sollen die einzelnen Bestätigungen vorerst ausreichen.

E-Impfpass: Jeder hat bereits einen [premium]

Warum der Impfpass bald ausgedient hat, was die elektronische Variante besser können soll, wer bereits erfasst wurde und warum man sich nicht abmelden kann, erklärt ELGA-Geschäftsführer Franz Leisch im Gespräch mit der „Presse“.

Erst später sollen die unterschiedlichen Nachweise in einem QR-Code gebündelt werden. Das könnte aber noch bis Anfang Juni dauern. Im nächsten und voraussichtlich letzten Schritt, soll die EU-weite Lösung implementiert werden.

>>> Bericht des SWR Report Mainz