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Mitten in Kalifornien: Wohnen auf einer kleinen Ranch im Nationalpark Joshua Tree

Die Grazer Designerin Karin Haase hat sich auf einer alten Ranch ihren persönlichen Genius loci erschaffen. Mitten in einem der populärsten Hotspots der Hipstercommunity rund um Los Angeles.

Die Grazer Designerin Karin Haase hat sich gemeinsam mit ihrem Mann, Kai Sehr, ein kleines Paradies fern der Heimat geschaffen. Ihr Haus im kalifornischen Yucca Valley wurde im Jahr 1958 als kleine Ranch im Nationalpark Joshua Tree erbaut. Der mittlerweile legendäre Ort in der Mojave-Wüste hat sich in den letzten Jahren zu einem der populärsten Hotspots der Hipstercommunity rund um Los Angeles entwickelt. Joshua Tree liegt zwei Stunden östlich von L.A., auf knapp über 1000 Meter Seehöhe in der Wüste Kaliforniens, circa 45  Kilometer vom legendären Palm Springs entfernt, das am Fuß der Berge liegt. „Mein Mann Kai und ich hatten Anfang der 1990er-Jahre auf der Westseite von Los Angeles gelebt“, sagt Designerin Haase, „und wir waren schon viele Jahre, bevor wir unser Haus schließlich 2014 gekauft hatten, von der Schönheit und dem Charisma des einzigartigen Naturparks begeistert.“

Weit weg. Karin Haase lebt mit Hund und Mann Kai Sehr in der Mojave-Wüste.(C) beigestellt

Sie verbrachten ihre Wochenenden gern bei Campingausflügen inmitten der spröden Ästhetik des Joshua Tree National Parks. „Ein Wochenende im charmanten 29 Palms Inn Motel, in dem schon Billy Wilder viel Zeit zum Nachdenken und Schreiben verbracht hat, gilt hier als Klassiker“, erzählt Haase.

Ausgebaut. Statt im Home-Office wird im Garagen-Office gewerkt, gewirkt, geturnt.(C) beigestellt

Zwischen Kakteen und Kreativen. Inspiriert ist die Designerin, die in Graz Architektur studiert hat und dann nach einem Abstecher nach New York in Kalifornien gelandet ist, hier jedenfalls täglich aufs Neue. „Von der absoluten Stille und Weite der Wüste mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna, dem extremen Klima und natürlich ganz besonders vom Licht. Hier ist nicht nur der Sternenhimmel noch unverschmutzt und klar“, schwärmt Haase. „Ursprünglich hatten wir nur vor, unsere Wochenenden hier zu verbringen. Doch schon beim Renovieren ist uns klar geworden: This is it, da wollen wir leben. Und nach zwei Jahren haben wir dann den Sprung ins kalte Wasser gewagt und unser zu Hause in Venice aufgegeben, um ganz hinaus in die Wüste zu ziehen.“

„Wir wollten von Anfang an möglichst viel selbst machen.“

Karin Haase


Eine Entscheidung, mit der sie nicht allein sind. Ursprünglich lebten hier Indianerstämme, dann kamen Pioniere, Goldgräber und Outlaws aus dem „Wilden Westen“, um in der kargen Wüstenregion ein ungestörtes, freieres Leben führen zu können. „Manche kamen auch, um sich hier vor der Justiz zu verstecken.“ Heute sind es Kreative, vor allem Musiker wie die Stones oder Gram Parsons und zahlreiche Schriftsteller, die sich vom rauen Charme der Region angezogen fühlen. Auch Iggy Pop ist hier im Aufnahmestudio von Yucca Valley regelmäßig zu Gast. „Diese kreative Community ist in den letzten Jahren sehr gewachsen und hat die Gegend vom Ausflugs- nun auch zu einer beliebten Wohnregion gemacht.“
Das Haus von Karin Haase und ihrem Mann, dem deutschen Regisseur Kai Sehr, hat zwei Schlafzimmer und insgesamt 95  Quadratmeter Innenfläche. Gelebt wird hier gern auch im Freien – die Ranch kann mit verschiedenen Outdoorbereichen aufwarten, die nicht gleich auf den ersten Blick einsehbar sind. Zahlreiche Panoramafenster geben hingegen den Blick auf Wüstenlandschaft und Kakteen frei.

