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Unterwegs

Radfahren in Wien

Ein Radfahrer im dichten Verkehr Wiens.
Ein Radfahrer im dichten Verkehr Wiens (Archivbild)APA/HELMUT FOHRINGER
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Das Radfahren in der Stadt als „Fantastische Reise“: In Wien eher eine Fahrt in die Vergangenheit.

„Städte“, schreibt Talking Heads-Gründer David Byrne in seinen „Bicycle Diaries“, seiner Hymne auf das Fahrradfahren, „sind die Verkörperung unserer tiefsten Überzeugungen und oft unbewussten Gedanken, die wir nicht so sehr als Einzelpersonen haben, sondern als Wesen einer Gesellschaft. (. . .) Sich mit dem Fahrrad durch eine Stadt zu bewegen, ist wie das Navigieren durch die kollektiven Nervenbahnen eines riesigen globalen Gehirns. Ein Ausflug in die kollektive Psyche eng aufeinander lebender Menschen. Eine Fantastische Reise, ohne billige Spezialeffekte. Man kann das kollektive Gehirn in all seinen emotionalen Ausprägungen – glücklich, grausam, hinterlistig, großzügig – bei der Arbeit und im sonstigen Leben spüren.“

Im schönen Wien führt die Reise auf dem Sattel indes eher in die dunkleren Regionen: Irgendwie geduldet, aber nicht wirklich erwünscht, ist man dem Besitz-, ja Herrschaftsanspruch des Autoverkehrs letztlich störend im Weg. Und das ist noch nichts gegen die Nachred', die Radfahrer unter Fußgängern so genießen, was einigen radelnden Deppen, hauptsächlich aber prekären Überschneidungsflächen zu danken ist. Das ist durchaus auch ein Echo auf Signale der Stadtverwaltung, die auf die Prinzipien der autogerechten Stadt, zu denen folgerichtig auch Stadtautobahnen gehören, zurückgekehrt ist. Auf den etablierten Radwegen ist es beklemmend eng geworden, echte neue gibt es keine.

Byrne: „Manche Städte kommen Radfahrern mehr entgegen als andere. Nicht nur geografisch oder wegen des Klimas, sondern wegen der Verhaltensweisen, die dort gefördert werden, und wie manche Städte darauf reagieren oder auch nicht.“

timo.voelker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2021)