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Analyse

Die Ideenwelt des „gekränkten“ Kremlchefs

Ein Wandbild in Rom, aufgenommen vergangene Woche: Einmarsch im Frühling?
Ein Wandbild in Rom, aufgenommen vergangene Woche: Einmarsch im Frühling?imago images/ZUMA Wire
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In einer teilweise bizarren TV-Ansprache, die mehr als eine Stunde dauerte, begründete Wladimir Putin sein Vorgehen gegen die Ukraine - und offenbarte sein ideologisches Denkgebäude.

Die Aktion war medial gut vorbereitet. Das russische Staatsfernsehen sendete Bilder von weinenden Kindern, die mit Sack und Pack ihr Zuhause hatten verlassen müssen, geflohen mit Müttern und Großmüttern, geflohen „vor Schüssen, vor Bomben“, vor der Regierung in Kiew, die „ihre eigenen Leute quält“, hieß es quer durch die Sendungen. Das Eilige, Plötzliche, Unerwartete, das der russische Staat da an den Tag zu legen versuchte, stellte sich bereits nach kurzer Zeit als eine lang geplante Operation heraus. Eine Schmierenkomödie nach Kreml-Art, die wie nie zuvor den russischen Feldzug gegen einen Nachbarstaat offenlegt, dem Moskau die Staatlichkeit aberkennt.

„Eine seit Langem überfällige Entscheidung“, nennt Putin die Anerkennung der Separatistengebiete in der Ostukraine. Knapp eine Stunde lang verliert er sich in seiner wahrhaft historischen Rede – im Fernsehen übertragen – in hanebüchenen Details. Alle sollen es hören, was der aufgebrachte und aufgedunsen wirkende Mann seinem Volk – und nicht nur ihm – mit seinen Ansichten mitzuteilen hat, die er als das einzig Wahre verkauft. Die moderne Ukraine, führt Putin aus, sei eine Erschaffung Russlands. „Des bolschewistischen, des kommunistischen Russlands“, fügt er hinzu, hält sich an seinem Tisch fest und poltert weiter. Vor sich die Telefone, hinter sich die russische Flagge. Die Ukraine sei ein Produkt Lenins, ein Geschenk der Sowjetunion, mit dem all ihre ukrainischen Führungspersonen nichts hätten anfangen können. Eine „Kolonie mit Marionetten-Regime“, nennt Putin die jetzige Regierung in Kiew.

„Endlich haben wir es den USA gezeigt“