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Gery Keszler

Österreich sammelt (sich) vor dem Stephansdom

Ex-Life Ball-Organisator Gery Keszler plant eine Fernsehshow rund um den Stephansdom.
Ex-Life Ball-Organisator Gery Keszler plant eine Fernsehshow rund um den Stephansdom.(c) Maximilian Roeder
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Ex-Life Ball-Organisator Gery Keszler plant eine Fernsehshow rund um den Stephansdom. Sie soll Hoffnung geben – und Geld für jene einspielen, die von der Viruspandemie besonders hart getroffen wurden.

Gery Keszlers Sinn für Details ist ihm nicht abhanden gekommen. Wenn er über die Pummerin spricht, die einst nicht für Kriegszwecke eingeschmolzen, sondern, im Gegenteil, aus osmanischen Kanonen gegossen wurde. Oder über jene goldene Kugel an der Spitze des Südturms des Stephansdoms, die mit versteckten Gegenständen auch als Zeitkapsel dient.

Jenen Südturm hat Gery Keszler vor wenigen Tagen dank Dompfarrer Toni Faber selbst erklettern dürfen. „Der Turm“, so der langjährige Organisator des Life Ball, habe „gesehen, wie es den Wienern über die Jahrhunderte gegangen ist. Er hat wehmütig darauf geblickt, wie der Wiener am Bauch gelegen ist – und wie wir uns wieder derappelt haben.“ Für Letzteres, das Aufstehen, soll der Stephansdom nun (wieder einmal) als Symbol fungieren: „Durch gemeinsames Agieren, durch die Hoffnung auf einen Neustart.“

Konkret geht es um eine Veranstaltung, die vom Wiener Stephansdom via Fernsehen übertragen werden soll und die, begleitet von einer ab sofort laufenden Kampagne (u. a. mit André Heller und Chris Lohner), Spenden für jene sammeln soll, die von der Coronakrise besonders schwer getroffen wurden. Erste Details dazu stellte Keszler am Montag gemeinsam mit Moderatorin Barbara Stöckl vor. Stattfinden soll die Veranstaltung am 28. Mai am Stephansplatz, teilweise auch im Dom selbst. In welcher Form es auch vor Ort Gäste geben wird, hänge von der Lage zum Zeitpunkt ab. Welche Künstler mitwirken, soll erst bekannt gegeben werden; wohl fix sind u. a. Schauspielerin Maria Happel, Sopranistin Daniela Fally oder der Bass Günther Groissböck. Auch die Weltpremieren zweier Lieder wurden angekündigt.

Beginnen soll die Veranstaltung jedenfalls um 22.30 Uhr – weil u. a. eine Lichtshow geplant sei, für die es finster sein muss. Keszler sprach von einer gotischen Bühne und LEDs, von der Einbeziehung des gesamten Doms „von den Katakomben bis zum Dachstuhl“, von einem Streifzug durch die Geschichte. Kaiser Friedrich III. solle ebenso zum Leben erwachen wie Prinz Eugen (der wiederum laut Keszler von Marianne Mendt gestalkt werde). In Summe solle mit der Show das „Haus Österreich“ am Beispiel des Stephansdoms wieder aufgebaut werden; Säulen der Gesellschaft, von der Gesundheit bis zu Tourismus und Gastronomie, würden eine Rolle spielen.

Eigene Plattform der Hilfsorganisationen

Zugute kommen sollen die Spenden der Initiative „Austria for Life“ verschiedenen Hilfsorganisationen, die sich mit dem ORF zur Plattform „Österreich hilft Österreich“ zusammen gefunden haben. „Wir sagen oft: Wir sind wie Seismografen. Noch bevor sich die Not in der Statistik wiederfindet, erkennen wir sie vor Ort an den Menschen, die zu uns kommen“, sagt Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas. „Und wir haben wirklich ein kleines Beben erlebt.“

Parr spricht von Kindern in Lerncafés, die den Anschluss an die Klasse verloren haben, von Sozialberatungsstellen, „wo ganz andere Menschen zu uns kommen.“ Bei Kindern und Jugendlichen, so Maria Moser von der Diakonie, habe sich der Anteil jener mit psychischen Problemen verfünffacht; sie litten an Angst und Schlafstörungen, „auch die Essstörungen werden immer mehr.“ Oft hätten die Probleme handfeste Gründe, schildert Erich Fenninger von der Volkshilfe. „Kinder machen sich Sorgen, ob ihre Wohnung Bestand hat, ob sie am Ende des Monats genügend zu essen haben.“ 60 Prozent der Klienten der 119 Team Österreich-Tafeln würden über die Ausgabestellen ihren Hauptnahrungsbedarf decken, berichtet Peter Kaiser vom Roten Kreuz.

Keszlers Verein Life +, der sich bis zum Ende des Life Ball 2019 im Bereich des HI-Virus engagierte, unterstützt damit übrigens nun offiziell Projekte „zur Bekämpfung epidemisch auftretender Infektionskrankheiten sowie davon betroffene und erkrankte Menschen“. Mit Erich Zawinul, dem Sohn Joe Zawinuls, hat auch sein Verein einen langjährigen Mitstreiter an das Virus verloren. (tes)

Web: austriaforlife.org