Beim Betreten des Hauses landet man direkt in der Küche mit dem Esszimmer als Herzstück. Das Haus hat einen für die USA typischen „Open Floor Plan“: Es gibt keine Barrieren zwischen Küche, Ess- und Wohnzimmer, dahinter befinden sich zwei kleine Schlafzimmer mit Bad. Die zum Studio umgebaute Garage ist vom Wohnzimmer aus begehbar. „Diese Erweiterung ist eine räumliche und praktische Bereicherung für unseren Alltag gewesen, da bei uns Wohnen und Arbeiten eng miteinander verbunden sind“, sagt Haase. Dort entstehen ihre Interiordesignkonzepte, Entwürfe für ihre Möbel- und Home-Accessories-Linie, während ihr Mann an seinen Storyboards und Konzepten für Werbe- und Dokumentarfilmen schreibt. Morgens dient der Raum als Yogastudio mit Ausblick, abends wird er mit einigen Handgriffen auch schnell zum perfekten Dinner- und Partyraum umfunktioniert.

Do it yourself – aber nur einmal. Die Ranch war in relativ gutem Zustand, als die beiden sie übernahmen, die Innenausstattung gefiel den beiden jedoch überhaupt nicht. „Beim Umbau haben wir mehr Material entfernt als ins Haus gebracht. Vor allem die unschönen Fliesen im gesamten Haus mussten weg“, schildert Haase. Danach wurde der Boden transparent mehrfärbig lasiert, um ihm ein weicheres, wärmeres Erscheinungsbild zu geben, und dann erst versiegelt. „Wir hatten uns von Anfang an vorgenommen, möglichst viel bei der Renovierung selbst zu machen – obwohl uns der Umbau viel Schweiß und Blut gekostet hat. Wahrscheinlich würden wir Arbeiten wie das Rausschlagen der Fliesen und das Schleifen des Betonbodens kein zweites Mal selbst machen“, gesteht sie. Alle Oberflächen im Haus wurden erneuert, eine neue Küche und ein neues Bad geschaffen sowie Türen ausgetauscht, und alle Räume mit Klimaanlage ausgestattet. Von den Wänden wurde die in den USA sehr beliebte Oberflächentextur namens „Orange Peel“ abgetragen, dann wurde neu verspachtelt und ausgemalt. Im Außenbereich legten die beiden neue Zäune und Gärten an, der Pool wurde erneuert und die Fassade komplett renoviert.

Der Umbau ging mit kalifornischer Gelassenheit über die Bühne. „Bei einem alten Haus gibt es fast immer Überraschungen. Aber wenn man 26  Jahre als Produktdesignerin für Werbung, Musikvideos und Film arbeitet, weiß man, was es heißt, flexibel zu bleiben und Probleme kreativ zu lösen“, schmunzelt die Hausbesitzerin. „Außerdem mag ich bei alten Gebäuden und Gegenständen das Nichtperfekte: Ich versuche sogar, das ins Licht zu stellen, anstatt es zu verstecken. So entstehen ja Geschichte und Charakter, genau wie bei uns Menschen.“

Mit Schürzen, Kissen und Mutter. Heute entwirft Haase Möbel und Interiors für Privatkunden und Restaurants. Parallel dazu hat sie eine kleine, aber feine Kollektion von Home Accessories, von der Shoppingbag bis zur Schürze aus Denim, zusammen mit ihrer Mutter entwickelt. „Ein sehr spontanes Herzensprojekt, das eigentlich ganz zufällig vor ein paar Jahren in Kalifornien entstanden ist, als meine Mutter uns besucht hat“, erzählt Haase. „Deshalb auch der Name: mother & daughter Haase.“ Die beiden sehen einander zwei-, dreimal im Jahr, mehrere Wochen am Stück, manchmal in Graz, manchmal hier. „In dieser Zeit arbeiten wir gemeinsam an Prototypen von neuen Designs und Ideen. Meine Mutter hat sehr viel Erfahrung und Wissen mit maßgefertigten Heimtextilien und liebt es, mit neuen Ideen zu experimentieren.“

