Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Kritik

Philharmoniker: Wenig Mahler-Glück unter Daniel Harding

Das erste Konzert der Wiener Philharmoniker nach der Corona-Pause im Wiener Konzerthaus ließ etliche Wünsche offen.

Endlich dürfen auch die Wiener Philharmoniker wieder vor heimischem Publikum auftreten. Für ihr erstes Konzert wählten sie mit dem Adagio aus Mahlers unvollendet gebliebener Zehnten und dessen erster Symphonie exakt jene Zusammenstellung, mit der sie 1974 unter Leonard Bernstein die Renovierung des Großen Konzerthaussaales glanzvoll gefeiert hatten. Ein Glück, dass dieses Ereignis auf Platte vorliegt.

Diesmal dirigierte Daniel Harding, derzeit Chefdirigent des Swedish Radio Symphony Orchestra. Erstaunlich wie wenig er nach langen Jahren gemeinsamen Auftretens die klanglichen Möglichkeiten der Wiener auszuschöpfen versteht, sich von deren Spielkultur inspirieren lässt, dafür umso deutlicher seine eigenen Intentionen verwirklicht sehen will. Erkennbar wurde dies vor allem bei Mahlers Erster. Egal, ob man glaubt, der Komponist habe dem Werk anfangs den Titel „Titan“ verpasst, um an Jean Pauls gleichnamigen Roman zu erinnern, oder dass er mit dieser Bezeichnung Beethoven ehren wollte: Jedenfalls endet die Botschaft dieser D-Dur-Symphonie nicht mit dem Schluss des ersten Satzes. Diesen Eindruck erweckte aber Harding, indem er das Orchester derart in die Finaltakte dieses Abschnitts hetzte, als wäre damit bereits das Ende des Werks erreicht. Schnell, keineswegs furios, gar atemlos lautet Mahlers Partituranweisung.

Nach einem solchen Fortissimo-Tornado fällt es umso schwerer in die ganz andere Klang-und Ideenwelt des zweiten Satzes vorzustoßen. Vor allem, wenn man nur wenig Beziehung zu der hier mit Ironie angesprochenen Ländler- und Walzeratmosphäre hat. Entsprechend derb, mit wenig tänzerischem Charme erstand dieses Scherzo. Auch die groteske Trauermarschstimmung des dritten Satzes hätte man eindringlicher und mit mehr emotionalem Engagement darstellen können. Effektvoll stürmte Harding durch den Schlusssatz. Hier gelangen die Übergänge besser, nahm er sich mehr Zeit für Details. Glänzend die Violinsoli und das Kontrabasssolo, nicht immer auf der Höhe seiner Aufgabe zeigte sich diesmal das Blech.

Auch mit dem Adagio aus Mahlers Zehnter überzeugte Harding nur bedingt: Klug gewählte Tempi, subtil ziselierte Details sind zu wenig, um in die Tiefe dieser immer wieder neu ansetzenden Erzählung zu stoßen. Darüber hinaus braucht es innere Bewegtheit, vor allem Kraft, die Spannung bis zum Ende durchzuhalten. Eben daran mangelte es.