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Grünes Licht

Ein Kandidat allein auf weiter Flur

Geht es nach Bundespräsident Alexander Van der Bellen, soll die Wiener Hofburg noch sechs weitere Jahre sein Arbeitsplatz bleiben.Screenshot Youtube
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In einem Internetvideo verkündete Alexander Van der Bellen seine Hofburg-Wiederkandidatur im Herbst. SPÖ und Neos erklärten bereits, ihn dabei unterstützen zu wollen.

Wien. Alexander Van der Bellen mag allerhand politische Eigenschaften haben, übertriebene Forschheit zählt eher nicht dazu – nicht, wenn die Kommentierung tagespolitischer Vorgänge verlangt wird, und schon gar nicht, wenn es um Ansagen in eigener Sache geht. Bevor der frühere Grünen-Chef 2016 seine von allen erwartete Kandidatur bekannt gab, waren Monate ins Land gezogen; und bei der Frage des logischen Wiederantritts sollte es genauso sein.

Erst TikTok, dann YouTube

Zwar hegte in den vergangenen Monaten niemand mehr Zweifel an seiner Kandidatur; schließlich verzichtete bisher ausschließlich Kurt Waldheim auf eine zweite Amtszeit – Karl Renner und Theodor Körner starben noch während ihrer ersten. Doch das durch Regierungskrisen zum Angelobungsrekordhalter avancierte Staatsoberhaupt spannte das Land trotzdem auf die Folter, und zwar einem genauen Regieplan folgend. Der sah seine Verkündung kurz vor Sommerbeginn vor, am vergangenen Freitag gab es dann die erste kryptische Andeutung über ein TikTok-Video, hinter dem die Entourage Van der Bellens stecken dürfte.

Am Sonntag, kurz nach 16 Uhr, folgte dann die Bestätigung – und zwar in Form eines zweiminütigen YouTube-Videos. Das kurze Stück trägt den Titel „Da sein für Österreich“, es ist von gewohnter Professionalität und zeigt den 78-Jährigen einmal mehr von der lockeren Seite. „Man muss Überraschungen lieben“, beginnt Van der Bellen. „Wer von uns hätte vor fünf Jahren auch nur eine Idee davon gehabt, was uns alles passieren wird in der Welt, in Europa und in unserem geliebten Österreich?“

Das war tatsächlich eine ganze Menge: Die in seinem ersten Amtsjahr angelobte Koalition aus ÖVP und FPÖ zerbröselte nach dem Ibiza-Video, er hatte eine Übergangsregierung zu basteln und gilt als Mitarchitekt der türkis-grünen Regierung, der wiederum der Chef und etliche Minister abhandengekommen sind. Dazu kommen eine historische Pandemie und nun der Krieg in der Ukraine. Van der Bellens saloppe Einordnung: „Seien wir ehrlich, Dinge wie Ibiza sind heute schon fast vergessen.“

Van der Bellens Video mag kurz sein, seine Wahlkampflinie verrät es allemal: „Wir leben in einer Übergangszeit“, sagt er, „nichts ist mehr selbstverständlich.“ Es werde eine „große Aufgabe sein, den Frieden, den sozialen Zusammenhalt und unsere wunderschöne Natur zu bewahren, darum geht es in den kommen Jahren“. Er wolle nun eben das Seinige „dazu beitragen, dass die nächsten Jahre gut werden für uns alle“ – und zwar „mit all meiner Lebenserfahrung und Kraft“, so Van der Bellen. „Ich kann mir nichts Sinnvolleres vorstellen.“ Bei der Angelobung wäre Van der Bellen 79 Jahre alt, er dürfte also der älteste Bundespräsident der österreichischen Geschichte werden.

Unterstützung von SPÖ und Neos

Über die Bühne gehen wird die Wahl voraussichtlich im Oktober, Van der Bellen wünscht sich einen „kurzen, fairen und transparenten“ Wahlkampf. An diesem ist mit Ausnahme der Freiheitlichen, die jedenfalls einen Kandidaten nominieren wollen, aber ohnehin keine etablierte politische Kraft interessiert: Bereits kurz nach der Verkündung trudelten die ersten Unterstützungserklärungen ein. Nach Ansicht von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner habe Van der Bellen „sein Amt unabhängig, verantwortungsvoll und besonnen ausgeführt“. Schlussfolgerung: „Das SPÖ-Bundesparteipräsidium spricht sich dafür aus, die Wiederkandidatur von Alexander Van der Bellen zu unterstützen.“ Das haben auch die Neos vor: „Wie im zweiten Wahlgang vor sechs Jahren werden wir ihn bei der Kandidatur unterstützen und freuen uns auf weitere gute Zusammenarbeit“, richtete Parteichefin Beate Meinl-Reisinger aus. Die ÖVP unterdes reagierte vorerst noch zurückhaltend auf die Botschaft des Ex-Chefs ihres Koalitionspartners: Man werde sich in puncto Hofburg-Kandidatur „nun beraten und demnächst eine Entscheidung treffen“, heißt es aus der Partei. Allein: Für den Hofburg-Wahlkampf hat die ÖVP Insidern zufolge bisher keinen Cent budgetiert, auch hier ist also mit einer Unterstützung zu rechnen.

Zur Person

Krisen-Präsident. Der Professor für Volkswirtschaftslehre dockte in den 1990ern über Peter Pilz bei den Grünen an, von 1997 bis 2008 war Alexander Van der Bellen Chef der Ökopartei. 2016 setzte er sich in der geschichtsträchtigen Hofburg-Stichwahl mitsamt Wiederholung gegen FPÖ-Kandidat Norbert Hofer durch. In seine erste Amtszeit fallen Ibiza-Krise, Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg.