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Im Luxussegment sind auch die Bäume im Garten größer als sonst.
Gärten und Terrassen

Sinneswandel im Grünen: Kaltes Wasser, alte Bäume und guter Boden

Klingt überflüssig, ist es aber nicht: Nachhaltigkeit wird draußen wichtig.

Es klingt ein wenig nach „no na net“, wenn Imas-Prokurist Paul Eiselsberg bei der Präsentation einer Studie im Auftrag von Gardena sagt: „Die Nachhaltigkeit im eigenen Garten ist 88 Prozent der Garten- oder Terrassenbesitzer zumindest eher wichtig.“ So selbstverständlich ist es aber gar nicht, wenn man genauer darüber nachdenkt. Denn nur dass man einen Platz an der frischen Luft besitzt, heißt oder zumindest hieß noch lang nicht, dass man sich darüber Gedanken macht, wie man diese und den Rest der Umwelt denn auch schützen will.

Sinneswandel im Grünen

Das haben jahrzehntelang blitzblaue Chlor-Pools genauso unter Beweis gestellt wie die üppig eingesetzten Heizschwammerl, mit denen Party-Rauchern wie privaten Maroni-Röstern eingeheizt wurde – und dem Rest des Gartens gleich mit. Das ändert sich wie so vieles gerade – im Großen wie im Kleinen. 62 Prozent der Befragten glauben zumindest eher, dass der Klimawandel auch im Garten durch neue digitale und technische Lösungen minimiert werden kann, eine „österreichische Herzensangelegenheit“ sei dabei das Wasser, dessen Schutz für 88 Prozent der Teilnehmenden den wichtigsten Bereich beim Umweltschutz darstellt. Folgerichtig wurden die Studienzahlen auch dafür genutzt, auf entsprechend nachhaltige neue Produkte aus dem Portfolio des Gartenzubehör-Herstellers zu verweisen.

Eisbaden liegt im Trend

Diese Einstellung ist aber sowieso seit einer Weile in den heimischen Gärten zu spüren. So sind schon lang Naturpools stärker nachgefragt als die Chlor-Klassiker, zumindest wenn sie optisch ähnlich aussehen. Seit Kurzem hat zudem ein alter Brauch in Sachen Wasserstellen wieder Einzug in die Gärten gehalten, der ganz ohne Energie auskommt. „Eisbaden ist ein ganz großer Trend geworden“, berichtet Alexandra Zauner, Geschäftsführerin von Freiraum. „Manche lassen dafür einfach Fässer in den Boden ein oder nutzen im Winter den Pool dafür“, erläutert die Landschaftsgärtnerin. „Die ganz Hartgesottenen baden darin sogar das ganze Jahr auch ohne Sauna.“

In Sachen Bewässerung wird inzwischen darauf geachtet, dass nicht sinnlos Leitungswasser auf den Rasen und die Hecken gepumpt wird. „Die Bewässerungstechnik muss natürlich mit Windwächter und Regenmesser funktionieren“, betont Bernhard Kramer von Kramer & Kramer Gartenarchitektur.

Wasser sinnvoll einsetzen

Was im Neubau üblich sei, bei Altbauterrassen aber manchmal schwierig sein könne. Dort, wo es funktioniert, werden die Systeme mit jenem des Hauses verbunden und sorgen dafür, dass nicht überwässert wird und die Beleuchtung nicht unnötig läuft – was im Übrigen auch Tiere und Pflanzen nicht glücklich macht. Kritisch sieht der Landschaftsarchitekt dagegen die jüngst so populär gewordenen Vernebelungsanlagen, die man für private Gärten genauso infrage stellen müsse wie die Heizschwammerl.

