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Wirkstoffe

Mehr Medikamente gegen Covid-19 in der Pipeline

Remdesivir, ein synthetisch hergestellter Wirkstoff zur Hemmung der Viren.
Remdesivir, ein synthetisch hergestellter Wirkstoff zur Hemmung der Viren.(c) Reuters
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Die EMA empfiehlt die Zulassung der Kombination von Casirivimab und Imdevimab sowie des monoklonalen Antikörpers Regdanvimab für die Therapie von Covid-19 durch die EU.

Die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sorgen in Österreich dafür, dass die Impfbereitschaft wieder zunimmt - vor allem Auffrischungsimpfungen („dritte Stiche") werden derzeit verabreicht. Neben den Vakzinen arbeitet die Wissenschaft aber auch an Medikamenten gegen eine Erkrankung an Covid-19. So hat das Expertenkomitee für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) am Donnertag die Zulassung der Kombination von monoklonalen Antikörpern Casirivimab und Imdevimab der Pharmakonzerne Roche/Regeneron und des monoklonalen Antikörpers Regdanvimab des südkoreanischen Unternehmens Celltrion für die Therapie empfohlen.

Ein Novum, denn: Monoklonale Antikörper - in Kombination oder zur Einzelanwendung - waren bisher in Europa im Gegensatz zu den USA noch nicht zugelassen. Allerdings waren Bamlanivimab/Etesevimab des US-Herstellers Eli Lilly und die Kombination Casirivimab/Imdevimab des Schweizer Pharmakonzerns Roche und der US-Firma Regeneron unter speziellen Bedingungen erhältlich. Eine Zulassung gab es in Europa bisher bei den direkt gegen den Erreger Sars-CoV-2 eventuell wirksamen Arzneimitteln nur für Remdesivir, ein synthetisch hergestellter Wirkstoff zur Hemmung der Viren. Die Erfolge waren aber beschränkt.

Probleme bei der praktischen Anwendung

„Die Kombination aus Casirivimab und Imdevimab wurde in einer randomisierten Studie an Patienten mit Covid-19 untersucht, die keinen Sauerstoff benötigten, aber ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf hatten", heißt es in einem Artikel des „Deutschen Ärzteblattes". Wirksamkeitsparameter in der Studie war die Rate von Hospitalisierungen oder Todesfällen in den ersten 29 Tagen. Das trat nach der Behandlung mit Casirivimab plus Imdevimab bei elf von 1192 Patienten (0,9 Prozent) gegenüber 40 von 1193 Patienten in der Vergleichsgruppe auf (3,4 Prozent).

In einer weiteren klinischen Untersuchung wurden Personen behandelt, die engen Kontakt mit einem infizierten Haushaltsmitglied hatten, selbst aber keine Krankheitszeichen zeigten. Nach der Behandlung mit Casirivimab plus Imdevimab kam es bei 29 von 100 Personen (29 Prozent) zu einer Infektion mit Sars-CoV-2 und innerhalb von 14 Tagen zu milden Symptomen verglichen mit 44 von 104 Personen (42,3 Prozent) in der Placebo-Gruppe. Diese Unterauswertung betrifft nur relativ wenige Probanden.

Das Problem für die Praxis: Erstens werden Sars-CoV-2-Infektionen oft erst recht spät oder gar nicht per Laboruntersuchung diagnostiziert. Zweitens ist die Abgrenzung zwischen Personen mit wahrscheinlich schwerem Verlauf und jenen, die solche Arzneimittel nicht benötigen, schwierig. Wirksamkeitsdaten für Sars-CoV-2-Infizierte mit schwerer Erkrankung zu diesem Medikament gibt es nicht.

Fehlende Daten über Wirksamkeit bei Schwerkranken

Regdanvimab des südkoreanischen Biotech-Unternehmens Celltrion wird ebenfalls die Behandlung von Covid-19 bei Personen ab zwölf Jahren ohne Sauerstoffbedarf und mit einem erhöhten Risiko für eine schwere Erkrankung umfassen. Auch für dieses Medikament fehlen Informationen über eine Wirksamkeit bei Schwerkranken. Gerade für sie wären hoch wirksame Anti-Covid-19-Medikamente am dringendsten erforderlich.

