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Wort der Woche

Insektenkot

Die Exkremente von Insekten enthalten viele Pflanzennährstoffe. Ihr Einsatz als Dünger wäre interessant – der Teufel steckt aber im Detail.

Insekten zählen zu den großen Zukunftsvisionen für eine nachhaltige Ernährung der Menschheit: Mehlwürmer, Heuschrecken, Käfer oder Grillen haben einen hohen Nährwert, ihre Produktion braucht aber im Vergleich zu Nutztieren viel weniger Ressourcen (Platz, Futter, Energie, Wasser etc.) und verursacht nur einen Bruchteil der Treibhausgasemissionen. Laut UN-Ernährungsorganisation FAO stehen Insekten bei rund zwei Mrd. Menschen regelmäßig auf dem Speisezettel. Hierzulande sind Insektengourmets noch selten. Doch die Zahl steigt. Und mit zunehmender Insektenzucht fallen auch immer mehr Nebenprodukte an, u. a. die Exkremente der Tierchen.

Es mag vielleicht überraschen, aber auf dem Insektenkot ruhen große Hoffnungen: Da er, wie alle tierischen Ausscheidungen, reich an Stickstoff, Phosphor, Kalium, Spurenelementen usw. ist, gilt er manchen als hervorragender Pflanzendünger, der bei der Herstellung – anders als Kunstdünger oder Stallmist – so gut wie keine Treibhausgase freisetzt. Bauern im globalen Süden, die kaum Zugang zu anderen Düngemitteln haben, könnten mit Insektendünger ihre Produktion deutlich steigern.

Dazu kam in jüngster Zeit noch eine andere Idee: Insekten könnten auch dafür genutzt werden, organische Substanzen in den wachsenden Müllbergen (etwa Speisereste oder Nebenprodukte aus der Nahrungsmittelindustrie) sinnvoll zu verwerten – und gleichzeitig würden jene Emissionen vermieden, die beim Verrotten des Abfalls entweichen.

Klingt interessant. Doch Forscher aus Kenia und Uganda um Dennis Beesigamukama geben allzu optimistischen Erwartungen nun einen kleinen Dämpfer. In ihrer umfassenden Analyse von neun verschiedenen Insektendüngern hat sich gezeigt, dass zwar alle einen hohen Nährstoffgehalt haben. Doch bei Düngeversuchen mit Pflanzen schnitt nur eine Art mit Bestnote ab: die Schwarze Soldatenfliege (Hermetia illucens). Bei allen anderen Arten waren die Exkremente mehr oder weniger stark phytotoxisch, sodass Keimungsrate und Wachstum vermindert waren (Scientific Reports, 3. 5.).

Möglicherweise, so mutmaßen die Forscher, benötigen diese Insektenexkremente noch weitere Behandlungsschritte zur Entgiftung. Sicher sind sich die Forscher jedenfalls, dass das Substrat, an dem sich die Insekten gütlich tun, ein wichtiger Einflussfaktor ist: Je hochwertiger dieses ist, umso höher ist die Düngerqualität; aus minderwertigen organischen Abfällen lässt sich auch kein guter Dünger produzieren. Der Traum, aus Müll Gold zu machen, funktioniert also auch hier nicht.

Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Wissenschaftskommunikator am AIT.

meinung@diepresse.com

www.diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2022)