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Oman

Der „Ruhepol“ am hektischen Golf

++ HANDOUT ++ AUSSENMINISTER SCHALLENBERG IM OMAN: SCHALLENBERG/BUSAIDI
APA/BMEIA/MICHAEL GRUBER
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Seit Sultan Qabus hat sich das Sultanat als stiller Nahost-Vermittler etabliert. Im Jemen ist diese Expertise besonders gefragt. Davon überzeugte sich auch Außenminister Schallenberg.

Mehr als eineinhalb Jahre nach seinem Tod ist Sultan Qabus nach wie vor omnipräsent in Maskat: Die Porträts des Herrschers – oft auf dem Thron und mit Säbel bewaffnet –, der den Oman fast 50 Jahre regiert und geprägt hat und der als „Vater“ des Erfolgs des Golfstaats gilt, hängen am Flughafen, in den Straßen der Hauptstadt, in den Ministerien. Die marmorweiße Oper ist ein Vermächtnis des Musikliebhabers, der in Wien eine Villa besessen hat.

Zur offiziellen Wiedereröffnung der österreichischen Botschaft durch Außenminister Alexander Schallenberg im Anschluss an das Gespräch erschien Sayyid Badr al Busaidi, sein omanischer Kollege, mit traditionellem Krummsäbel im Bund. Zur Zeremonie durchschnitt er das rot-weiß-rote Band aber gewohnheitsmäßig mit einer Schere. Von der Maskenpflicht, die in Maskat selbst bei schweißtreibenden Temperaturen im Freien obligatorisch ist, nahm sich der Chefdiplomat indessen aus. Stattdessen trat er mit Plexiglas-Visier auf.

„Schweiz des Nahen Ostens"

Die kriegerische Tradition liegt den Arabern im Sultanat in einer neuralgischen Region am Ende der Straße von Hormuz, vis-à-vis von Iran und Pakistan, an der Schnittstelle zu Afghanistan, quasi im Blut. Auf seinen Beobachtungsposten – etwa im maritimen Zentrum – nimmt es jede Bewegung in der Luft und an der See wahr.

Doch der Golfstaat weist eine Qualität als neutraler Vermittler hinter den Kulissen auf, für die Qabus den Golfstaat als „Schweiz des Nahen Ostens“ etabliert hat. Schallenberg charakterisiert das Sultanat als „Ruhepol“ am Golf. Der Oman ist mit allen Nachbarn und Konfliktparteien in Kontakt. 2013 war Maskat Schauplatz für die Anbahnung der Gespräche zwischen den USA und dem Iran, die schließlich in dem in Wien geschlossenen Atomabkommen mündeten. Zur Amtseinführung des neuen iranischen Präsidenten, Ebrahim Raisi, reiste Busaidi eigens nach Teheran.

Buddhistisches Credo

Ein paar Jahre später, als von dem „Abraham-Abkommen“ noch längst keine Rede war, hatte Qabus sogar Israels damaligen Premier Benjamin Netanjahu zu Gast. An einer Einbindung in den Pakt, dem die Nachbarn am Golf – die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain – im Vorjahr beigetreten waren, zeigten die unparteiischen Omaner allerdings kein Interesse.

Zur Zeit verfolgen sie mit einer gewissen Gelassenheit die Vorgänge in Afghanistan. Außenminister Busaidi formulierte ein nachgerade buddhistisches Credo: „Regierungen kommen und gehen. Das Volk bleibt“, sagte er über das Comeback der Taliban. Seit Kollege aus Katar, der seit den Doha-Verhandlungen eine enge Beziehung zu den Islamisten pflegt, hat sich erst am Sonntag mit großer Entourage nach Kabul begeben, um die Taliban zur Räson zu rufen. Danach werde er mit seinem Golf-Kollegen in Kontakt treten, kündigte Busaidi an. Nichts überstürzen, lautet offenbar das Motto in Maskat – ganz im Gegensatz zum Westen.

Jemen-Konflikt vor der Haustür

Erst recht tritt der Oman bei dem Konflikt vor der eigenen Haustür, der zuletzt beinahe in Vergessenheit geraten ist, als stiller Vermittler im Jemen auf – und zudem als einziger, den die schiitischen Houthi-Rebellen akzeptieren. In Maskat unterhalten sie ein Verbindungsbüro, und in der Grenzregion im Süden bestehen vielfältige verwandtschaftliche Beziehungen. Fast nach Belieben würden die Jemeniten über die Grenze kommen, ohne dass sie sich deswegen als Flüchtlinge betrachten würden, gibt eine Rot-Kreuz-Vertreterin im Oman zu verstehen.

Derzeit kursieren zwei Szenarien: entweder ein Waffenstillstandsdeal nach Abzug ausländischer Kämpfer aus Marib mit durchaus realistischen Chancen oder eine Teilung des Jemen in Nord und Süd, wie dies schon einmal der Fall gewesen ist. So sehen das zumindest die Pragmatiker im Oman.