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Unterwegs

Die Berliner heißen Flüchtlinge willkommen

Durch die Hallen des Berliner Hauptbahnhofs weht in diesen Tagen ein Hauch von 2015 – diesmal für die Ukraine-Flüchtlinge.

Auch Franziska Giffey ist da, die Berliner Bürgermeisterin. Im roten Mantel schüttelt sie die Hände von Kindern, älteren Frauen und Familienvätern, die selbst gemalte Schilder in die Höhe halten. „Mutter + ein oder zwei Kinder“, steht auf einem. „Wir sind eine Familie mit zwei kleinen Kindern und haben Platz für zwei Menschen“, auf einem anderen.

Ein Hauch von 2015 wehte am Donnerstagabend durch die kalten Hallen des Berliner Hauptbahnhofs. In mehreren Sonderzügen kommen Flüchtlinge aus dem Osten von der polnischen Grenze. Sie fliehen vor dem Krieg in der Ukraine: Frauen mit kleinen Kindern an der Hand, ein alter Mann mit Fellmütze hat seinen Dackel mitgenommen, eine Großmutter mit Kopftuch wird von ihrer Tochter in einem Rollstuhl geschoben. Junge Männer sind wenige zu sehen: Wer zwischen 18 und 60 Jahren alt ist, darf das Land nicht verlassen, die ukrainische Regierung zwingt sie zum Kampf.

Eine junge Frau in gelber Warnweste weist per Megafon andere junge Menschen in gelben Warnwesten ein: „Der nächste Zug kommt um acht Uhr vierzig“, ruft sie. „Wer jetzt nichts zu tun hat, spricht bitte aktiv Menschen im Bahnhof an, ob sie etwas brauchen.“ In nur wenigen Stunden haben die Berliner in Eigenregie die Hilfe hochgefahren: Es gibt Essen, Kinderspielzeug, Kleidung. Ein paar Hundert Menschen bieten den Flüchtlingen ihre eigenen Wohnungen an. Wer in eine andere Stadt will, kann in diesen Tagen gratis fahren.

In Berlin öffnen Hunderte Menschen wieder einmal ihre Arme für die Vertriebenen des Krieges. Es werden noch viele kommen, die sie brauchen.

christoph.zotter@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2022)