Die Leidenschaft, die die beiden verbindet? Der Entwurf von sehr funktionalen, zeitlosen und nachhaltigen Home Accessories mit Liebe zum Detail. Die angebotenen Indigoponchos beispielsweise werden in Kalifornien aus afrikanischen Vintagetextilien handgefertigt, auch die Stoffe für die Nackenkissen werden selbst gefärbt. Das Sammeln und Finden alter Materialien liegt der Designerin, das sieht man auch in ihrem Zuhause: „Die Küchenfronten wurden mit 100  Jahre altem, recyceltem ,Barn Wood‘ von meinem unglaublich talentierten Neffen Anton von Hand angefertigt. Das hätte sonst niemand so hinbekommen“, erzählt Haase, auch sie mag es, mit Altholz zu arbeiten, das brauche viel Gefühl und viel Geduld. „Das Holz stammt von einem Bekannten, der sich darauf spezialisiert hat, alte Scheunen am Land abzutragen und es dann in Los Angeles zu verkaufen.“ Tage lang verbrachte das „Team Haase“ damit, die passenden Bretter aus Riesenstapeln herauszusuchen und aufzubereiten: Zuerst mussten alte Nägel entfernt, die Latten gereinigt und dann achtsam geschliffen werden, ohne die natürliche Patina und die Textur zu zerstören. „Ein sehr aufwendiger Arbeitsprozess“, sagt die Designerin. „Mit dem Restbestand haben wir die Fenster und Türen außen an der Fassade umrahmt.“ Und eine Bank in Länge XXXL mit eingebauter Truhe entworfen, die für Stauraum sorgt.

Zwei Stunden. So lang dauert die Autofahrt von der Ranch nach L.A. – ein Katzensprung.(C) beigestellt


U2, Wachteln und Coyoten. Neben ein paar Klassikern aus dem 20.  Jahrhundert sind viele ihrer Möbel und Lampen Fundstücke von Flohmärkten oder Vintageshops aus der Umgebung. „Ich habe eine große Faszination für original antike Navajoteppiche“, sagt die Designerin. „Die Farben und Muster dieser handgewebten Unikate sind wunderschön und passen großartig in eine alte Ranch.“ Die Farbpalette im ganzen Haus ist bewusst reduziert, die Materialwahl eine Wertschätzung der Natur. „Wir wollten uns der Geschichte des Hauses und der Gegend anpassen, die reduziert schlichte Deko entspricht wohl dem minimalistischen Bohemian in meinem Herzen.“


Von der südseitig überdachten Veranda wird man dann noch mit dem Blick auf fast 1000  Jahre alte Joshua-Tree-Bäume, die schon für das gleichnamige U2-Kultalbum titelgebend gewesen sind, und ebenso alten Creosote-Sträuchern belohnt. Mit ein bisschen Glück kann man beim Sonnenuntergang vorbeiziehende Coyoten, Wachteln, Blue-Jay-Spechte und Hasen beobachten, und sich von der großartigen Bergsilhouette des Joshua-Tree-Nationalparks im Hintergrund in den Bann ziehen lassen. „Ich genieße jede Ecke unserer Ranch. Hier entschleunigt man sofort und ist inspiriert“, so Haase. „Man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren, kreativ sein, ohne Ablenkung von außen. Darum nenne ich es auch oft unser ,Private Sanctuary‘.“ Nachteil hat das Haus nur einen einzigen: die Entfernung zur Familie und den guten Freunden in Europa. „Ich wünschte mir schon oft, unsere Lieben in der fernen Heimat auf einen Sundowner zum atemberaubenden Sonnenuntergang auf die Veranda beamen zu können.“