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Schlecker will Verkäuferinnen filzen lassen

Handtaschen oder Spinde sollen kontrolliert werden, um Diebstahl zu verhindern.

[Wien/cim] Lippenstift, Kleider, Medikamente, Bücher, Fotos? Was auch immer die Verkäuferinnen in ihren Handtaschen tragen oder in ihren Spinden einschließen, Arbeitgeber Schlecker will es sich ganz genau ansehen.

Seit dem 1. November gilt bei der Drogeriekette eine neue Betriebsvereinbarung. Ihr zufolge dürfen Taschen, Einkaufskörbe, Garderoben „und dergleichen mehr“ sowie Unterlagen der Mitarbeiter kontrolliert werden, um den Diebstahl durch das eigene Personal einzudämmen.

Die Gewerkschaft GPA-djp hält diese Kontrollen für „menschenunwürdig“. Ob sie rechtens sind, das soll die Datenschutzkommission klären. „Es ist unklar, ob diese Kontrollen den Grundrechten entgegenstehen“, meint Karl Proyer, der stellvertretende Geschäftsführer der GPA-djp.

Der Schlecker-Betriebsrat hat die Vereinbarung abgesegnet. „Die geltenden Betriebsvereinbarungen sind rechtens und mit den zuständigen Arbeitnehmervertretern abgestimmt“, heißt es dazu von Schlecker. Zu einem Gespräch war – wie üblich – niemand bereit.

Schlecker liegt in Deutschland und Österreich im Dauerclinch mit den Gewerkschaften. Die Liste der Skandale ist lang. Die jüngsten Vorwürfe in Österreich sind erst wenige Wochen alt: Eine Umfrage der GPA bei Mitarbeitern im Handel habe ergeben, dass bei Schlecker der gesetzlich vorgesehene Teilzeitzuschlag nicht ausbezahlt wird.

Um diesen Zuschlag zu umgehen, wurde ebenfalls eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die in den Augen der Gewerkschaft aber klar rechtswidrig sei. Aber auch diese Vereinbarung werde vom Unternehmen nicht eingehalten, vielmehr werde Zeitausgleich missbräuchlich während des schon genehmigten Urlaubs angeordnet. Die Gewerkschaft plant rechtliche Schritte.


Faschingsscherz von Schlecker

Die Gespräche mit Schlecker blieben bisher ohne Ergebnis, obwohl sich Österreich-Geschäftsführer Andreas Kozik seit einem halben Jahr mehrmals persönlich mit der Gewerkschaft an einen Tisch gesetzt hat. Er höre die Vorwürfe immerhin an, ändern würde sich aber nichts, erzählt Proyer. Außerdem verschleppe Schlecker die Gespräche laufend.

Wie ernst man die Arbeitnehmer und ihre Vertreter in der Zentrale im oberösterreichischen Pucking nimmt, zeigt der jüngste Terminvorschlag zu einem Treffen: am 11. November um 11 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2010)