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Unterwegs

Bienenweltmacht Slowenien

Ein Imker kontrolliert seinen Bienenstock und hat eine Wabe mit seinem Bienenvolk in den Händen (Symbolbild).
Ein Imker kontrolliert seinen Bienenstock und hat eine Wabe mit seinem Bienenvolk in den Händen (Symbolbild).(c) imago images/Fotostand (Fotostand / K. Schmitt via www.imago-images.de)
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Slowenien ist eine Bienenweltmacht. Ein schlauer Imker hat daraus ein Business gemacht.

Vorletzte Woche am Samstag, die slowenische Morgensonne nagelte hammerhart auf mein kahles Haupt, stand ich mit ein paar Korrespondentenkollegen auf dem Dach des Hotel Ljubljana Park und hatte ein Summen im Ohr. Vor uns warteten vier Bienenkästen mit einem ständigen Kommen und Gehen, also eigentlich eher einem Herein- und Herausfliegen der kleinen Sumsis auf. Zum ersten Mal seit Monaten hatte ich wieder Belgien verlassen können, des slowenischen EU-Ratsvorsitzes wegen hatte es mich nach Slowenien verschlagen. Der Kollege vom tschechischen Radio hatte ein Treffen mit Gorazd Trušnovec organisiert, jenem Imker, dessen pfiffige Geschäftsidee vor zwei Jahren schon dem Wirtschaftsmagazin „Brand eins“ einen Bericht wert gewesen war. „Rent a Hive“ heißt sein Ein-Mann-Betrieb, und wie der Name es erahnen lässt, kann man bei ihm Bienenstöcke mieten. Das taten auch die Betreiber des Hotel Ljubljana Park, die aus einem zwölfstöckigen sozialistischen Betonbau ein elegantes Ökohotel gemacht hatten. Den Honig dürfen sie behalten, er kommt ans Frühstücksbuffet oder in die Backstube. Dazu kommt der ökologische Nimbus. Denn die Bienchen auf dem Dach bestäuben eifrig alles, was sich ihnen darbietet.

Kein Land in Europa zählt so viele Imker wie Slowenien. Trušnovec gab seinen Job als Architekt dafür auf, weil er, wie er sagte, nicht ständig vor dem Bildschirm sitzen wollte. Die Bienen sind mittlerweile auch der Stadtregierung von Ljubljana ein Anliegen: Jedes Mal, wenn ein Baum zu ersetzen ist, wird ein neuer gewählt, der Pollen liefert.

oliver.grimm@diepresse.com

Nächste Woche: Timo Völker

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2021)