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Versicherungsbetrug

Homepage für Schwerkranke: Sozialbetrüger verurteilt

Am AKH kennt man den hauptbeschuldigten Arzt als Kollegen von außerhalb, der immer wieder beharrlich eigene Patienten unterzubringen versuchte.

Ein Versicherungsbetrug im großen Stil: Zwei Männer setzten eine Webseite für Schwerkranke aus der ehemaligen Sowjetunion auf und lockten laut Staatsanwaltschaft über hundert Personen mit vermeintlichen Gratisbehandlungen nach Österreich. Um an Geld zu gelangen, entwickelten sie ein ausgeklügeltes System.

Der Hauptbeschuldigte, ein russisch-armenischer Arzt, ließ seinen Komplizen etliche Kommanditgesellschaften gründen. Die Kranken wurden als Kommanditisten eingetragen, wobei laut Anklage fälschlicherweise vorgegeben wurde, sie würden für die Gesellschaften Tätigkeiten verrichten. Mit dieser Begründung ließ sich eine Versicherung im österreichischen Sozialversicherungssystem erwirken, wobei in etlichen Fällen Kinder mitversichert wurden, die einer medizinischen Behandlung bedurften, weil sie zum Beispiel an Krebs erkrankt waren.

Die Sozialversicherung übernahm die Kosten für sehr teure Krebstherapien, die sich in Einzelfällen mit mehr als 100.000 Euro zu Buche schlugen. Auch kostspielige Krebsmedikamente wurden bezahlt, „wobei der Verdacht besteht, dass diese auch nach Russland verschickt wurden", wie der Staatsanwalt ausführte. Insgesamt entstand ein Schaden in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro zwischen 2012 und 2020.

Vor wenigen Tagen wurde der Arzt am Wiener Landesgericht zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, er wies die Vorwürfe vehement zurück. Seinem Komplizen wurden drei Jahre unbedingte Haft auferlegt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Im Februar hatte der Prozess gegen den 66-jährigen Mediziner und Wissenschafter und seinen 55-jährigen österreichischen Komplizen begonnen, nachdem sie im Juli 2020 festgenommen wurden. 

Arzt will an Sputnik V-Entwicklung mitgewirkt haben

Dass die Sache auf Betrug angelegt war, war der Anklagebehörde zufolge auch daran zu erkennen, dass die versicherten Personen mit Touristenvisa aus Russland anreisten und sich gar nicht um einen berufsbedingten Aufenthaltstitel bemühten. Dauerten die Behandlungen dann länger als erwartet, wurde mitunter humanitäres Bleiberecht beantragt. Der einzige Zweck für die Tat war laut Staatsanwaltschaft, dass die Männer bzw. ihre Kinder in Österreich eine Behandlung bekommen.

Der Arzt behauptet unter anderem, in die Entwicklung einer Vorstufe des russischen Anti-Corona-Impfstoffs Sputnik V eingebunden gewesen zu sein. Bei einer Hausdurchsuchung an seiner Wiener Adresse konnte eine Visitenkarte sichergestellt werden, die ihn als einen am Wiener AKH tätigen Arzt auswies. Dort kannte man ihn allerdings nur als Kollegen von außerhalb, der immer wieder beharrlich eigene Patienten unterzubringen versuchte. „Die Ärzte waren zum Teil erbost über sein Verhalten. Manchmal wurde er rausgeschmissen, weil er so lästig war", sagte der Staatsanwalt.

Ermittlungen wegen Verdacht auf Investmentbetrug

Gegen den Hauptbeschuldigten laufen inzwischen weitere Ermittlungen wegen Darlehens- und Investmentbetrugs, bestätigte die Polizei am Freitag. Er soll mehreren Personen insgesamt rund eine Millionen Euro herausgelockt haben, indem er den Geschädigten weis machte, das Geld in eine Produktion von Sojakaviar sowie in die Erforschung eines von ihm entdeckten Krebsmittels zu stecken. In Wahrheit seien die Gelder seinem Sohn und seiner Ex-Frau zugutegekommen, so der Verdacht.

(APA)