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Was sich an Österreichs Unis ändern muss

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(c) APA (Roland Schlager)
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Nach der Wien-Wahl versucht die Bundesregierung, ein Budget für drei Jahre zu erstellen. Die Universitäten drängen besonders. Die wissenschaftliche Lehre und der Ruf der Unis leiden.

Der Reformstau macht Österreich schwer zu schaffen. Die Blockaden reichen vom Bundesheer bis hin zum Bildungssystem. Zwei Landtagswahlen und eine schwierige Budgetlage haben den politischen Diskurs in den letzten Monaten gelähmt.

Ein zentrales Thema, in dem akuter Reformbedarf herrscht, ist der Bildungssektor. Hochschulen werden ausgehungert, klagen Rektoren und Studierende. Viel dringender als Geld benötigt der Sektor jedoch ernsthafte Strukturdebatten. Die heillos überfüllte Massenuniversität ist Realität, die wissenschaftliche Lehre und die Reputation der Unis leiden. Nach den Studenten, die im Vorjahr Hörsäle besetzten, wollen nun auch die Rektoren Streiks nicht ausschließen. Am Dienstag wird bei Vollversammlungen der Uni-Betrieb bundesweit ruhen. Wie aber muss ein Universitätssystem organisiert sein, das den Anforderungen der Zukunft gerecht wird?

 

Keine Kostenwahrheit an Unis

Die Antwort ist weniger komplex – als vielmehr ideologisch umstritten: Das Ideal des freien und unbeschränkten Zugangs wird ein Ideal bleiben müssen, finanzierbar ist es nicht. Das Hochschulsystem benötigt – so wie fast alle anderen in Europa – Aufnahmebeschränkungen, einen inhaltlichen Relaunch und ein neues Finanzierungsmodell, in dem nicht allein der Staat für die Bildung aufkommt.

Neben der Umgestaltung jener Studienpläne, die bei der Bologna-Reform verunstaltet wurden, bleibt die Frage der Finanzierung eine der drängendsten. An der Wiedereinführung einer sozial abgefederten Studiengebühr (oder Modellen privater Beteiligung über spezielle Kredite oder eine einkommensabhängige, nachträgliche „Rückzahlung“ der Studienkosten) wird kein Weg vorbeiführen. Dennoch: Die Erhöhung der öffentlichen Uni-Budgets wird sich die Regierung auch dadurch nicht ersparen können.

Woran es den Hochschulen in erster Linie mangelt, ist die Kostenwahrheit, darin sind sich Bildungsexperten einig. In den Jahren 2010 bis 2012 erhalten die Unis ein Budget von rund 6,51 Milliarden Euro, ab 2013 wird es stagnieren, was zu realen Verlusten führt. Wie viel Geld die Unis für die Ausbildung der rund 280.000 Studierenden tatsächlich benötigen, weiß derzeit aber niemand. Klarheit brächte ein Modell der Studienplatzfinanzierung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2010)