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Serie

„Shadow and Bone“: Netflix-Fantasy mit einem Hauch Operette

Soldatin Alina (Jessie Mei Li) entdeckt nur durch Zufall ihre Zauberkräfte.
Soldatin Alina (Jessie Mei Li) entdeckt nur durch Zufall ihre Zauberkräfte.(c) COURTESY OF NETFLIX
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In „Shadow and Bone“ soll eine junge Frau als Sonnenkriegerin ihr Land retten. Ein Coming-of-Age-Drama über Liebe, Freundschaft und coole Gangster. Für Genrefans.

Alina Starkov ist Außenseiterin. Sie lebt im Waisenhaus, wird wegen ihrer asiatischen Abstammung beleidigt und diskriminiert und ist viel zu störrisch für ein Mädchen ihrer Zeit. Leigh Bardugo, die die Buchvorlage zu „Shadow and Bone – Legenden der Grisha“ geschrieben (und einen kleinen Cameo-Auftritt) hat, ließ sich vom Russland des frühen 19. Jahrhunderts inspirieren. Der Hauch des Zarenreiches weht auch durch die Fantasyserie, die nun auf Netflix gestartet ist und Genrefans ebenso gefallen dürfte wie Teenagern.

Sie begleitet Alina (Jessie Mei Li) und ihren Jugendfreund Malyen (Archie Renaux), der einst als feinfühliger Bub die Hasen lieber streichelte, als sie in der Küche abzuliefern, in einer Coming-of-Age-Geschichte, die sich um aufsteigende Zauberkräfte und verwirrte Gefühle rankt. Denn in Alina steckt, wie der Zuschauer früher als sie selber vermutet, jene sagenumwobene Sonnenkriegerin, die das Land Ravka von der Schattenflur befreien soll, die es entzweit. Wer auf die andere Seite will, muss diesen dunklen Nebel durchschiffen. Er wird von todbringenden Kreaturen bewohnt, die mit ihren gezackten Flügeln und spitzen, verschleimten Zähnen an eine Mischung aus Drache und Alien erinnern. Wer überlebt, ritzt sich eine Kerbe ins Handgelenk.

Magie unter Zwiebeltürmchen

Die Schattenflur stärkt auch die Konflikte, die Ravka mit den Nachbarländern hat: Fjerda im Norden, Shu Han im Süden. Und so entspinnt sich in der zerrissenen Nation ein Machtkampf, in den die arglose Alina hineingezogen wird. Wenn das Ganze auch keineswegs die Dimensionen eines „Game of Thrones“ annimmt: Die junge Dame hat nach kurzer Zeit die größte Mühe, Gut und Böse auseinanderzuhalten. Schon bald findet sich Alina im von Zwiebeltürmchen geschmückten Palast des Königs wieder. Seit sich – eher zufällig – herausgestellt hat, dass sie eine Grisha und mit magischen Fähigkeiten ausgestattet ist, gehört sie zur Eliteeinheit und ist so etwas wie seine Leibeigene. Doch die Fäden im Palast zieht längst ein anderer: General Kirigan (Ben Barnes), ein charismatischer Mann, der angeblich schon seit Jahrhunderten lebt und als Magier vor allem unheimliche Fähigkeiten besitzt.

Da haben wir sie also: den protzenden König, den dräuenden Krieg, die ignoranten Höflinge, das unbefangene Mädchen, den intriganten General (den Alina ein wenig anhimmelt) und den einfachen Soldaten Malyen, dessen Briefe abgefangen werden, bis sich Alina seiner nicht mehr sicher ist. Es entspinnt sich ein fast operettenhaftes Szenario, nicht nur wegen der Kostüme und der Goldtassen: mit Liebschaften, die über die Höhen und Tiefen von Eifersüchteleien und Intrigen mäandern, bis sich am Ende die Richtigen finden. Und mit zweien, die einen wie das Buffopärchen zum Schmunzeln bringen: Nina (Danielle Galligan) wird von Hexenjäger Matthais (Calahan Skogman) gefangen gehalten, bis sie ihn verführt und sich über seine Prüderie lustig macht.

Smarte Gang mit niedlicher Ziege

Für Auflockerung sorgen auch drei smarte Gangster, die die Sonnenkönigin entführen und Lösegeld kassieren wollen. Dafür müssen Spielhöllenbetreiber Kaz (Freddy Carter), die schöne Inej (Amita Suman) und der eitle Scharfschütze Jesper (Kit Young) aber erst die Schattenflur überqueren. Für die Drachenwesen nehmen sie als Köder einen Ziegenbock mit, der so niedlich ist, dass Jesper ihn lieber kuschelt als verfüttert. In diesem bilderreichen und kurzweiligen Fantasy-Stück dreht sich eben alles um wahre Freundschaft. Fortsetzung folgt...