Dubai-Anleger zittern um ihr Geld

DubaiAnleger zittern Geld
(c) REUTERS (STR)

Der Traum vom großen Reichtum im Morgenland hat sich auch für österreichische Anleger in Luft aufgelöst. Einige Dubai-Fonds sind pleite, Anwälte bereiten Schadenersatzklagen vor.

[Wien]Niki Lauda, Boris Becker und Michael Schumacher – mit diesen Prominenten hat die deutsche Firma „Alternative Capital Investment“ Gelder für Immobilieninvestments in Dubai eingesammelt. Auf der Homepage der Firma ist von sieben Fonds mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 600 Mio. Euro die Rede. Die Papiere wurden auch in Österreich verkauft.

Im Internet wird auf eine Kontaktadressein Wien verwiesen. Dort ist aber telefonisch niemand erreichbar. Einige betroffene Fondsinvestoren haben nun Anwälte eingeschaltet. „Das deutsche Unternehmen ist insolvent. Für österreichische Anleger bleibt die Hoffnung auf Schadenersatz, wenn sie falsch beraten wurden“, sagt der Wiener Anlegeranwalt Andreas Pascher.

Seinen Angaben zufolge seien die Investments als „sichere Veranlagungen verkauft“ worden. Auch in Österreich seien Berater tätig gewesen und hätten „das tatsächliche Investment risikoloser dargestellt, als es tatsächlich war“.

Einen Überblick über die Geschädigten in Österreich gibt es nicht. Eine Anfrage bei ACI in Deutschland blieb unbeantwortet. Michael Wirrer, der mit Anwalt Pascher diesen Fall für mutmaßliche Opfer betreut, geht davon aus, dass sich in den nächsten Wochen noch viele Betroffene melden werden.

 

Hausdurchsuchungen in Deutschland

Für den Anbieter von Dubai-Immobilienfonds interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft in Bielefeld. Sie ließ Ende Juni die Geschäftsräume von ACI durchsuchen – wegen des Verdachts auf Kapitalbetrug. Die Betroffenen weisen alle Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Es ist noch nicht allzu lange her, da galt Dubai als eine der größten Baustellen der Welt. Doch die Finanz- und Wirtschaftskrise erreichte auch die einstige Boomregion am Persischen Golf. Eine der größten Holdinggesellschaften des Emirats, genannt „Dubai World“, ist mit 23,5 Milliarden Dollar verschuldet. Nach langwierigen Verhandlungen haben sich die Gläubiger vor Kurzem auf eine Umschuldung geeinigt. Von den Problemen in Dubai sind auch viele kleinere Gesellschaften betroffen.

Der größte deutsche Verbraucherverband, die „Stiftung Warentest“, warnte in den vergangenen Jahren mehrmals vor dem Dubai-Boom. „Im Wüstenscheichtum läuft der Immobilienmarkt heiß.“ Das Verlustrisiko der dort investierten Fonds sei hoch.

 

Keine „Niki Lauda Twin Towers“

Dennoch haben deutsche Fondsanleger Schätzungen zufolge eine Mrd. Euro am Persischen Gold investiert. Zu den größten Anbietern gehörte „Alternative Capital Investment“. Die Geschäftsführung von ACI stellte im September für einige Dubai-Fonds Insolvenzanträge.

Die Immobilien seien „in unfertigem Bauzustand“. Der Preisverfall zwinge zu „unausweichlichen bilanziellen Abschreibungen der Buchwerte“, begründete ACI die Maßnahme.

Das zuständige Amtsgericht in Deutschland hat den Rechtsanwalt Norbert Westhoff zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Dieser ist gerade dabei, die Vermögensverhältnisse der Gesellschaften zu prüfen. Auf Grundlage seines Berichts wird dann das Gericht über die weitere Vorgangsweise entscheiden. Bis dahin werden von ACI und vom Insolvenzverwalter keine Anfragen beantwortet.

„Alternative Capital Investment“ wollte in Dubai einen Hochhauskomplex bauen. Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ befindet sich dort, wo die „Niki Lauda Twin Towers“, der „Boris Becker Business Tower“ und die „Michael Schumacher Business Avenue“ entstehen sollten, ein tiefes Loch. Expertenschätzungen zufolge wurden in Dubai etwa zwei Drittel aller Bauprojekte gestoppt. Lauda, Becker und Schumacher betonen, dass sie für ACI nur geworben haben. In die Projekte selbst waren sie nicht involviert.

In Deutschland haben sich mehrere große Anwaltskanzleien eingeschaltet, die mutmaßliche Opfer vertreten. Viele von ihnen kooperierten mit Kollegen in Dubai. Sie prüfen nun vor Ort, wie viel Geld noch vorhanden ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2010)