Leichter anwendbar als monoklonale Antikörper, zumeist auch leichter herstellbar, sind synthetische Wirkstoffe. In den meisten Fällen reicht die orale Einnahme aus. Hier hat die britische Arzneimittelbehörde vor kurzem nach Remdesivir auch Molnupiravir (MSD) zugelassen. In den USA wird ein Zulassungsantrag begutachtet. Die EMA der EU hat einen sogenannten Rolling Review für die Substanz gestartet. Laut der britischen Behörde (MHRA) ist das Medikament jetzt zur Anwendung bei erwachsenen Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Covid-19 und mindestens einem Risikofaktor für die Entwicklung einer schweren Erkrankung zugelassen. Zu diesen Risikofaktoren gehören Fettleibigkeit, höheres Alter (über 60 Jahre), Diabetes mellitus und Herzerkrankungen, teilte die Deutsche Pharmazeutische Zeitung online mit.

Das antivirale Mittel sei sicher und effektiv bei der Verminderung des Risikos von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Covid-Patienten mit milden und mittelschweren Verläufen, so die MHRA. Das geht auch aus den Daten der Wirksamkeitsstudie hervor. Molnupiravir konnte bei gefährdeten, nicht hospitalisierten erwachsenen Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Covid-19 das Risiko für eine Krankenhauseinweisung oder einen tödlichen Verlauf statistisch signifikant reduzieren. Die Häufigkeit einer notwendigen Spitalsaufnahme und die Mortalität wurden um etwa 50 Prozent reduziert.

Das Mittel ist am wirksamsten, wenn es in den frühen Stadien der Infektion eingenommen wird. Daher empfiehlt die britische Zulassungsbehörde die Anwendung so bald wie möglich nach einem positiven Covid-19-Test und innerhalb von fünf Tagen nach Auftreten der Symptome. Das Medikament, das zwei Mal am Tag geschluckt werden muss soll fünf Tage lang eingenommen werden. Molunupiravir ist ein sogenanntes Nukleosidanalogon. Das ist ein falscher Baustein, der bei der Virusvermehrung in die RNA von Sars-CoV-2 eingebaut wird und dann zum Abbruch des Replikationszyklus führt. Remdesivir soll auf ähnliche Weise wirken. An sich war Molnupiravir ursprünglich als Influenzamittel vorgesehen.

Erinnerungen an HIV/Aids

An HIV/Aids erinnert das Protease-Hemmer-Kombinationspräparat PF-07321332 von Pfizer. Die Meldungen über den Abbruch einer klinischen Studie wegen Erfolges und die in nächster Zeit erfolgende Einreichung eines Zulassungsantrages bei der US-Arzneimittelbehörde FDA gingen vor einigen Tagen um die Welt. Enthalten sind zwei Wirkstoffe, die Sars-CoV-2-Enzyme (Proteasen) hemmen, die in der Vermehrung der Erreger eine entscheidende Rolle spielen. Protease-Inhibitoren haben ab Mitte der 1990er-Jahre HIV/Aids in hoch wirksamen Kombinationen mit anderen Wirkstoffen erst wirklich gut behandelbar gemacht. Einer der beiden enthaltenen Wirkstoffe, Ritonavir, wurde und wird auch weiterhin für HIV-Arzneimittel verwendet. Ritonavir bremst den Abbau des zweiten Wirkstoffes.

Die Phase-II/-III-Studie EPIC-HR (Evaluation of Protease Inhibition for Covid-19 in High-Risk Patients) zeigte, dass mit dem Mittel bei Erkrankten mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf das Risiko von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen um 89 Prozent gegenüber Placebo gesenkt werden kann. Allerdings muss das Medikament innerhalb von drei Tagen nach dem Auftreten von Symptomen verwendet werden.

In der Studie wurde das Arzneimittel zweimal täglich über fünf Tage hinweg eingesetzt. Innerhalb eines Beobachtungszeitraumes von 28 Tagen mussten 0,8 Prozent der Patienten unter der Therapie ins Krankenhaus eingeliefert werden oder starben. In der Placebo-Gruppe waren es sieben Prozent.

(APA/dpa/Red.)