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Stiglitz: Fed und EZB stürzen Welt ins Chaos

Joseph E. Stiglitz, Nobelpreistr�ger Photo: Michaela Bruckberger
(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik würden die Notenbanken die globalen Devisenmärkte destabilisieren, kritisiert der Wirtschafts-Nobelpreisträger. "Es ist eine sehr seltsame Politik, die sie verfolgen", sagt er.

Der Ökonom und Wirtschaft-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat der der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank vorgeworfen, die Welt mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik ins Chaos zu stürzen. Eine "Liquiditätsflut" von EZB und Fed destabilisiere die globalen Devisenmärkte, sagte Stiglitz am Dienstag am Rande einer Konferenz an der Columbia-Universität in New York.

"Die Ironie ist, dass die Fed für all diese Liquidität in der Hoffnung sorgt, dass sie die US-Wirtschaft beleben wird." Doch sie tue nichts dergleichen, sondern sorge für Chaos im Rest der Welt. "Es ist eine sehr seltsame Politik, die sie verfolgen", fügte Stiglitz hinzu.

Fed Kreditgeber der ersten Instanz

Stiglitz verschärft damit seine Kritik an den Notenbanken. Im Interview mit der Schweizer Wirtschaftszeitung "Cash" hatte Stiglitz vor zwei Wochen gesagt, die US-Notenbank habe zwar ihren Job gemacht, als sie in der Finanzkrise die Banken mit Kapital und Liquidität versorgt habe. "Aber die Kreditvergabe hat sich nicht verbessert, im Gegenteil".

Dies sei Ausdruck der jahrzehntelangen "Laissez-faire"-Einstellung, welche die Zentralbanken gegenüber dem Bankensystem gehabt hätten: "Weil an die Selbstregulierung der Märkte geglaubt wurde, wurde Banken und Finanzmärkten zu wenig Beachtung geschenkt". Stiglitz ortet eine fehl geleitet Politik. Die Notenbank sei nicht mehr Kreditgeber der letzten, sondern der ersten Instanz.

"Der Dollar wird auf Null fallen"

Erst am Dienstag hatte der Vermögensverwalter Marc Faber vor einem Kollaps der Währungen gewarnt. "Der Dollar wird auf Null fallen", sagte Faber. Er erkennt einen internationalen Abwertungs-Wettlauf der Währungen, weil jedes Land versuche, seine Wirtschaft anzukurbeln. "Sieger ist, wer am schnellsten bei Null ist. Die Amerikaner haben gute Chancen zu gewinnen".

Der US-Dollar hat laut Nachrichtenagentur Reuters gegenüber einem Korb von fünf Währungen seit Beginn September um 6,5 Prozent an Wert verloren. Länder wie Brasilien und Japan stehen damit vor Problemen. Sie unternehmen diverse Anstrengungen, um ihre Währungen abzuwerten. "Es ist in diesem Zusammenhang nur natürlich für sie zu sagen: Wir können unsere Wechselkurse nicht aufwerten und unsere Exporte zerstören lassen", sagt Stiglitz.

Japan senkt Leitzins überraschend

Japan hat als Konsequenz am Dienstag überraschend verkündet, den Leitzins auf 0 bis 0,1 Prozent zu senken. Im Kampf gegen die Wirtschaftskrise und den starken Yen gehen der japanischen Notenbank aber langsam die Mittel aus. Stiglitz hält das Senken von Leitzinsen allerdings für unzureichend, um die Probleme zu bekämpfen. Er fordert neue fiskalpolitische Anreize.

(Red.)