Villengartenanlage im Wienerwald, bei der Baumbestand und Garten besonders gut verwoben sind. Realisiert von Architekt Claus Radler.
Villengartenanlage im Wienerwald, bei der Baumbestand und Garten besonders gut verwoben sind. Realisiert von Architekt Claus Radler.(c) Clemens Lutz

Das wichtigste Thema in Sachen Nachhaltigkeit sind aber für Kramer die Bäume – die derzeit besonders im Highend-Segment groß nachgefragt sind. Und zwar buchstäblich, wie er betont. „Bäume dürfen richtig groß, alles darf übergrünt und verwunschen sein, nicht mehr gezirkelt und gestylt, sondern vielmehr ein richtiger Wald“, erklärt er. Auch in kleineren Gärten werden große Bäume nahe an die Terrassen gepflanzt, „da gibt es keinen Sicherheitsabstand mehr, und viele verzichten dafür auch auf ein Stück Rasen“. Denn die Kühlung durch die Blattmasse sei vielfach effizienter als jedes Sonnensegel. Was inzwischen auch die Architekten immer häufiger von Anfang an in ihre Planung miteinbeziehen, obwohl sie es vor noch nicht allzu langer Zeit gar nicht mochten, wenn ihr Gesamtkunstwerk durch zu nah platzierte Bäume kompromittiert wurde. Jetzt sei es aber wieder in Mode, dass Häuser regelrecht ins Grün eingebettet werden – was aus vielen Gründen sinnvoll ist. „Denn aus bautechnischer Sicht sind Bäume die Lösung, die das Klima retten werden; und nicht Moose an den Wänden“, betont Kramer.

Bäume stehen lassen

Daher werde inzwischen zunehmend auch von den Kunden gefordert, dass Architekten von Anfang an mit Landschaftsplanern zusammenarbeiten, allein schon, um den Bestand zu sichern, wenn mit dem Hausbau begonnen wird. Ein Thema, das auch dem Landschaftsarchitekten Clemens Lutz am Herzen liegt. „Das Grundproblem ist häufig, dass viele Menschen von Gärten wenig verstehen und die Baufirmen sich nicht scheren“, erklärt er. „Aber der Boden ist ein ganz komplexes Gebilde, das kaputtgemacht und niedergeradelt wird – und dann erwartet sich jeder, dass man an der Oberfläche kratzt und es wächst alles wieder.“

(c) Clemens Lutz

Was der Hausbau für den Boden bedeutet, erklärt der Gärtner mit einem Vergleich, der ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist. „Ein Biologe hat es einmal so erklärt: Das ist, als ob Außerirdische kämen und mit einem Bulldozer ganz Manhattan zusammenschieben. Und dann, wenn's Geschrei gibt, wieder aufräumen und sagen: ,Nicht aufregen, ist eh alles wieder da, wo es hingehört.‘“

Teure Reaktivierung

Was eben nicht gehe, denn ein gesunder Boden sei ein dreidimensionales Gebilde aus Wurzeln – und wenn ein Wiener Lehmboden erst einmal ruiniert sei, komme lang kein Regenwurm mehr und es könne Probleme mit Staunässe geben. „In so einem Fall arbeiten wir verstärkt mit Pilzen, Bodenaktivatoren mit Mikroorganismen und spezifischem Dünger“, verrät er einige Maßnahmen und ergänzt: „Das gewährleistet zwar schnell sichtbare Erfolge, aber es ist auch nicht billig.“ Im Luxussegment sei das aber eine durchaus sinnvolle Investition, denn nicht selten werde viel Geld für immer größere Bäume ausgegeben – die dann in einem schlechten Boden stecken. Alternativ könne man von Anfang an bewusster an das Thema herangehen. „Oft ist den Bauherren gar nicht bewusst, dass ein schöner alter Baum Teil der Gesamtstimmung war, wegen der sie den Grund eigentlich gekauft haben“, weiß der Landschaftsarchitekt. Wenn dieser einem Bagger zum Opfer fällt, lässt er sich manchmal auch mit viel Geld nicht leicht ersetzen.

BÄUME

Sie sind die alten neuen Stars der Gärten: Große Bäume werden als beste Schattenspender und Stimmungserzeuger wiederentdeckt. Immer öfter müssen Architekten wahlweise um sie herum oder diese nah am Haus mit einplanen. Sind keine Bäume vorhanden, werden sie um immer mehr Geld gekauft – was allerdings nur dann sinnvoll ist, wenn man nach dem Bauaushub auch darauf achtet, den Boden wieder in Form zu bringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2022)

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