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Wiener Landwirtschaft

Gemüsebauern brauchen die Wiener

Gemüse im Glashaus, egal ob Kräuter (Bild) oder Gurken, braucht Energie.Die Presse/Clemens Fabry
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Die Wiener Gemüsebauern leiden unter den hohen Energiekosten und appellieren an die Wienerinnen und Wiener, regional einzukaufen. Dieser Tage startet die Haupterntesaison.

Normalerweise kommen die Wiener Gemüsebauern ins Zentrum der Stadt, um bei Presseveranstaltungen auf sich und ihre Produkte aufmerksam zu machen. Heuer ist aber auch für die Gärtnereibetriebe alles anders. Die Wiener Gartenbaubetriebe luden deshalb am Montag gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Wien an den Stadtrand, genau genommen in die Donaustadt.

Dort betreibt Martin Flicker die größte heimische Produktion von Mini- und Snackgurken. Auch Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky hat gern den „langen Weg vom Rathaus“ hierher genommen, wie er sagt, um auf die Wichtigkeit der Wiener Landwirtschaft hinzuweisen. Die will nämlich mit einem mehr oder weniger offiziellen Auftakt zur Hauptsaison die Wienerinnen und Wiener daran erinnern, doch auch beim Gemüse auf Regionalität zu setzen.

Energiekosten verdreifacht

„Die Rahmenbedingungen sind derzeit nämlich alles andere als leicht“, sagt Franz Windisch, Präsident der Wiener Landwirtschaftskammer. Womit er vor allem die hohen Energiepreise meint, die bei einer Produktion im Glashaus besonders ins Gewicht fallen. Die Energiekosten haben sich teils verdreifacht, erklärt Windisch auf Nachfrage der „Presse“. Es sei schwer, da durchschnittliche Zahlen anzugeben, immerhin werden in Wien an die 100 verschiedene Produkte produziert. Aber um mehr als die Hälfte seien die Produktionskosten sehr wohl gestiegen. Und ja, natürlich schlage sich das teilweise im Preis nieder.

Wobei es jetzt, dank der warmen Temperaturen noch nicht so schlimm sei, wie auch ein Rundgang durch eines der beiden je 21.000 Quadratmeter großen Glashäuser von Martin Flicker deutlich macht. Schon am Vormittag ist es da mehr als schön warm. Dennoch müsse derzeit teilweise noch in der Früh und am Abend geheizt werden. Und: Da Flicker das ganze Jahr über Gurken produziert, sind die Glashäuser auch mit Tageslichtlampen ausgestattet, denn die Gurken brauchen nicht nur Wärme, sondern eben auch Licht.

„Entscheidend wird der Herbst sein. Wir wissen nicht, wie dann die Rahmenbedingungen sein werden“, sagt Kammerdirektor Robert Fitzthum. In der Donaustadt werde mangels Fernwärme beinahe ausschließlich mit Gas geheizt, in Simmering hingegen werden rund zwei Drittel der Gärtnereibetriebe mit Fernwärme beheizt, der Rest mit Biomasse, Hackschnitzel und Gas. Wobei bekanntlich auch bei der Fernwärme zu mehr als der Hälfte auf Gas gesetzt wird.

Zwei von drei Gurken aus Wien

Deshalb sei es so wichtig, dass die Wiener Konsumenten nicht auf billigeres Gemüse von weit weg umsteigen, sondern eben den Wiener Betrieben treu bleiben. Praktischerweise wurde bereits im Vorjahr die Dachmarke „Stadternte Wien“ ins Leben gerufen, die es leichter machen soll, Wiener Produkte zu erkennen. „In Wien wird besonders viel Gemüse produziert. Während der Saison kann sich die Stadt selbst mit Gemüse versorgen“, sagt Stadtrat Czernohorszky.

Übers Jahr gesehen liegt der Eigenversorgungsgrad bei mehr als 30 Prozent. Rund 73.000 Tonnen Gemüse werden in Wien jedes Jahr produziert, darunter rund 29.000 Tonnen Gurken (zwei von drei österreichischen Gurken stammen aus Wien) und 20.000 Tonnen Paradeiser. Der Produktionswert des Wiener Gemüses liege bei 80 Millionen Euro. „Dieser Wert ist in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent gestiegen“, sagt Windisch. Und worauf die Vertreter der städtischen Landwirtschaft ebenfalls stolz sind: Der Bio-Anteil liegt bei etwa einem Drittel. 35 Prozent der Flächen und 32 Prozent der Betriebe arbeiten biologisch. Dieser Wert soll im Rahmen des Bio-Aktionsprogramms 2022+ noch steigen.

Die Zahl der Wiener Landwirtschaftsbetriebe ist zwar in den letzten Jahren leicht gesunken. Derzeit gibt es 577 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Die Fläche (rund 5700 Hektar) ist allerdings gleich geblieben. Dennoch müssen die Wiener Bauern auch öfter der Stadtentwicklung weichen. So ist etwa Martin Flicker mit seiner Gurkenproduktion schon mehrmals umgezogen und nun in Neu-Essling an der Grenze zu Niederösterreich angekommen.

Die Presse/PW