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Zauberschlösser des Films

Wie im Film: Heimische Kinokultur

Kinos kann man nicht digitalisieren. Gut, dass manche Menschen sie lieben, pflegen und erhalten. Als Nahversorger magischer Momente
und Schatzwärter der Filmkultur.

Das muss doch Magie sein. Sonst wären die Menschen doch nicht so in den Bann geschlagen – von ganz bestimmten Orten: Die Kinos sind die Zauberschlösser des Films. Und auf das Publikum lassen sie gleich mehrere Zaubersprüche gleichzeitig wirken: die Architektur, die Nostalgie, die Geschichte, das Gefühl, nicht nur Konsument, sondern auch Publikum zu sein. All das triggert Sympathien. Schließlich lässt sich Atmosphäre auch nicht digitalisieren. Noch dazu weiß man aus Filmen: Magie und Liebe sind Urverwandte. So pflegen manche Menschen in Wien eine ganz intensive Beziehung zu „magischen“ Orten der Filmkultur und befeuern damit auch die Leidenschaft aller anderen. Da schwören sie Communitys auf ihre Lieblingsgenres ein, da lassen sie Kinobesucher brav der Raum- und Gefühlsdramaturgie folgen, die die Gestalter einst so raffiniert für sie ausgelegt haben. Allzu viele Kinos mussten in den letzten Jahrzehnten schließen. Aber das Engagement einiger Menschen hält die Türen von ein paar ganz besonderen Orten noch immer standhaft offen.

„Solche Orte sind Gegenthesen zum virtuellen Raum.“


Magie, was sonst?

Alte Kinosessel verkaufen sich auf Flohmärkten ratzfatz. Als würde da noch ein wenig Sternenstaub darauf haften, der einst von der Leinwand übergesprungen ist. Das Medium Film, nirgendwo dringt es so klar, intensiv und direkt durch zum Publikum wie im Kinosaal. Als wäre die Leinwand dann doch die durchlässigste Membran für all die Gefühle und Gedanken, die großen und die kleineren.
Auch Gerald Knell leitet einen Wirkkraftverstärker, es ist ein Ort, der architektonisch längst zur Ikone geraten ist, aber auch zur unverwechselbaren Programm-Landmark in der Wiener Kinolandschaft: das Filmcasino in der Margaretenstraße. Letzte Woche wäre dort „Summer of Soul“ gelaufen, eine hochgelobte und -dekorierte Musikdokumentation. Knell hatte sich wochenlang um sie bemüht. Gar nicht so leicht, denn der Film gehört zum Streamingangebot von Disney Plus. „Und die Streamingplattformen nehmen ja Kinos nicht ganz ernst“, sagt Knell. Nur wenn Netflix und Konsorten ihre Highlights auf der großen Leinwand aufblitzen lassen wollen. Denn nur dann darf man auch offiziell Oscars abräumen danach.